Diskriminierung bei der Jobsuche: Zu dick für die Bundeswehr

Diskriminiert im Auftrag der Bundeswehr

Etliche Menschen kämpfen jeden Tag gegen Diskriminierung wegen ihres Gewichts. Doch die wenigsten erleben dabei etwas so Niederschmetterndes, wie Bianca Wöller. Die zweifache Mutter hatte die Ausbildungsstelle bei der Bundeswehr-Verwaltung so gut wie sicher, als ihr mitgeteilt wurde, sie sei zu dick für den Job. Wie kann es zu einer solchen Diskriminierung im Auftrag des Bundesministeriums für Verteidigung kommen?

Diskriminierung bei der Jobsuche: Zu dick für den Job
Reporterin Wiebke Hinz sucht nach Antworten vom Verteidungsministerium

"Ich habe alles daran gesetzt, dieses Jahr eine Stelle zu bekommen – und wenn man dann etwas bekommt, dann freut man sich und denkt: Ich habe es endlich geschafft", beschreibt die 32-jährige Bianca Wöllner ihre Gefühle, als der Ausbildungsplatz für sie noch zum Greifen nah erschien. Sie hatte sich bei der Bundeswehr in Kiel um einen ausgeschriebenen Ausbildungsplatz als Verwaltungsfachangestellte beworben - ein Schreibtischjob.

Mit Abitur und Jura-Studium in der Tasche ist die zweifache Mutter mehr als ausreichend qualifiziert. Sie besteht den schriftlichen Test und macht sich auch beim Vorstellungsgespräch gut. Es fehlte lediglich noch ein Test beim Arzt. Dieser ist üblich bei Bewerbern der Bundeswehr, weiß auch Bianca. Doch dann der Schock: Sie kann nicht eingestellt werden, weil ihr Body-Mass-Index (BMI) zu hoch ist. Dieser darf nämlich nicht über 30 liegen.

Diese einfache Zahl, die sich durch Gewicht und Größe einer Person berechnet, bedeutet für Bianca auf einmal das Aus. Alle ihre Qualifikationen und bestandenen Tests scheinen auf einmal Nebensache zu sein. "Ich kann so eine Auslese bei den aktiven Mitarbeitern der Bundeswehr total verstehen, aber mein Hintern passt auf einen Bürostuhl - warum sollte ich da nicht arbeiten dürfen?", fragt sich die 32-Jährige heute.

Übergewicht fällt nicht unter das Antidiskriminierungsgesetz

Bianca Wöllner fragt bei der Bundeswehr nach und möchte wissen, warum auf diese Hürde nicht in der Ausschreibung hingewiesen wird. Die Antwort: Das könnten sie nicht machen, sonst hätten sie zu viele Klagen zu befürchten. Was kann Bianca also tun, wenn alle ihre Qualifikationen nicht nutzen, weil sie nur auf ihr Gewicht reduziert wird?

"Dass solche Kriterien herangezogen werden, ist willkürlich", erklärt Arbeitsrechtler Christian Hochgrebe. Es handelt sich hier nicht um einen Gesetzesverstoß, da Übergewicht keine Behinderung darstellt. Rechtlich fällt Biancas Fall also nicht unter das Antidiskriminierungsgesetz.

Doch dann die Wendung: Bianca erhält einen Brief vom Verteidigungsministerium. Dieses will die BMI-Vorschrift für Verwaltungsangestellte überprüfen. "Das ist schon mal ein Anfang", findet Bianca. Aber auch an höchster Stelle könnte es bald ein Urteil darüber geben: Sollte der europäische Gerichtshof entscheiden, dass dicke Menschen per Gesetz bald nicht mehr diskriminiert werden dürfen, wäre das ein voller Erfolg. So können Menschen wie Bianca bald nur noch nach ihren Fähigkeiten beurteilt werden - und nicht nach ihrem Gewicht.

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