DLD Women Konferenz: Kann die DLD Women Frauen wirklich helfen?

DLD Women Konferenz: Zukunft von Arbeit, Gesundheit und Bildung aus weiblicher Perspektive
Maria Furtwängler ist Schirmherrin der Frauenkonferenz DLD. © dpa, Tobias Hase

Worum ging es bei der DLD Women?

Da stand Maria Furtwängler mit ihrem weißen Hosenanzug in München auf der Bühne und sollte wohl das Bild der heutigen Frau repräsentieren: erfolgreich im Beruf, liebevolle Mutter, gleichberechtigte Ehefrau, die ganz nebenbei noch Schirmherrin ist. Sie moderierte Anfang der Woche den Kongress ‚Digital-Life-Design‘ (DLD Women), der von der Hubert Burda Media veranstaltet wird.

Von Sabine Möller

Im Vordergrund der Veranstaltung standen Diskussionen von Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik, Kunst, Wirtschaft und Medizin. Auch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen war am Montag in der Porzellanmanufaktur vertreten. Sie diskutierte zusammen mit Vertreterinnen amerikanischer Konzerne die Zukunft des Arbeitens.

Das erste Mal rümpfte ich die Nase als Steffi Czerny, Gründerin des Netzwerks DLD, forderte, dass Programmieren ein Schulfach wie Mathe oder Geografie werden sollte. „Wir alle müssen lernen zu programmieren, damit wir die Welt besser verstehen.“ Für mich klingt es, als wolle sie erklären, die Welt sei eine Matrix. Verständlicher wäre gewesen, sie hätte von Spielregeln gesprochen, die Frauen lernen müssten, um mitspielen zu können.

Eines der Top-Themen der Konferenz: Frauen in Führungspositionen. Julia Jäkel, Chefin beim Medienunternehmen Gruner+Jahr, stellt klar: „Wir haben nicht genug weibliche Führungskräfte in den Medien.“ Angeblich fehlten positive Vorbilder im Geschäftsleben. Ursula von der Leyen haut in die gleiche Kerbe: „Warum stehen so wenige Frauen an der Spitze von Firmen? Fragt für die Antwort nicht die Frauen, fragt die Firmen!“ Leider hatten die Veranstalter wohl vergessen, namhafte männliche Vertreter großer Unternehmen zu dieser Diskussion einzuladen, um sie direkt auf diese Frage festzunageln. Dann wäre die Antwort stehenden Fußes erfolgt. So bleiben wir im Unklaren, fragen öffentlich, bekommen aber keine Antwort.

Eifrig diskutiert wurde auch die neue Form des Arbeitens: „Vor 25 Jahren war ich Ärztin, und es war sehr schwierig, flexibel zu arbeiten. Vor zehn Jahren wurde ich Ministerin - und Internet, Laptops, Smartphones haben mir sehr geholfen, weil ich flexibler wurde“, sagt die Arbeitsministerin. Das digitale Zeitalter habe ihr geholfen, von überall ihren Job als Ministerin auszuüben. Da ist die einzige Gemeinsamkeit zwischen der Ministerin und mir als Otto-Normalo-Frau. Auch ich kann meinen Beruf als Journalistin dank Internet und Smartphone in der Tat von überall aus machen. Bedeutet aber im Umkehrschluss auch, überall erreichbar zu sein – im Meeting, in der Freizeit, auf dem Weg nach Hause. Also überall!

DLD Women: Besser Lösungen finden!

Aber nicht im Homeoffice! Obwohl das für Frauen mit Familie ein gutes Arbeitsmodell ist, hat das amerikanische Internet-Unternehmen Yahoo seine einst gefeierte Idee des Büros daheim schnell verworfen. Unsere deutsche Arbeitsministerin wollte von Jacqueline D. Reses, Entwicklungschefin von Yahoo, wissen, warum. Die fadenscheinige Begründung: Weil Smalltalk in der Kaffeeküche gut für die Teamarbeit sei! Und gebe es nun einmal nur im Unternehmen. Dass eine deutsche Angestellte mit Familie aber wegen fehlender Betreuung nur halbtags arbeitet und sich den Klüngel in der Kaffeeküche gar nicht erlauben kann, weil sie sonst ihr Arbeitspensum nicht schafft oder von Kollegen schräg angeschaut wird, ist diesen Damen fremd.

Bei solchen Diskussionen kann ich nur mit dem Kopf schütteln, weil sie so weit entfernt vom Alltag unsereins sind. Dass es Missstände gibt, haben die Teilnehmerinnen und Referentinnen ja gut erkannt, nur fehlen mir bei der DLDwomen die konkreten Lösungen! Wo sind die Frauen, die auf den Tisch hauen und sagen, wo es lang geht, dass wir uns nicht alles gefallen lassen dürfen, was uns von der männlichen Riege aufgezwungen wird. Wo bleibt die Arbeitsministerin mit ihrer Frauenquote oder alternativen Arbeitszeitmodellen? Wo ist die Familienministerin Kristina Schröder bei solchen Diskussionen?

Aber auf den Tisch hauen und Tacheles reden sind nicht die typischen Eigenschaften einer Frau. Mag es am Selbstvertrauen liegen oder am Stempel „Zicke“. Denn was bei Männern positiv ausgelegt wird, wenn sie ehrgeizig sind, wandelt sich bei uns zu Egoismus. Genau das wird uns durch die Medien aber propagiert.

Schauen wir uns Bilder erfolgreicher Businessfrauen an, fällt eins immer auf: Sie sind immer adrett gekleidet und toll geschminkt. Schlagen wir Frauenmagazine auf, hat keine der propagierten Powerfrauen Problemzonen! Im Gegenteil: Sie ist durchtrainiert, weil sie nach Job und Haushalt noch die Laufschuhe anzieht und eine Runde durch den Stadtpark joggt. Ist es nicht traurig, dass wir so eine erfolgreich arbeitende Frau definieren!? Dann bin ich meilenweit davon entfernt, eine zu sein. Denn nach Job und Haushalt bin ich zu müde, um mich für solche Aktivitäten aufzuraffen. Nach meinem Tag im Büro sehe ich müde und zerzaust aus. Patricia Riekel, Chefredakteurin der Bunten, bringt es auf den Punkt: „Wir sind in ein Hamsterrad der Selbstoptimierung und Selbstdarstellung geraten.“

Für mich hat die DLDwomen-Konferenz leider nicht dazu beigetragen, dass ich einen Weg aus der Misere sehe, weil nur bekannte Probleme angesprochen wurden. Es müssen Lösungen her! Darum wünsche ich mir, dass bei der nächsten DLDwomen nicht das perfekte Bild einer Frau, die alles erreichen kann, projiziert wird, sondern Frauen zu Wort kommen, die täglich aufs Neue zwischen Job und Familie tingeln und dabei auch mal auf die Nase fallen.

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