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Eifersüchtig auf das Kind des Partners: Wie geht man mit diesem Gefühl um?

Eifersüchtig auf das Kind des Partners: Wie geht man mit diesem Gefühl um?

Eifersucht als Ausdruck von Verlustangst

Es gibt einen Problemkomplex, um dessen Klärung habe ich mich schon des öfteren bemüht, weil er wirklich viel Leid mit sich bringt: Es handelt sich um das Verhältnis zur Ex des Mannes, den man liebt. Da gibt es oft Grund zur Klage, viele Frauen sind enorm eifersüchtig auf ihre Vorgängerin, vor allem dann, wenn diese die Trennung eingeleitet hat. Noch schlimmer gestaltet sich das alles, wenn der Partner mit seiner Ex ein Kind oder mehrere Kinder hat.

Das bringt häufig eine wahre Flut von negativen Gefühlen mit sich, die man kaum in Zaum halten kann. In erster Linie ist es die Eifersucht, die einen innerlich zerreißt - Eifersucht auf das enge Band, das ein Kind darstellt, ein Band, das es immer geben wird, das letztlich auch immer eine Verbindung zur Ex zur Folge hat.

Gerade wird dieses brisante Thema leidenschaftlich im Frauenzimmer-Forum diskutiert. Eine Frau hat sich dort zu Wort gemeldet, die Höllenqualen leidet, weil ihr die Ex und das Kind, das ihr Freund mit der Ex hat, ein Dorn im Auge ist. Sie empfindet Hass auf die Frau, und sie lehnt das Kind ab, obwohl sie das gar nicht will. Sie ist einfach machtlos gegenüber ihren starken Emotionen.

Die Mehrheit der Userinnen ist erbost über die aggressive Haltung der Frau. Man wirft ihr vor, sie müsse dieses Kind bejahen, sie müsse ihren Freund besonders wertschätzen, weil er sich hingabevoll um das Kind kümmert. Diese vehemente Reaktion hat die unter der Ex und dem Kind leidende Frau verstört, sie schämt sich.

All das ist natürlich: Dass Frauen sich leidenschaftlich auf die Seite eines Kindes schlagen, das sind schließlich oft Mütter, auch getrennte Mütter, die in Rage geraten, wenn sie hören, dass eine Geschlechtsgenossin ein Kind aus einer anderen Beziehung ablehnt. Ich würde auch auf die Barrikaden gehen, wenn mir das widerfahren würde. Dennoch finde ich, sollten wir den Kummer der eifersüchtigen Frau ernst nehmen. Dahinter steckt ja kein böser Wille.

Bei der Behandlung von Liebeskummer jedweder Art empfiehlt es sich, sich von sich selbst zu unterscheiden. Das bedeutet: von sich und seinen individuellen Erfahrungen einmal abzusehen und einen objekiven Standpunkt einzunehmen. Wer das schafft, der kann mit dieser armen Frau mitfühlen. Wie verloren muss sie sich vorkommen, welche Ängste muss sie ausstehen, dass sie diesen Hass empfindet? Was hat sie erlebt in ihrer Vergangenheit, dass sie derartige Verlustängste hat? Denn um nichts anderes handelt es sich, sie hat panische Angst, nicht genug geliebt und vielleicht sogar verlassen zu werden.

Das kennen wir alle. Aus dieser Perspektive heraus können wir der Frau Mut zusprechen, zunächst einmal zu ihren negativen Gefühlen zu stehen. Das ist die halbe Miete. Wenn sie sich selbst hasst für ihren Hass, wird der Hass immer stärker. Das ist ein teuflischer Kreislauf.

Nimmt sie den Hass an, wird er geringer, und dann erst ist eine gesunde Basis geschaffen, von der sie sich selbst und ihre Lage aus objektiv betrachten kann. Mit Hilfe des gesunden Menschenverstandes, der in Liebesfragen ein viel zu unterschätztes Instrument ist, wird sie dazu kommen, zu sehen, dass ein Kind einfach nicht ihr Rivale sein kann. Ich baue auf diese Erkenntnis.

Um diese Erkenntnis zu erlangen, braucht die Frau einen geschützten Raum, in dem sie das Negative herauslassen kann, ohne dass sie verurteilt wird. Und, wie gesagt, sie ist kein Einzelfall, bohrende und zerstörerische Eifersucht auf die Vergangenheit des Partners (inklusive Kinder), das ist ein häufig auftretendes Problem. Verschweigen ist keine Lösung.

Das Negative aussprechen und im nächsten Schritt eine Distanz zu den eigenen Gefühlen zu erreichen, das ist der Weg, der zum Ziel führt.

Wer über Liebesleid im Dialog mit anderen ist, macht sich und anderen die Liebe leicht. Ich kann mir gut vorstellen, dass dann auch eine Form von Liebe für das Kind oder die Kinder des Partners fließt, eine liebende Akzeptanz zumindest, ohne die eine Beziehung zu ihm in der Tat nicht möglich ist.

Liebe Grüße und ein liebevolles Wochenende, Eure Birgit

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