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Draußen nur Kännchen - ganz klar typisch deutsch. Und wie deutsch sind Sie?

Ist das typisch deutsch?
Typisch deutsch? Die WM zu gewinnen, selbstverständlich! © dpa, Fredrik Von Erichsen

Ist das typisch deutsch? Na ja, es gibt einen wahren Kern

Jeder Gartenzwerg hat ein Stehgerade-Diplom und unser liebstes Hobby ist es, nach getaner Arbeit mit einem Glas Rotwein im Wohnzimmer zu sitzen und uns doof zu finden.

Sind wir Deutschen wirklich so? Und woran merken andere, dass sie in Deutschland sind? (Aus dem Buch '50 Dinge, die typisch deutsch sind')

● Hier werden Teebeutel getrennt: in Alu, Altpapier und Bio.

● Für Gebärende gilt: PDA, Kaiserschnitt und so sind verpönt. Die gute deutsche Frau presst selbst und mit Wehen. Alles andere ist unnatürlich.

● Wir Deutschen lieben Bionade. Weil es ein Gutmenschen-Getränk ist.

● Gelegentlich gesteht der Deutsche: Ab und zu gönne ich mir schon mal einen Burger, ich gehe nicht eine Muckibude, sondern zum Rückenkrafttraining und ab und zu kaufe ich bei Aldi, die haben guten Sekt.

Auto, Auto über alles: Die Jugend sieht das etwas anders

● Deutsche mögen ihr Auto lieber als ihren Gartenzwerg. Und die Frage "Was fährst du?" wird gleichgesetzt mit "Wie lebst du?" Franzosen definieren sich übers Essen und die Mode. Deutsche übers Auto.

● Typisch deutsch ist, nicht typisch deutsch sein zu wollen.

● Deutsche fahren in den Urlaub und finden es toll, hinterher erzählen zu können, man habe keinen anderen Deutschen getroffen.

● Deutsche haben eine Manie fürs Draußensitzen, weil sie es für beiläufig-lässig südländisch halten. Nur Omas sitzen drinnen.

● Deutsche zeigen in Lichterketten und Schweigemärschen gern ihre 'politische Betroffenheit'. In Tübingen lief ein Schweigemarsch unter dem Motto 'wer schweigt, schaut zu' durch die Straßen. Und keiner hat gelacht.

● Kühlschrankmagnetwörter geben uns Deutschen das Gefühl, unmittelbare Nachfahren von Goethe zu sein. Dabei ist es nur Scrabble für Legastheniker.

Deutsch ist nicht gleich Deutsch

Draußen nur Kännchen - ganz klar typisch deutsch. Und wie deutsch sind Sie?

Baden-Württemberg

Die Menschen in Baden-Württemberg haben Hirn. Hier wurde der Gartenstiefelschoner erfunden, um den Teil der Stiefelsohle zu schonen, der durch das Umgraben mit dem Spaten am meisten gequält wird. Und 'Herrgottsbescheißerle’ - das sind mit Fleisch gefüllte Maultaschen, die auch am Fastenfreitag serviert werden dürfen, weil der liebe Gott so doof sein soll, dass er das Fleisch in der Teighülle nicht sieht. Zumindest sah es die streng pietistische Kirche des Landes nicht. Wie pfiffig. Und Kinder machen können sie auch. Baden Württemberg ist das einzige Bundesland, das noch einen Geburtenüberschuss vorzuweisen hat. Fleißige, kleine Ingenieurszwerge.

Die Bayern wieder - typisch

Bayern ist wie ein zweijähriges Kind: vor Selbstbewusstsein trotzdem, im Augenblick lebend und voll mit Vitalität, Frohsinn und Schelmerei. Hier wird prunkvoll gezeigt, was man hat, und hat Gottesfürchtigkeit vor Schöpfung jeder Art. Dazu kommt die dralle Lust zu leben und am Leben anderer teilzuhaben. Genießen Sie, wenn Sie Bayern besuchen, keine Brot-, sondern vielmehr eine Kulturzeit. Setzen Sie sich in einen Biergarten, packen Sie Ihre Stulle aus und bestellen Sie für ein schmales Geld das passende Getränk dazu.

Draußen nur Kännchen - ganz klar typisch deutsch. Und wie deutsch sind Sie?

