"Ehrenmord" in Pakistan: Ehemann des Opfers hat seine frühere Frau ermordet

In Pakistan wurde eine schwangere Frau von ihrer eigenen Familie zu Tode gesteinigt. Doch die Täter werden nicht verurteilt.
Farzana Iqbal wurde nur 25 Jahre alt © REUTERS, STRINGER/PAKISTAN

Er hat getötet, um wieder heiraten zu können

Die Hintergründe der Steinigung in Pakistan werden immer bizarrer: Mohammed I. hat zugegeben, seine frühere Frau umgebracht zu haben, um Farzana Iqbal heiraten zu können. Bestraft wurde er dafür nicht. Farzanas Familie stellte sich allerdings gegen die Heirat mit Mohammed und hat die 25-Jährige gesteinigt.

„Ich wollte Farzana einen Heiratsantrag machen, also habe ich meine Frau getötet“, sagte Mohammed I. in einem Interview mit dem Sender CNN. Er wurde für den Mord vor sechs Jahren zwar inhaftiert, nach kurzer Zeit aber wieder freigelassen – er hat ein sogenanntes Blutgeld an seinen Sohn bezahlt, der ihm daraufhin den Mord an der Mutter vergab. In der in Pakistan geltenden Scharia-Gesetzgebung wird der Mörder freigesprochen, sobald ihm die Familie des Opfers die Absolution erteilt.

Diese Gesetzlage wollte sich auch die Familie der gesteinigten Farzana zunutze machen. Die Heirat Farzanas mit Mohammed I. habe Schande über die Familie gebracht, argumentierte der Vater. Er wollte, dass Farzana ihren Cousin heiratet, dem sie bereits versprochen ist.

Trotzdem wurden nach der Steinigung mehrere Familienmitglieder des Opfers festgenommen, unter anderem der Vater selbst, ein Onkel und zwei Cousins der Frau. Der Bruder und der Ex-Verlobte, die ebenfalls an der Steinigung teilgenommen haben sollen, sind weiterhin auf der Flucht.

Die Steinigung hat eine weltweite Welle der Empörung ausgelöst. Der pakistanische Premierminister Nawaz Sharif hat die Steinigung als „vollkommen inakzeptabel“ bezeichnet und auf eine genaue Aufklärung des Mordfalls bestanden.

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