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Dyskalkulie: Rechenschwäche

Wenn das Rechnen im Alltag zur Qual wird
Wenn das Rechnen im Alltag zur Qual wird Dsykalkulie: angeborene Rechenschwäche 00:03:00
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Dyskalkulie - Der Kampf mit den Zahlen

Wenn Eltern an ihr unbeliebtestes Schulfach zurückdenken, dann sind sich die meisten einig: Mathematik. Daran hat sich auch seit Jahren nichts geändert – das Fach mit den Zahlen steht nach wie vor bei Schülern auf der Negativliste ganz oben, Probleme beim Rechnen sind keine Seltenheit. Sind Kinder jedoch überhaupt nicht in der Lage, mathematische Fähigkeiten und Fertigkeiten zu entwickeln, liegt möglicherweise eine Rechenstörung vor.'

Dyskalkulie: Rechenschwäche
Dyskalkulie: Wenn 2 plus 3 gleich 7 ist © Janina Dierks

Von Doreen Wagner

Eine Rechenstörung - auch Dyskalkulie genannt - ist eine Lernstörung, die durch das fehlende Verständnis für Mathematik gekennzeichnet ist. Betroffene Kinder zeigen trotz normaler Intelligenz und guten Leistungen in anderen Schulfächern eine starke Beeinträchtigung der Rechenfertigkeiten. Auch intensives Üben schafft keine Abhilfe. Für Eltern sollten folgende Auffälligkeiten ein Warnzeichen darstellen:

Das Kind...

- benötigt zur Lösung von Aufgaben Zählhilfen (zum Beispiel die Finger oder Stifte)

- hat Probleme bei Zehner-Übergängen (zum Beispiel 9+5)

- kann Platzhalteraufgaben nicht lösen (zum Beispiel 20–?=13)

- versteht nicht, wie Zahlen zerlegt werden können (zum Beispiel 5 kann zerlegt werden in 3 und 2)

- vertauscht und verdreht im Hunderter- und Tausender-Zahlenraum die Stellenwerte (zum Beispiel schreibt es „Fünfunddreißig“ als 53 oder „Fünfhundertsechs“ als 5006)

- hat große Schwierigkeiten beim Benennen der Uhrzeit

- kann schlecht mit Längenmaßen, Gewichten und Geld rechnen

Diagnose und Hilfsmaßnahmen

Steht unter den Mathearbeiten des Kindes stets eine Vier, Fünf oder gar Sechs, drängen sich bei Eltern die verschiedensten Gedanken auf: Ist mein Kind vielleicht nicht schlau genug? Habe ich mir zu wenig Zeit genommen und nicht genug mit ihm geübt? Oder kann der Lehrer den Stoff nicht verständlich vermitteln? Hierauf gibt der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie eine klare Antwort: "Niemand hat Schuld an einer Dyskalkulie, weder das Kind, die Eltern, noch die Schule." Die Ursachen sind sehr unterschiedlich und von Schüler zu Schüler verschieden. "Als Erklärung für diese Lernstörung kommen neuro- und entwicklungspsychologische oder didaktisch-methodische Ansätze ebenso in Frage wie Erkenntnisse aus der Linguistik und Genetik", sagt Melanie Rausch, Pädagogische Leiterin des Nachhilfeservice tutoria. Beispielsweise geben Ergebnisse aus der Säuglingsforschung einen Hinweis darauf, dass die Fähigkeit zum Erwerb mathematischer Fertigkeiten angeboren sein muss.

Die Probleme mit dem Rechnen führen nicht nur zu schlechten Noten in Mathematik. Der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie verweist darauf, dass eine mangelnde Rechenkompetenz auch die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft stark einschränkt: "Wer nicht rechnen kann, kann keine Ausbildung erfolgreich beenden, keinen Beruf ergreifen und wird nicht selbstständig in der Lage sein, seinen Lebensunterhalt zu sichern." Es ist daher äußerst wichtig, die Dyskalkulie frühzeitig zu erkennen und entsprechende Hilfsmaßnahmen einzuleiten.

Eltern können sich für die Diagnose an Ärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Kinder- und Jugendpsychotherapeuten oder Diplom-Psychologen wenden. Über diese Fachleute erhalten sie zudem Informationen, wie sie ihr Kind unterstützen können und welche Therapien, Therapeuten und Fördermaßnahmen geeignet sind.

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