Bremen - typisch ist…

Sich über Bremen lustig zu machen, ist so leicht wie die Klassenletzte Pickel-Britta zu foppen. Was soll man auch von einem Ort halten, der sein Leibgericht 'Braunkohl und Pinkel’ nennt? Bremens Reihenhäuser sind nicht mit kranichbestickten Küchengardinen verschandelt - auch findet man hier keine Gartenzwerge im Vorgarten oder Salzteigtürschilder an den Haustüren. Bremens Reihenhäuser sind hochherrschaftliche, souveräne Bau- und damit Lebenskunst. Dabei könnten Armeen von Gartenzwergen und Salzteigtürschildern existieren, ohne dass es die Nachbarn auch nur zu einer Bemerkung hinreißen würde. Bremen hat eine Spießertoleranz - das macht es zu einer sehr unspießigen, avantgardistischen Minimetropole.

Ganz typisch Hamburger

Wer sich richtig kleiden will, kombiniert beige mit hellblau oder blau mit blau und blau. Mao hätte seine helle Freude an den schlichten absurd überteuerten Jil-Sander-Fümmelchen, die mal dunkelblau sind, mal nachtblau, mal blauschwarz, mal gedeckt-blau oder tief-marineblau. Hamburg ist musikalisch viel sehenswerter als jedes Dollhouse, jede Herbertstraße. Wollen Sie schrille Sexualität oder biedere Perversion: gehen Sie nach Amsterdam. Wenn Sie Hamburg besuchen: Hören Sie! Keine andere Stadt hat so viele Hymnen wie Hamburg. Es gibt offizielle (Stadt Hamburg an der Elbe Auen), inoffizielle (Auf der Reeperbahn nachts um halb eins), mundartliche (In Hamburg sagt man tschüss), shantyhafte (Ick heff mol een Hamborger Veersmaster seh’n), traditionelle (An de Eck steiht ’n Jung mit ’n Tüdelband) und hochmoderne (Hamburg, meine Perle). Da kann man es ja vielleicht so gerade verknusen, dass Hamburg das einzige deutsche Bundesland ist ohne einen Beitrag zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Na klar, Hessen

Draußen nur Kännchen - ganz klar typisch deutsch. Und wie deutsch sind Sie?

Man wird in Frankfurt kaum einen Menschen finden, der kein Englisch kann, fluently of course, aber auch, die Heimat ist halt auch schön, net wahr? Der rustikale Appelwoi wird zwischen Skylines und architektonischen Godzillas getrunken. Hier bekommen Sie Gegensätze mühelos unter einen Hut: Nirgendwo findet man so viele Anzugträger, die Pommes essen und Cola schlürfen, wie hier. Heinrich Hoffmann (Struwwelpeter) ließ hier seinen Geist wohnen. Robert Gernhard, Dichter, Zeichner und Karikaturist lebte in Hessen. Frankfurt bietet sich einfach an - als Wiege für Satire (‚Titanic’) und Nonsens. Denn die Gegensätze, auf die man hier trifft, sind derart prägnant und dramatisch komisch - an denen kommt man einfach nicht vorbei. Roland Koch ist eigentlich ein lebender Gegensatz: sieht alt aus, ist jung. Will brutalstmögliche Aufklärung und verbiegt die Wahrheit derart, dass sein Freund, der Dalai Lama, sämtliche Gebetskugeln verlöre, wüsste er dies.

Ei for bibsch: Sachsen

Sachsen trinken mehr Bier als die Bayern, reden einen komischen Dialekt und haben schöne Mädchen, soviel zu den Vorurteilen. Das tolle an Sachsen: Es steht ganz unten auf der Agenda hipper Mode- und Kulturredakteure. Und genau das macht den Charme dieser Metropole aus. Ganz ehrlich. Die Theater- und Partyszene in Leipzig ist weder so spießig wie in Düsseldorf noch schillernd wie in München. Sie ist verwegen, innovativ, ein bisschen verboten, viel zusammengeschustert. Und raus kommt ein Städtchen, das nicht mehr wie früher mit Dresden konkurrieren muss und immer verliert. Sondern das längst still und heimlich selbstbewusst wurde und darum das Berlin des dritten Jahrtausends genannt wird.

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Sachsen-Anhalt: wieder mal typisch

Schon mal was von der Straße der Romantik gehört? 1993 von Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker eröffnet, ist sie das deutsche Pendant zum Jakobsweg. Pendant auch weil die Wanderroute klein und vor allem leer ist. Kaum eine andere Touristengegend ist dermaßen Kleinod und Geheimtipp zugleich. Wer durch Sachen-Anhalt pilgert sollte sämtliche Schnörkel Zuhause lassen. Denn hier ist Konsum keine Lebensnotwendigkeit. Dafür finden sich nirgendwo sonst auf der ganzen Welt so bezaubernd verschlafene Dornröschenecken wie hier. Trinken Sie abends nur Wasser. Vereinbaren Sie mit Ihrem Partner zwei Stunden Schweigen am Tag. Was vermissen Sie am meisten? Was ist Ihnen überflüssig geworden? Das wird Ihr schönster Urlaub Ihres Lebens!

