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Doping jetzt auch im Büro

Doping jetzt auch im Büro
© picture-alliance / dpa, Marja Airio

Doping jetzt auch im Büro

So weit ist es schon gekommen: Wegen Angst um den Job gehen viele krank zur Arbeit. Nur so lässt sich der historische Tiefstand des Krankenstands in deutschen Firmen erklären. Die Arbeitnehmer fehlten im ersten Halbjahr 2009 im Durchschnitt 3,24 % der Sollarbeitszeit, 2008 waren es 3,34 %, wie Statistiken des Bundesgesundheitsministeriums belegen. Das ist der niedrigste Stand in einem ersten Halbjahr seit Einführung der Krankenstands-Statistik im Jahr 1970. Die Fehlzeiten entsprechen 3,5 Arbeitstagen.

Aber es ist kaum davon auszugehen, dass wir uns alle bester Gesundheit erfreuen. Auch wenn viele körperlich schwere Arbeiten inzwischen erleichtert wurden oder durch Maschineneinsatz ganz weggefallen sind, typische Zivilisationskrankheiten wie z.B. Rückenbeschwerden nehmen dafür zu. Und Erkältungen und Grippe gibt es immer. Sich dann zum Arbeitsplatz zu schleppen, ist Raubbau am eigenen Körper. Aber wenn es die Kollegen eben auch so halten. Man will schließlich nicht als der schwächelnde Mitarbeiter da stehen.

Um nicht nur dann trotzdem frisch und fit über die Runden zu kommen, sind viele auch bereit, leistungssteigernde Mittel zu schlucken. Das ist noch gefährlicher. Die Medikamente können Gesunde krank und süchtig machen. Rund 800.000 Deutsche greifen laut einer Studie gegen Stress und Konflikte am Arbeitsplatz regelmäßig zu Pillen. Rund zwei Millionen gesunde Arbeitnehmer in Deutschland wollten trotz hohen Suchtrisikos schon einmal ihre Leistung oder Laune mit Medikamenten steigern.

Doping nicht nur im Sport, sondern im Berufsalltag. Es ist logisch: Eine Leistungsgesellschaft erlaubt keine Schwächen. Da sind die Vorgesetzten gefragt! Sie müssen signalisieren "Wenn du krank bist, dann bleib' auch zu Hause!“

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