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Ehe langweilig? Nicht mit diesen Ritualen

Diese drei Fragen sollen die Ehe retten
Diese drei Fragen sollen die Ehe retten Das behauptet eine Paartherapeutin 00:05:47
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Rituale machen die Ehe langweilig

Eine der Tatsachen über die Liebe, die mich erschüttert, ist, dass mittlerweile fast jede zweite Ehe scheitert. Dabei freuen sich Liebende immer auf eine rührende Weise, wenn sie endlich vorm Altar und/oder im Standesamt stehen, sie haben es 'geschafft', sie sind Feuer und Flamme, sie wollen mit jeder Faser ihres Herzens, dass ihre Ehe 'anders' wird. Eine Scheidung - undenkbar.

Birgit Ehrenberg
Birgit Ehrenberg schreibt jede Woche über die Liebe

Und dann geschieht es doch so oft: Eeene, Meene, Muh und raus bist Du. Was kann man wirklich tun, damit die Ehe hält, damit sie nicht nur hält, sondern damit sie liebevoll und glücklich bleibt?

Von Birgit Ehrenberg

Über dieses Thema zerbrechen sich alle Liebes-Experten dieser Welt den Kopf. Es gibt unendlich viele Theorien und Tipps. Aus der Flut der Ratgeberliteratur habe ich für Euch die fünf besten Strategien für eine harmonische und dauerhafte Ehe herausgefiltert.

1. Alle Welt schwärmt von Pärchen-Ritualen. Diese sollen die Ehe frisch halten, indem sie das Paar regelmäßig daran erinnern, dass man sich liebt und welchen Ausdruck diese Liebe finden kann (zum Beispiel gemeinsame Wannenbäder an jedem zweiten Samstag im Monat, danach Sex). Ich schreibe das extra süffisant, weil diese Rituale beängstigend häufig das Gegenteil bewirken: Nämlich Langeweile ("Müssen wir wirklich schon wieder baden, Liebling? Und danach wieder Sex, Seufz?"). Rituale führen eben leicht zu Routine. Und Routine ist ein Liebeskiller. Besser: Die Routine durchbrechen. Das raten kluge Köpfe auch Menschen, die generell mit ihrem Dasein hadern.

Der begnadete Zauberer und Hynotiseur Thimon von Berlepsch, der viel von Lebenskunst versteht, rät in seinem Buch 'Der Magier in uns. Wie wir mit Neugier und Vorstellungskraft unsere Welt verändern können' am Morgen zum Beispiel einfach einen anderen Weg zur Arbeit zur nehmen oder Tee statt Kaffee zu trinken. Die Durchbrechung der Routine kann Wunder bewirken, es ist, als ob ein Schalter im Kopf umgelegt wird. Das heißt für das Badewannenritual: Abwechslung! Lieber spontan an einem Freitag im Monat zusammen duschen, anstatt über Jahre an jedem zweiten Samstag baden.

2. Die meisten Menschen wollen über kurz oder lang ihren Partner ändern, aber sich selbst nicht. Das ist verrückt, denn der Partner ändert sich sowieso. Leider ist es nicht beeinflussbar, wie er sich ändert. Es kann sein, dass man begeistert ist über die Veränderung, wenn etwa aus einem Sportmuffel eine Sportskanone wird, und man selbst immer schon sportlich war. Es kann sein, dass der Partner, der immer gern gefeiert hat, nun nicht mehr gern feiert. Und man ist enttäuscht über die Spaßbremse im Haus.

Der Ausweg: Man muss ran an seinen eigenen Speck. Ich meine das seelisch. Man muss flexibel bleiben. Man muss seine starren Vorstellungen aufgeben. Der Partner ist plötzlich ein Partyschreck? Dann guckt man eben, wie es ist, mit ihm zu Hause Freude zu erleben.

