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Drei-Monats-Regel: Wann spricht man von 'Beziehung'?

Birgit Ehrenberg, die Liebesexpertin von Frauenzimmer.de
Liebesexpertin Birgit Ehrenberg

Stimmt es, dass die Liebe erst ab dem vierten Monat Bestand hat?

Was die Liebe angeht, ist mir eigentlich nichts fremd, ich kenne alle Tricks und Tipps und Theorien. Aber man lernt nie aus, ich auch nicht. Neulich fragte mich meine Liebes-Lieblingskollegin nach meiner Meinung zur sogenannten 'Drei-Monats-Regel'. Davon hatte ich noch nie etwas gehört.

Diese Regel, so erklärte mir die Kollegin, besagt, dass nach exakt drei Monaten Beziehungs-Zeit eine vernünftige Aussage darüber getroffen werden kann, ob eine Liebe Zukunft hat oder nicht. Ich kannte bis dato die Regel von der Halbjahres-Frist, die darauf basiert, dass die erste Mega-Verliebtheit nach einem halben Jahr aufhört. Der Grund: Der Spiegel der Hormone, die für die Verliebtheit sorgen, sinkt wieder, man kann halt nicht ewig im Rausch sein, das hat die Natur nicht vorgesehen.

Und wenn der Kopf wieder klarer ist, kann man erst erkennen, wen man wirklich vor sich hat, ob das auch alles passt für den Alltag. Im Stadium davor, in dem man dauerhaft die Englein singen hört, sei jede Art von gesunder Kritik unmöglich, behaupten jene, die die Halbjahres-Frist als maßgeblichen Indikator für den Harmonie-Check verstehen.

Ich bin natürlich in mich gegangen und habe mich gefragt, was nach drei Monaten Besonderes geschieht, so dass man quasi eine Eingebung hat, eine Erleuchtung, wie das Leben mit dem neuen Partner weitergeht. Ergebnis meiner Recherche: Ich glaube nicht daran, dass nach drei Monaten der Zeitpunkt für das große Aha-Erlebnis gekommen ist, was die Einschätzung der Beziehungs-Qualität angeht.

Es gibt dafür schlicht und ergreifend keinen Beweis. Ich habe mich in meinem Umfeld umgehört, ich habe mein eigenes Liebesleben sorgfältig abgeklopft und auch eine Psychologin gefragt. Dabei kam heraus, dass die Menschen nach zwölf Wochen einfach noch kolossal Schmetterlinge im Bauch haben und alles dufte finden, Liebende befinden sich zu dieser Zeit im Zenit der Verliebtheit, alles wird sogar immer besser, man entdeckt mehr und mehr Gemeinsamkeiten, das Trennende wird ausgeblendet.

Danach wird es erst interessant, nach sechs Monaten wird es spannend. Dann fliegen nämlich in der Tat ein paar Schmetterlinge weg, dann gab es meistens bereits den ersten Konflikt, den ersten Streit, dann trennt sich Spreu von Weizen. Der Partner ist doch eher unsportlich, man selbst liebt Sport, der Partner geht gern aus, man selbst ist am liebsten zu Haus – hier tun sich nach einem halben Jahr die Felder auf, die man genau checken sollte, weil aus ihnen Minenfelder werden können.

Wenn also bei Euch in diesem Frühling der Liebes-Blitz einschlägt und Ihr Euch verliebt, was ich Euch von Herzen wünsche, sprechen wir uns in einem halben Jahr wieder. Bis dahin gilt: Lasst die Seele baumeln und genießt die Zeit.

Eure Birgit

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