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Drogen: Wie kann ich meine Kinder schützen?

Drogen: Wie kann ich meine Kinder schützen?
Drogen: Wie kann man Kinder schützen? © dpa, Torsten Leukert

Kinder stark machen

Drogen sind so alt wie die Menschheit, wird gerne behauptet. Drogen sind aber auch der Stoff, aus dem die gefährlichen Träume sind. Die Träume, die für viele Kinder und Jugendlichen zum Alptraum werden, die Träume, aus denen es für manche einfach kein Erwachen mehr gibt. Drogen machen vor allem eins: Kaputt. Und sie machen Eltern ratlos. Was kann ich tun, um mein Kind vor Drogen zu schützen?

Von Ursula Willimsky

Im Grunde genommen fängt Sucht-Prävention ganz früh an. Im Kindergartenalter nämlich. Wobei es in diesem zarten Alter natürlich nicht darum geht, den Knirpsen klarzumachen, dass Joints die Birne weich machen. Sondern es geht darum, die Kinder stark zu machen.

Selbstvertrauen ist der beste Schutz

Kinder müssen Geborgenheit und Liebe spüren. Müssen wissen, dass im Notfall immer jemand da ist, der sie schützt und ihnen hilft. Sie sollten aber recht früh noch etwas zu spüren bekommen: Dass sie manche Dinge ganz gut alleine können. Dann "wächst der Mut, seiner Neugier zu folgen und eigene Erfahrungen - und Fehler - zu machen", formulieren es die Experten von der Aktion "Kinder stark machen". Wenn mal was schiefgeht, raten die Experten den Eltern zu Zurückhaltung: "Nicht immer direkt eingreifen, sondern eher das Kind ermutigen, es noch einmal zu versuchen, den ersten Schritt vielleicht durch eine kleine Hilfestellung erleichtern. Entscheidend ist, dass das Kind spürt, dass es die Aufgabe letztlich allein geschafft hat."

Dann wächst das Selbstvertrauen. Und Selbstvertrauen ist der beste Schutz gegen Sucht. Dazu gehört übrigens auch, dass Eltern ein "Nein" ihres Kindes akzeptieren. Wenn Jonas trotz des tollen Mitbringsels seiner Tante keinen Kuss geben will – dann sollte man ihn auch nicht dazu zwingen.

Auf der Seite www.kinderstarkmachen.de können Sie in einem kurzen Test überprüfen, ob Ihr Alltagsverhalten ihren Kindern hilft, zu starken Persönlichkeiten heranzuwachsen – oder ob es das eine oder andere gibt, was Sie als Mutter im Alltag anders machen sollten.

Jugendliche sind oft überfordert

Pubertät: Jugendliche sind oft überfordert
Jugendliche sind oft überfordert © Lev Dolgatshjov, lev dolgachov

Die ganz großen Konflikte in der Familie kommen dann meist in der Pubertät des Kindes. Eltern empfinden die ehemals goldige Prinzessin plötzlich als starrsinnig und widerspenstig. Der Kronprinz ist nur noch pampig und rotzig. Kein Wunder: Jugendliche stehen in dieser Zeit vor Aufgaben, die sie schier überfordern: Wie geht´s weiter mit der Schule? Wie fühlt Sex sich an? Liebe? Und wie es es, schon so ein bisschen ins Erwachsenen-Leben hineinzuschnuppern?

Konflikte sollten fair ausgetragen werden

In dieser Phase zahlt es sich aus, wenn die Jugendlichen es gewohnt sind, Aufgaben selbst bewältigen zu müssen. Und allmählich mit weiteren Aufgaben betraut werden. Die Experten der Gesundheitszentrale für gesundheitliche Aufklärung haben festgestellt: Jugendliche, denen die Eltern alle Aufgaben abgenommen haben "und denen alle Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt wurden, sind auffallend häufig unter Drogeabhängigen vertreten. Sie empfinden Aufgaben und Belastungen oft als Zumutung, mit denen sie eigentlich gar nichts zu tun haben. Sie haben nicht gelernt, sie wie selbstverständlich selbst zu erledigen."

