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Diskriminierung von Dicken: Aber Übergewichtige dürfen geliebt werden!

Mollige Frauen in Sex-Szenen nicht erwünscht
Sie war der Twitter-Gemeinde zu dick für die Sex-Szene in der Erfolgsserie 'Empire'.

Mollige Frauen sollten keine Sex-Szenen drehen!?

US-Schauspielerin Gabourey Sidibe (32) erlebte einen Shitstorm, weil sie in der Erfolgsserie 'Empire' eine Sexszene mit ihrem Kollegen Mo McRae (33) hatte. Der Grund: Einigen Zuschauern war sie zu dick. Dürfen dicke Frauen keinen Sex haben?

Von Jutta Rogge-Strang

Die Twitter-Nutzer sind gemein: Nach einer Sexszene mit ihrem schlanken Kollegen Mo McRae machten sich einige über Schauspielerin Gabourey Sidibe lustig, sie sei "zu weit gegangen" und "zu fett für TV-Sex". Das ließ Gabourey nicht auf sich sitzen: "Ich, eine dunkelhäutige Plus-Size-Frau, hatte eine Liebesszene im Primetime-Fernsehen", schrieb sie auf dem Blog von Entertainment Weekly: "Ich hatte beim Filmen der Szene so viel Spaß wie noch nie, obwohl ich nervös war. Aber ich habe mich sexy und schön gefühlt und ich hatte das Gefühl, ich würde meinen Job gut machen.“ Für die fiesen Reaktionen hat Gabourey kein Verständnis: "Immer wieder höre ich, dass diese Szene bei vielen Menschen Hassgefühle auslöst. Ich bin nicht sicher, wie irgendjemand Liebe hassen kann."

Dass es auch in Deutschland Vorurteile gegen dicke Menschen gibt, ist hinlänglich bekannt: Sie werden zum Beispiel nicht verbeamtet, verdienen in der Regel weniger als Schlanke und sind häufiger arbeitslos. Dabei beweist die große Zahl der Diäten, Ernährungsprogramme und Abnehm-Geheimtipps eindeutig, dass nichts davon funktioniert. Und jetzt ist Sex auch noch verboten!

Wer dicke Menschen anpöbelt, hat eigentlich eher ein Problem mit sich selbst: Wer es nötig hat, andere schlecht zu machen, um selber gut dazustehen, ist eher ein armseliges Würstchen. Dabei soll es nicht so wenige Männer geben, die auch auf sehr üppige Formen stehen. Denn im Leben geht es eben nicht nur um das Aussehen, sondern auch um die Ausstrahlung. Wer sich selbst und seinen Körper mag, ist attraktiv – auch fürs Bett.

Lebensfreude ist IN

Historisch gesehen ändert sich das Schönheitsideal sowieso alle 30 bis 50 Jahre. Nach dem Krieg wurden üppige Formen bevorzugt, aber heutzutage käme selbst eine Marilyn Monroe durch keine Casting-Show mehr. In den 60er Jahren verkörperte die spindeldürre Engländerin Twiggy das Ideal ihrer Zeit, heute sind wir mit Kate Moss bei den Magermodels angekommen. Dagegen formiert sich allerdings Widerstand: Viele Frauen haben keine Lust mehr, in die Konfektionsgröße von zwölfjährigen Mädchen zu passen zu müssen. Dabei werden ganz normale durchschnittliche Frauen von der Modeindustrie bereits als 'Plus Size' bezeichnet.

Die Frauen in Deutschland tragen heute im Durchschnitt die Konfektionsgröße 44, sie sind größer als früher (165,8 Zentimeter), haben mehr Busen und mehr Taille bekommen. Trotzdem wird ihnen überall suggeriert, dass sie sich in eine Kleidergröße 32 hungern sollten. Dabei ist Abnehmen wirklich nicht so einfach: Dicke Frauen haben meist eine jahrelange Historie hinter sich, wurden schon als Kind gehänselt und waren kreuzunglücklich. Meist haben sie schon als Jugendliche um eine Gewichtsreduktion gekämpft und sind dem Medienmärchen von der mit Photoshop perfektionierten Traumfrau hinterher gerannt.

Mittlerweile haben es viele Frauen aber satt, sich stressen zu lassen. Sie haben erkannt, dass es viel wichtiger ist, Selbstvertrauen und Glück nicht in Äußerlichkeiten zu suchen. Denn die weibliche Schönheit hängt nicht von der Konfektionsgröße ab. Selbstzufriedenheit und Lebensfreude machen eben nicht nur glücklich, sondern auch sexy.

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