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Eifersucht: Gefühl mit fatalen Folgen

Eifersucht ist ein komplexes Gefühl
Eifersucht - Ein Gefühl, das fatale Folgen haben kann

Eifersucht: Ein komplexes Gefühl

So seltsam das klingen mag: Auch Eifersucht ist eine Emotion, die schon kleine Kinder kennen. Und auch Eifersucht hat maßgeblich zum Überleben der Menschen beigetragen. Allerdings ist dieses Gefühl auch sehr komplex und häufig vermischt mit Gefühlen von Angst, Wut und Traurigkeit.

Den Moment, in dem uns schmerzlich bewusst wird, dass wir eifersüchtig sind, nennen Psychologen "Blitz der Eifersucht". Wie alle anderen Emotionen dient auch die Eifersucht dazu, den Körper in Aufruhr zu versetzen und eine Handlung vorzubereiten. Wenn wir diesem Impuls widerstehen können und nicht sofort eine Szene machen, schalten sich wenig später unsere Gedanken (Kognitionen) ein. Dann versuchen wir nochmal neu über die Situation nachzudenken und das wirkliche Risiko abzuschätzen. Allerdings muss gar keine akute Situation vorliegen, damit wir eifersüchtig werden: So kann in uns einfach ganz plötzlich auch die Eifersucht auf die Ex-Freundin aufflammen (retrospektive Eifersucht) - ganz ohne irgendeinen (aktuellen) Anlass.

Eifersucht - Weltweit Mordmotiv Nummer eins

Begibt man sich zurück in die Zeit, in der Menschen noch als Jäger und Sammler in kleinen Gruppen gelebt haben, lässt sich der Nutzen von Eifersucht leichter nachvollziehen. Denn in dieser Zeit diente sie dazu, den eigenen Partner mit Niemandem teilen zu müssen. Männer wollten dabei vor allem Konkurrenten ausschalten, um das Fortbestehen der eigenen Gene zu sichern. Das war absolut notwendig, schließlich riskierte ein Mann bei der Jagd nach Essbarem ständig sein Leben. Und wenn schon das eigene Leben aufs Spiel setzen, dann sicher nicht für Kinder, die gar nicht die eigenen sind. Für Frauen war es ebenfalls wichtig, den Partner nicht teilen zu müssen. Nur so konnte der größtmögliche Beute- und damit Nahrungsanteil für die eigenen Nachkommen gesichert werden.

Strategien eifersüchtiger Menschen

Vor diesem Hintergrund lassen sich auch die Strategien verstehen, die besonders eifersüchtige Menschen anwenden, um den Partner nicht teilen zu müssen (ob die Eifersucht begründet ist oder nicht, steht natürlich auf einem ganz anderen Blatt). Frauen konnten es sich vor allem damals nicht leisten, den gänzlichen Verlust des Partners zu riskieren. Sie fügten sich daher häufig in eine Konkurrenzsituation und versuchten über kleine hinterlistige Tricks doch noch mehr Beute für sich und ihre Kinder herauszuschlagen. Männer hingegen machen auch heute noch häufig kurzen Prozess — und zwar mit Frau, Kindern und Nebenbuhlern. Kriminalstatistiken zufolge sind die meisten ermordeten Frauen Opfer ihrer Männer oder Freunde geworden. Damit ist Eifersucht weltweit das häufigste Tatmotiv.

- Scharfe Überwachung: Es wird zum Beispiel der Tagesplan des Partners minutiös kontrolliert, für jede Minute braucht man ein handfestes Alibi. Auch ständige Telefonanrufe gehören dazu, bei denen sich der eifersüchtige Partner vergewissern will, dass die gemachten Angaben (ich bin bei meiner Freundin xy) auch wirklich stimmen.

- Kontaktbeschränkung und Isolation: Schritt für Schritt wird der Partner von seinem sozialen Umfeld isoliert, alle Kommunikationsmöglichkeiten werden kontrolliert (E-Mails, Telefon, Handy, etc.). Häufig kommt es zu einer Einschränkung der Bewegungsfreiheit (du brauchst doch kein Auto, ich fahr dich ja überall hin). Kontrolle über alle Möglichkeiten, die Begegnungen mit anderen Männern erleichtern könnten. Zum Beispiel Schminkverbot oder Kontrolle des Kleidungsstils ("So wie du aussiehst ist es keine Wunder, dass dir die Männer hinterher gucken." Oder "Du ziehst das Kleid doch nur an, um andere Männer anzumachen!")

- Abwertung des Anderen: Das Beschimpfen, Beleidigen und Bedrohen der Partnerin ist ebenfalls eine gängige Strategie eifersüchtiger Männer. Oft fühlen sich die Frauen dann schuldig, hilflos, machtlos und unfähig. Denn egal wie sehr sie sich bemühen, sie werden nie alle Gründe für die Eifersucht des Partners eliminieren können. Das lässt sie häufig mit einem Gefühl der Verzweiflung zurück, sie fühlen sich unfähig und minderwertig.

In fast allen Kulturen werden Seitensprünge von Frauen härter bestraft als die der Männer. Die Strafen für weibliche Untreue lesen sich auch heute noch wie ein einziger Folterkatalog: Steinigung (Tradition im Mittleren Osten), Verbrühen (Japan), Zerquetschen zwischen zwei Steinen (traditionelles China), Abschneiden der Nase oder der Ohren oder - als "mildere Strafe" - das Brennen mit glühenden Eisen (bestimmte nordamerikanische Indianerstämme). Auch die Exzision, also das gänzliche Entfernen der weiblichen Klitoris, wird als Mittel betrachtet, die Tugend der Frauen zu sichern.

Der Grund, warum Männer dazu neigen, untreue Partnerinnen zu ermorden, wird von Evolutionspsychologen in der früher vorherrschenden Polygamie vermutet. Denn prinzipiell macht es keinen Sinn, die Mutter des eigenen Nachwuchses umzubringen. Auf der anderen Seite musste sich das dominante Männchen Respekt verschaffen und die Weitergabe der eigenen Gene sichern. Das Töten zeigte den anderen deutlich, wer die Hosen an hat. Auf die Zweit- und Drittfrauen hatte es sicher eine abschreckende Wirkung. Und auch die anderen Männchen waren von so viel Aggressivität und Blutrünstigkeit sicher beeindruckt. Diese Erklärung soll dieses Verhalten keinesfalls legitimieren. Es zeigt nur, wo dieses Verhalten begründet sein könnte.

Ein kleiner, häufig von Frauen angewandter, Psychotrick, ist, den Partner mit Absicht eifersüchtig zu machen. Frauen wollen so die Aufmerksamkeit ihres Liebsten wieder auf sich lenken und überprüfen, was Ihre Beziehung wert ist. Auch wenn Männer in den besten Absichten handeln: Wenn sie auf diese Provokation nicht reagieren, weil sie Vertrauen in die Partnerin signalisieren wollen, ist das ausnahmsweise mal falsch. Lieber mit (gespielter oder liebevoller) Eifersucht reagieren. Denn alles andere könnte als Desinteresse an der Herzensdame und der Beziehung zu ihr gedeutet werden.

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