Um die Kinder gesund ins Erwachsenen-Leben zu geleiten, müssen die Eltern auch loslassen können. Sie müssen bereit sein, Konflikte fair auszutragen. Und: Sie müssen ganz klassisch mit gutem Beispiel vorangehen. Dazu gehört auch, über Drogen ein vernünftig reden zu können.

Über Drogen reden – 7 Goldene Regeln

Eltern sollten mit ihren Kindern über Drogen reden
Eltern sollten mit Kindern über Drogen reden © Fotolia

Drogen gehören – leider – zu unserer Gesellschaft. Sie einfach auszublenden, ist nicht möglich. Eltern sollten mit ihren Kindern über die Problematik sprechen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat sieben goldene Regeln für diese Gespräche ausformuliert:

1. Eine gute Gesprächssituation schaffen

Fragen, die uns auf der Seele liegen, lassen sich nicht zwischen Tür und Angel besprechen. Nehmen Sie sich Zeit und reden Sie miteinander, wenn alle Beteiligten entspannt und "nicht auf dem Sprung" sind. Setzen Sie sich möglichst ungezwungen zusammen, denn konfrontative Gespräche mit beiden Eltern auf der einen und dem Kind / Jugendlichen auf der anderen Seite könnten wie ein Verhör wirken.

2. Die eigenen Sorgen klar formulieren

Sprechen Sie offen von Ihren Sorgen um das wohl Ihres Kindes, ohne Ihren Sohn / Ihre Tochter mit Verdächtigungen, Vermutungen und Unterstellungen zu "überfallen". Geben Sie Ihrem Kind keinen Anlass zu lügen, um sich zu verteidigen oder um Ihre Befürchtungen zu zerstreuen.

3. Die Situation klären ohne "Geständnisse" zu erzwingen

Geben Sie sich nicht mit vorschnellen oder unklaren Aussagen zufrieden, wenn Sie Fragen an Ihr Kind haben. Bleiben Sie hartnäckig. Erzwungene Geständnisse, die Ihr Kind zum "Schuldigen" machen, bringen jedoch nichts.

4. Nicht provozieren lassen!

Jugendliche können ganz schön nerven - besonders ihre Eltern! Lassen Sie sich nicht aus dem Konzept bringen oder provozieren. Gerade bei einem Thema wie Suchtmittel ist ein kühler Kopf wichtig. Schließlich wollen Sie sich nicht mir Ihrem Kind streiten, um Recht zu behalten, sondern gemeinsam nach Regeln für das Zusammenleben suchen.

5. Den eigenen Umgang mit Suchtmitteln offen ansprechen

Wenn Sie nicht selbst darüber sprechen, wird es Ihr Kind tun!

6. Informationen einfließen lassen, ohne ein "Expertengespräch" zu beginnen

Sachkenntnisse über die Zusammensetzung und Wirkung von Suchtmitteln und vor allem über die Risiken des Konsums sind wichtig. Damit können Sie wichtige Informationen an Ihr Kind weitergeben und zugleich das Gespräch auf einer sachlichen Ebene halten. Mit Ihrem Kind über Drogen zu „fachsimpeln“ und gegenseitige Wissenslücken aufzuspüren, trägt jedoch nicht dazu bei, für das Thema Drogen eine gemeinsame Lösung zu finden. Alle Drogen sind gefährlich; es macht keinen Sinn, sich darüber die Köpfe heiß zu reden, welcher Suchtstoff schlimmer bzw. weniger schlimm ist.

7. Ein gemeinsames Ziel ansteuern

Mit einem einzigen Gespräch lässt sich keine umfassende Lösung des Problems Suchtmittelkonsum finden. Steuern Sie daher Teilziele an: Es ist schon ein großer Schritt, wenn Sie Ihren Standpunkt zu Suchtmitteln klar zum Ausdruck gebracht haben. Bleiben Sie im Gespräch mit Ihrem Kind, stellen Sie gemeinsam Regeln für das Verhalten zu Hause auf und bieten Sie Ihrem Kind alternative Gesprächspartner an, zum Beispiel in einer Beratungsstelle.

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