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'Ehe Light': Macht ein Zivilpakt mehr Sinn als ein Jawort?

Ehe Light
Ehe Light: Vieleicht gibt es auch in Deutschland bald das neue Modell der Ehe © Goran Bogicevic - Fotolia

Ist Ehe Light die Lösung für Unentschlossene?

Puh, man merkt, dass es Sommer wird - plötzlich sind alle im Diätwahn - Jetzt wollen Politiker sogar die Ehe abspecken! Also eine Art Ehe light einführen. Geht das nicht zu weit? Haben die denn jetzt schon einen Sonnenstich, oder ist diese 'Verliebt, Verlobt, Vernunft- Version' eine längst überfällige Modernisierung der Uralt-Tradition?

Von Dagmar Baumgarten

Auch wenn das Romantik-Herz in mir blutet, brüllt mein Verstand, dass man zumindest mal drüber nachdenken sollte. Jedes dritte Kind wird mittlerweile unehelich geboren. Denn vor der wichtigen Wortkombination: "Ja, ich will!" schrecken immer mehr Paare im entscheidenden Moment zurück. In den letzten 40 Jahren ist die Zahl der Eheschließungen um ein Drittel gesunken. Ist eine Ehe Light also doch eine Lösung?

Diese anti-romantische Vernunft-Version kommt ausgerechnet aus der Stadt der Liebe! In Paris wurde der 'Pacte civil de Solidarie (Pacs)' schon vor 16 Jahren eingeführt. Es ist eine Art Vertrag über das Zusammenleben. Man verpflichtet sich zu gegenseitiger Unterstützung, kann sich aber leichter trennen als bei der traditionellen Ehe. Entwickelt wurde es eigentlich für homosexuelle Paare. Es hat sich aber auch bei heterosexuellen Paaren zu einem echten Renner entwickelt. Die Partner verzichten auf eine mehr oder weniger bewegenden Zeremonie mit einer mehr oder weniger rührenden Rede eines Standesbeamten. Stattdessen treffen sich die Verliebten beim Notar, oder vor dem Amtsgericht. Es gibt weder Zeugen noch Zeremonie, und damit auch wenig Verschleiß an vollgeschluchzten Taschentüchern.

Der Vorteil: gemeinsame Besteuerung, Besuchsrecht im Krankenhaus, und eine Rente, wenn der Partner stirbt. Die Vermögen bleiben aber getrennt. Die Trennung wird vereinfacht, weil Paare reinschreiben können, was sie sich im Fall des Beziehungs-Scheiterns schulden.

In Frankreich sind die Zahlen für die Vertrags-Beziehung beeindruckend. 168.000 Franzosen haben sich 2013 'verpacsen' lassen. Das macht mittlerweile fast die Hälfte aller Eheschließungen aus. Zum Vergleich im selben Zeitraum sind im bevölkerungsdichteren Deutschland 373.655 Ehen geschlossen worden.

Ehe Light könnte am Grundgesetz scheitern

Jetzt schielt auch die Schweiz auf das neue Ehe-Modell. Auch die Eidgenossen finden die Uralt-Tradition nicht mehr zeitgemäß, und wollen ihr Familienrecht modernisieren. Genau das will die familienpolitische Sprecherin Franziska Brantner auch in Deutschland. Sie glaubt, dass so ein Zivilpakt auch in Deutschland eine Erfolgsgeschichte wäre. Aber die Alternative für Heiratsmuffel könnte in Deutschland am Grundgesetz scheitern. Denn dort ist der Schutz der Ehe eindeutig festgeschrieben.

Bettina Heiderhoff, Professorin für Internationales Privatrecht an der Universität Münster sagt ganz deutlich: "Der Staat ist daran gehalten, dass er für Paare die Ehe vorsieht und keine anderen Institute, die eine Konkurrenz für die Ehe sein könnten."

Das ist erst in letzter Zeit häufig geprüft und diskutiert worden, weil das natürlich auch ein Thema war bei der Einführung der eingetragenen Lebenspartnerschaft für Homosexuelle.

Immer wieder gibt es den Vorstoß einiger Politiker, die Ehe zu modifizieren. Die Ideen reichen von Ehe auf Probe, über Ehe auf Zeit bis zum Vorschlag des Polygamie-Vertrags der Piraten. Die Frage ist ja was hindert Paare daran, sich zur richtigen Ehe zu bekennen? Angst vor dem Endgültigen? Wer nur ein bisschen liebt, traut sich vielleicht eher auch nur ein bisschen zu heiraten.

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