Ein-Kind-Politik: China fehlen Frauen

Frauenmangel in China
Frauenmangel in China © dpa, A2800 epa Shamshahrin Shamsudin

Die Folgen der Ein-Kind-Politik

China leidet an einem Männerüberschuss. In der Generation der unter 30-Jährigen gibt es bereits 20 Millionen mehr Männer als Frauen - eine Folge der restriktiven Ein-Kind-Politik, durch die das Geburtenverhältnis aus dem Gleichgewicht geraten ist. Da viele Familien lieber einen Sohn als eine Tochter haben möchten, werden Mädchen häufiger abgetrieben. Die Folge: Jetzt fehlen den Männern Frauen zum Heiraten!

Von Christiane Mitatselis

Die chinesische Ein-Kind-Politik begann im Jahr 1979. Es herrschte damals große Armut, Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit, die kommunistischen Politiker fürchteten, das Elend werde weiter zunehmen, wenn die Bevölkerung ungebremst wachse.

Da sie sich um China nicht mit irgendwelchem demokratischen "Schnickschnack" aufhalten müssen, führten sie einfach strenge Gesetze zur Geburtenkontrolle ein. Und setzten fest: Wer ein Kind bekommen will, muss es vorher beantragen. Die meisten Familien dürfen seither generell nur ein Kind haben, ansonsten drohen Sanktionen: kein Kindergeld, kein Zuschuss bei Arztkosten, Benachteiligung bei Schulplätzen. Sogar von Zwangsabtreibungen wird immer wieder berichtet.

Ausnahmen gelten auf dem Land, dort darf jede Familie zwei Kinder haben, wenn das erste behindert oder ein Mädchen ist. Auch Ehepaare aus Einzelkindern dürfen zwei Kinder bekommen. Im Durchschnitt kommen in China so 1,55 Kinder auf eine Frau.

Ihr Ziel, das Bevölkerungswachstum von 98,5 Millionen Menschen im Jahr 1980 auf 1,2 Milliarden im Jahr 2010 zu begrenzen, verfehlte die chinesische Führung dennoch. 1,3 Milliarden Menschen wurden vor zwei Jahren im Land der Mitte gezählt.

Dafür ist aber das Geschlechterverhältnis aus der Balance geraten: Auf 120 geborene Jungen kommen nur 100 Mädchen. Der weltweite Durchschnitt liegt bei etwa 105 zu 100. Der Grund: Vor allem auf dem Land bevorzugen chinesische Familien einen männlichen Nachkommen, da er für die Eltern sorgt, wenn sie alt sind. Töchter kümmern sich dagegen traditionell um die Familie des Mannes. So werden Mädchen häufiger abgetrieben. Zwar ist es inzwischen verboten, dass Ärzte bei einer Ultraschalluntersuchung Angaben über das Geschlecht des Embryos machen. Korrespondenten berichten jedoch, dass die Mediziner oft auch ohne Worte Auskunft geben. Etwa durch ein Lächeln oder ein Stirnrunzeln.

Lauter Egoisten in China?

Die chinesische Ein-Kind-Politik hat neben vielen unfreiwilligen, männlichen Singles ein weiteres, häufig kritisiertes, soziales Problem produziert: eine Generation verwöhnter, egoistischer Einzelkinder.

In einem Interview mit der „Deutschen Welle“ stellte der der Soziologie-Professor Zhou Xiaozheng von der Renmin-Universität in Peking schon vor zwei Jahren fest: "Ohne das gemeinsame Aufwachsen mit Geschwistern und stattdessen überschüttet von der Liebe der Eltern und Großeltern, entwickeln viele Einzelkinder ein Defizit an Sozialkompetenz."

Ein Flut von chinesischen Egoisten ist sicher keine schöne Vorstellung, nachdenklich macht in diesem Zusammenhang allerdings dies: Laut Statistik kommen in Deutschland nur 1,41 Kinder auf eine Frau, etwa jedes vierte davon ist ein Einzelkind. Und wer kennt nicht mindestens eine verwöhnte Göre, die von ihren Eltern wie ein Prinz oder eine Prinzessin verhätschelt und zu einem kleinen Tyrannen erzogen wird?

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