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Diskriminierung: Wenn Menschen wegen ihres Handicaps gemobbt werden

Kim und Thorben haben wegen ihrer Handicaps unter Mobbing gelitten

Mobbing ist an Schulen und Arbeitsplätzen in Deutschland keine Seltenheit. Dass es aber auch Menschen trifft, die unter Handicaps leiden, ist erschreckend: Kim erkrankte mit 14 an Lymphknotenkrebs, wurde wegen ihres Haarausfalls - eine Folge der Chemotherapie - als "Nazi-Sau" beschimpft. Thorben hat einen Sprachfehler und Arbeitskollegen machten sich mit Handyvideos in einer WhatsApp-Gruppe über ihn lustig. Reporterin Verena Jendges hat sich für diese beiden Menschen eingesetzt, denen sonst offenbar niemand hilft.

Was läuft bei uns schief, wenn Menschen mit Handicap gedemütigt werden? Das fragte sich Reporterin Verena Jendges und traf sich mit der 20-jährigen Kim in Berlin. Kims Geschichte ist unglaublich: Vor 6 Jahren wurde bei ihr Lymphknotenkrebs diagnostiziert. Es folgten etliche Operationen, Medikamente und eine Chemotherapie, durch die Kim in kürzester Zeit die Haare ausfielen und sie fast 40 Kilo zunahm.

Doch die Krankheit war nicht einmal das Schlimmste, gesteht Kim. Viel schlimmer waren für sie die Reaktionen ihrer Mitschüler. "Sie haben mich viel gemobbt. Als mir die Haare ausfielen, haben sie gesagt, ich sei eine 'fette Nazisau'", erzählt Kim. "Dann bin ich mit einem intravenösen Zugang zur Schule gegangen und den haben sie mir dann vor der Schule rausgerissen, als die Lehrer nicht da waren." Über den Zugang in ihrer Armvene sollte Kim Medikamente erhalten, die sie dringend brauchte. Keiner der Lehrer handelte und schließlich wurde das Mobbing für Kim so schwer, dass sie sogar versuchte, sich das Leben zu nehmen.

"Das geht wirklich an die Würde des Menschen"

Kim ist kein Einzelfall. Der 22-jährige Thorben wurde von Arbeitskollegen wegen seines Sprachfehlers schwer gemobbt. Seine Verkäufer-Kollegen bei ALDI filmten Videos, in denen sie sich über Thorbens Handicap lustig machten. Das geht über einen witziger Streich weit hinaus, findet Reporterin Verena Jendges. "Man fühlt sich gekränkt. Das geht wirklich an die Würde des Menschen, denn für sein Aussehen oder für einen Sprachfehler kann kein Mensch etwas", sagt Thorben.

Frank Hartmann, Fachanwalt für Arbeitsrecht, sieht in dem Mobbing von Thorben und Kim eine Verletzung des allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG). Dies besagt, dass keine Benachteiligungen wegen der Rasse, ethnischen Herkunft, Religion, Sexualität, des Alters, Geschlechtes oder einer Behinderung eines Menschen entstehen dürfen. Die Frist, die Entschädigungen dieses Gesetzes geltend zu machen, ist für Thorben allerdings bereits abgelaufen.

Reporterin Verena Jendges will für Kim und Thorben trotzdem zumindest eine Entschuldigung erreichen. Die Schulaufsicht von Kims alter Schule erklärt sich bereit zu einem Treffen und auch ALDI schickt der Reporterin auf Anfrage eine Stellungnahme zu und verspricht, Konsequenzen zu ziehen.

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