So sind se: Rheinland-Pfalz

Veganer und Abstinenzler werden in Rheinland-Pfalz wahrscheinlich nicht glücklich: Saumagen und Riesling sind mit der Gegend unausweichlich verquickt - das sieht man auch an der Fülle an Weinsorten, Winzeradressen und Probierlokalen. Wer also mehr über Weine erfahren will, ist bei den Pfälzern genau richtig. Hier sind alle Rebenkenner. Und noch etwas? Ruft man in der Touristik Centrale in Mainz an und fragt nach regionaltypischen Charaktereigenschaften, dann antwortet ein nettes Muttchen ad hoc: "Wir sinn gern in der Nautr, habbe gute Nerve und ein gemütvolles Wesen. Ach ja, und wir esse gern gut."

Guck mal, die Niedersachsen

Draußen nur Kännchen - ganz klar typisch deutsch. Und wie deutsch sind Sie?

Es gibt in Deutschland genauso viel Behördensprache wie regionaltypische Wörter. Dialekte sind in diesem Land ausgeprägter als überall sonst auf der Welt. In Hannover heißt der dort übliche Dialekt Hochdeutsch. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich eine putzige Arroganz dieses kleinen deutschen Landflecks, der von sich behauptet, am besten und reinsten Hochdeutsch zu sprechen. Noch heute gibt es bayerische oder sächselnde Germanistikstudenten, die extra deswegen sich in Göttingen einschreiben. Wie bei so vielen, bieten Dialekte den Deutschen eine wunderbare Gelegenheit, sich deswegen zu schämen. „Gänsefleisch die Gwien durchlasse?“ (Sächsisch für „Können Sie vielleicht die Queen durchlassen?“) Darf man nirgendwo laut sagen - wirklich nirgendwo.

Typisch für Nordrhein-Westfalen

Die Nordrhein-Westfalen sind… ja … sie sind so verschieden wie eigentlich ganz Deutschland. Im Norden, so um Münster herum, gibt es die stummen, wortkargen Pferdezüchter. Nein, nicht Pferdeflüsterer, sonder Züchter. Flüstern ist ja reden. Der Westfale an sich schweigt. Meist. Sicher, es gibt auch Ausnahmen: „Ist noch Bier da?“, „Wollen wir heute abend grillen?“, „Haben die Pferde schon Futter“. Wobei der letzte Satz von einem Zugezogenen stammen muss – denn natürlich haben die Pferde schon Futter.

Ganz anders dagegen der Kölner. Karneval ist keine reine Arbeitsunterbrechung. Karneval ist eine Lebenseinstellung. Egal ob es and iesem Tag regnet, frau menstruiert oder man gerade eine Kündigung erhalten hat - wenn Weiberfastnacht ist, ist ein Riesenspaß angesagt.

Vor allem ist NRW aber der Pott. Früher war es das soziale Gewissen Deutschlands. Hier schufteten die Kumpels hart im Bergwerk. Man wählte SPD und bejubelte den FC Schalke 04. Heute sind die meisten Zechen geschlossen. Aber wenn man im Steinholebergbau etwas gelernt hat, dann: Hör auf zu jammern. Mach!

Wie erfindungsreich Nordrhein-Westfalen ist, zeigt die Umstrukturierung des Potts. Man reist nach Bottrop. Aber nicht wegen der Zeche. Hier gibt es die größte deutsche Indoor-Skihalle der Welt. Skifahren. In Bottrop. Das ist deutsche Alltagskultur in Reinform.

Draußen nur Kännchen - ganz klar typisch deutsch. Und wie deutsch sind Sie?

Ein typischer Thüringer…

…ist stolz. Stolz, Nachfahre von Martin Luther zu sein. Stolzer sind sie allerdings auf ihre Thüringer Klöße. Wer in Thüringen Knödel sagt, wird gleich des Landes verwiesen, auch wenn das Grundrezept das gleiche ist und nur die regionalen Bezeichnungen variieren. Thüringer Klöße werden auch Hütes genannt, weil - so der Brauch - das Rezept von Hochzeitsnacht weitergegeben wurde, immer von Mutter zu Tochter, immer mit dem warnenden Hinweis: „Hüt’es!“ Über die Bratwurst, die echte Thüringer natürlich, machen sie irgendwie weniger Aufsehen. Schade eigentlich. Die hätte es auch verdient.

'50 einfache Dinge, die typisch deutsch sind'

Katrin Wilkens

207 Seiten

14,95 Euro

Westend Verlag

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