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Druck und hohe Ansprüche: Die Leiden der modernen Männer

Nachdenklicher Mann
Männer leiden unter dem Druck der Gesellschaft und zu hohen Ansprüchen. Gibt es dafür eine Lösung?

Frauen haben sich emanzipiert, Männer nicht

Es lohnt sich, den ursprünglichen Sinn des Wortes „Emanzipation“ zu betrachten. Das lateinische Wort „emancipatio“ bedeutet „Entlassung aus der väterlichen Gewalt“ oder „Freilassung eines Sklaven“. Es passt perfekt, um das Grundanliegen der Frauenbewegung zu beschreiben: Frauen lösten sich im 20. Jahrhundert Stück für Stück aus den Zwängen des Patriarchats, um frei leben zu können. Und was taten die Männer? Nicht viel. Sie schauten zu, wunderten sich – und plötzlich waren sie keine Chefs der Familie mehr - sondern wer?

Von Christina Mitatselis

An diesem Punkten setzte einige psychologische Betrachtungen an, die in den vergangenen Jahren erschienen sind (zum Beispiel: „Männer, erfindet euch neu“ von Björn Süfke). Die Grundthese: Frauen haben sich emanzipiert, Männer haben wenig bis gar nichts getan, um mit ihnen mithalten zu können. Nun wissen sie nicht mehr, wer sie sind und was sie tun sollen. Dürfen sie einer Frau die Tür aufhalten – oder ist schon das Bevormundung? Bezahlen bei der ersten Verabredung, ja oder nein? Und es wird so viel erwartet: Gefühlvoll sollen sie sein, aber keine Warmduscher. Hart, aber keine tumben Machos. Erfolgreich im Beruf - und immer für die Familie da.

Nebenbei neigen Männer – angeblich aus lauter Frust – dazu, sich selbst und ihre Gesundheit zu vernachlässigen, so dass sie schließlich krank werden. Der jährlich im November zelebrierte Weltmännertag ist deshalb der Gesundheit der männlichen Bevölkerung gewidmet.

Männer, jammern hilft nicht!

Auch wenn hier einiges übertrieben wird, so ist anderes wahr. Es gibt viele Männer, die sich nicht bewusst entscheiden, etwas zu tun, sondern nur Erwartungen erfüllen wollen, um nicht anzuecken. Meistens bei ihren Frauen. Wie kleine Jungs macht dieser Typus Mann alles, was Mami erwartet – und verliert sich dabei selbst. Oder sie verfallen ins andere Extrem und geben den Super-Macho, driften dabei ins Klischee ab und wirken lächerlich. Es gibt natürlich auch andere, die nachdenken und sich fragen, wie und wer sie selbst sein wollen, unabhängig von äußeren Erwartungen und Rollenbildern.

So, wie es die Frauen taten, als sie im vergangenen Jahrhundert begannen, sich zu emanzipieren – und die Männer nur zusahen. Wenn sie schlau sind, jammern sie jetzt nicht über ihr Unglück und dominante Frauen. Sondern ziehen endlich nach.

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