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Doktorspiele bei Kindern

Doktorspiele bei Kindern
Bildquelle: deutsche presse agentur © dpa, Patrick Pleul

Kinder: Sexualität und Aufklärung

Viele Eltern sind verunsichert, wenn es um die Sexualität und Aufklärung ihrer Kinder geht. Ganz besonders heikel wird die Situation empfunden, wenn man Kinder bei sogenannten Doktorspielen erwischt. Wobei man anmerken muss, dass "erwischt" das falsche Wort ist, denn schon Kleinkinder experimentieren sexuell aus kindlicher Neugier heraus, so dass Doktorspiele vollkommen normal sind.

Viele Eltern stellen sich dann Fragen wie: Ist mit meinem Kind etwas nicht in Ordnung? Sollten Doktorspiele zugelassen werden und was kann passieren, wenn man sie verbietet? Wie verhält man sich am besten? Kinder haben von Geburt an sexuelle Verhaltensweisen. Das fängt beim Saugen an der Mutterbrust an und geht bis hin zum Erkunden der eigenen Geschlechtsteile.

Im Alter von drei bis sechs Jahren interessieren sich Kinder dann zunehmend für ihre Spielkameraden, so dass es in dieser Zeit gehäuft zu Doktorspielen kommen kann. Bei diesem Spiel, sich gegenseitig zu untersuchen, wird den meisten Kindern der Geschlechtsunterschied von Mann und Frau bewusst. Sobald diese Erkenntnis verinnerlicht ist, wird für die meisten Kinder das Doktorspiel uninteressant.

Man muss sich keine Sorgen machen, dass ein Kind eventuell dazu gezwungen wird: Die meisten Kinder in diesem Alter haben es gelernt, ein deutliches "Nein" auszusprechen, so dass die Untersuchungen im gegenseitigen Einverständnis geschehen. Doktorspiele sind also etwas ganz Normales und gehören zur Entwicklung der Kinder dazu.

Soll ich Doktorspiele trotzdem verbieten?

Sexualerziehung und Aufklärung fangen früher an, als man meint: Allein schon die ersten Berührungen und Umarmungen durch die Eltern sind ein wichtiger Bestandteil der Sexualerziehung. Gemeinsames Kuscheln, Trösten und aufmerksames Anschauen und Zuhören, wenn das Kind seine Gefühle äußert, tragen zu seinem sexuellen Verständnis bei.

Oft verbieten Eltern ihren Kindern das Erforschen des Körpers. Warnungen werden ausgesprochen, wie: "Pfui - lass das!" oder im späteren Jugendalter bei der Selbstbefriedigung: "Davon wird man blind!" Wichtig ist aber, dass ein Kind nicht bestraft wird, wenn es seinen Körper erforscht. Denn die ersten Erfahrungen innerhalb der Familie prägen das weitere Liebesleben und die Sexualität. Lust und Sexualität sollen als etwas Normales empfunden werden. Kinder sollen verstehen, dass ihr Körper und ihre Empfindungen mit Respekt behandelt werden. Die Folgen eines Verbots können verheerend sein: Im Erwachsenenalter können psychische Störungen wie Beziehungsunfähigkeit, Frigidität oder sexuelle Zwänge auftauchen.

Wenn der Altersunterschied der Kinder bei den Doktorspielen zu groß ist, dürfen Sie skeptisch werden. Erklären Sie Ihrem Kind, was sexueller Missbrauch ist. Psychologin Claudia Kapahnke rät dabei, dass Sie Ihren Kinder erklären sollten, dass es gute und schlechte Geheimnisse gibt. Gute Geheimnisse machen Spaß und beide Seiten sind einverstanden. Schlechte Geheimnisse dürfen Kinder weitererzählen, da es keine schönen Geheimnisse sind.

Sollte sich ein Kind zurückziehen, keinen Spaß mehr an Dingen haben, die es sonst gerne gemacht hat, könnte das ein Hinweis auf sexuellen Missbrauch sein. Ein weiteres Zeichen kann auch verstärkt sexuelles Verhalten sein, wie z.B. das Nachspielen von Erwachsenen-Sexualität.

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