Alternative: Man geht allein auf eine Party. Das hört sich jetzt so an, als müsse man jeden Mist mitmachen, den der Partner einem aufdrückt. So ist das nicht. Beide Partner müssen nur aufeinander reagieren – und zwar offen und positiv. Niemals in die Ablehnung gehen, sondern das Neue erst einmal annehmen. Das inspiriert ungemein.

Teilen Sie Ihre geheimen Fantasien mit!

3. Bei Geld hört die Freundschaft auf, das ist ein bekanntes Sprichwort, das leider auch für die Liebe gilt. In Beziehungen, wo es zu wenig Geld gibt, streiten sich die Leute, darüber, wer für was Geld ausgibt und wie viel. In Beziehungen, wo das Geld reichlich vorhanden ist, streiten sich die Leute ebenfalls darüber, wer für was Geld ausgibt. Das belegen viele Studien.

Ausweg: In dieser Sache schon im Vorfeld der Ehe die Ärmel hochkrempeln. Wenn man über eine Sache immer im Gespräch sein muss, dann ist es Geld. Das machen die Paare aber nicht, sie denken, das gehört sich nicht, der Geld-Laden muss so laufen - schweigend.

Dabei muss im Gegenteil alles auf den Tisch: Etwaige Sorgen und Befürchtungen, 'schlechte Gefühle', weil man sich ausgenutzt fühlt, jeder fiese Gedanke. All das muss ausgesprochen und geklärt werden, sonst gärt es in einem vor sich hin. Und endet in einem Scheidungskrieg, wo es nur ums Geld geht...

4. Zu einer guten Ehe gehört, dass man, wie es in der Bibel so schön heißt, eins im Geist und im Fleisch ist. Der Kardinalfehler vieler Paare: Erotische Fantasien verschweigen.

Die Erfahrung zeigt, dass mit den Jahren die Fantasien wechseln, es kommen neue hinzu. Komischerweise bleiben die oft unter dem Deckel, fast als würde man es sich nicht trauen, sie dem Partner zuzumuten. Man denkt, der andere denkt, dass man ihn nicht so begehrt, wie er ist, wie man ihn kennt. Stattdessen ist man vielleicht geneigt, die Erfüllung der Fantasie außerhalb der Ehe zu suchen. Bloß nicht! Ich bin immer wieder angenehm überrascht, wie belebend es für eine Ehe ist, wenn einer plötzlich mit einer neuen Fantasie rausrückt. Nur Mut, ran an die Buletten!

5. Zum Schluss ein sehr langweiliges Kapitel aus dem Mammutwerk 'Wie lebe ich eine glückliche Ehe, die nie geschieden wird?': Der Haushalt. Männer kriegen es in ihre Köpfe nicht rein, wie wichtig es ist, dass sie sich am Haushalt beteiligen.

Dieses Kapitel ist nicht nur langweilig, es ist auch unrühmlich. Es dürfte im 21. Jahrhundert nicht mehr vorkommen, dass Frauen, die jeden Tag ihrer 'normalen' Arbeit nachgehen, am Abend noch bügeln und staubsaugen. In viel zu vielen Ehen läuft es aber exakt so ab. Und die Männer denken, dass das ein Kavaliersdelikt ist, es gibt ab und zu Streit in dieser Angelegenheit, doch der Groll verraucht wieder. Das ist nur scheinbar so, in Wahrheit gräbt sich der Groll tief in die Frauenseelen ein, er fräst Gräben ins Herz.

Irgendwann bricht alles aus der Frau heraus, sie verlässt den faulen Mann. Und dann wird vorm Scheidungsrichter schmutzige Wäsche gewaschen, zum letzten Mal. Da hilft es nicht mehr, wenn der Mann beteuert, dass er ab jetzt immer die Wäsche aufhängen würde. Ich empfehle hier allen Männern, die nicht wollen, dass ihre Ehefrau abhaut, sich zu merken, dass ein geleerter Mülleimer auf der Liebesharmonie-Skala mehr zählt als jeder Rosenstrauß.

Ich wünsche Euch eine tolle und ewig währende Ehe, Eure Birgit

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