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"Dieses Jahr schenken wir uns nichts!": Was wirklich dahinter steckt

Frau schenkt Mann ein Geschenk
Erst abmachen, dass sich nichts geschenkt wird, und dann hat sie doch "eine Kleinigkeit". © iStockphoto

Die Frage ist: Hält sich jeder an das Versprechen?

Ich weiß noch, als ich irgendwann im Spätherbst vor ein paar Jahren das erste Mal diesen Satz sagte, diesen typischen Erwachsenen-Satz. Ich saß abends mit meinem Mann auf der Couch und meinte: "Ich finde, dieses Jahr sollten wir uns mal nichts schenken." Angesichts der Geschenke, die wir allein für unsere drei Kinder besorgen mussten und weil mir dieser ganze Konsumkram zum Fest ohnehin auf den Geist ging, fand ich das eine hervorragende Idee.

Von Merle Wuttke

So schön entlastend. Keiner von uns beiden müsste sich irgendeine tolle Idee aus den Fingern saugen, um den jeweils anderen zu überraschen (und dann doch wieder bei dem üblichen Kram landen). Wir würden nicht extra noch mehr Geld ausgeben. Und außerdem erfüllten wir uns unsere Wünsche doch sowieso eher im Laufe des Jahres, als an diesem einen Tag.

Ermunternd sah ich also meinen Mann an, in der Erwartung, er würde mir sofort zustimmen - schließlich ist er meist derjenige, der erst am 23. Dezember losgeht, um Geschenke zu besorgen - und dann wahnsinnig gestresst zurückkommt. Aber stattdessen erblickte ich auf einmal das menschgewordene Gesicht der Enttäuschung. Offenbar fand mein Mann die Idee alles andere als toll. Nach einigem Hin und Her hatte ich ihn dann aber doch soweit. Wir einigten auf eine Geschenkepause und es würde auch, so redete ich ihm im strengen Gouvernantenton ins Gewissen, "noch nicht mal eine Kleinigkeit" geben. Bis dahin wusste ich ja nicht, dass die Verabredung, sich als Paar nichts zu schenken, ungefähr so lang hält wie eine Instagram-Auszeit von Kim Kardashian. Also gar nicht. Und wenn es nicht schon das Märchen von der unbefleckten Geburt zu Heiligabend gäbe, dann wäre das Versprechen der Nichtschenkens wohl die größte Lüge unterm Weihnachtsbaum.

Jedes sechste Paar schenkt sich nichts

Zwar schenkt sich laut einer Online-Umfrage der Partnervermittlung Parship jedes sechste Paar tatsächlich nichts zum Heiligabend, aber ich vermute mal, dabei handelt es sich um einen kleinen unbeugsamen und prinzipientreuen Rest, der es tatsächlich schafft das einmal gegebene Versprechen auch zu halten.

Wahrscheinlich hatte dagegen ungefähr jedes zweite Paar genau dasselbe vorher verabredet, aber dann kam das Übliche dazwischen: "Ja, ja, ich weiß, wir hatten ja gesagt, wir schenken uns nichts, aber dann habe ich in diesem kleinen Laden entdeckt und musste sofort an dich denken...". Und schon sind wir wieder in sie hineingetappt - in die Geschenke- und Gewissensfalle. Im Fall meines Mannes und mir ist das Weihnachtsfest vor diesen paar Jahren jedenfalls eine Lehre: Glaube nie, was dein Partner dir verspricht - zumindest, wenn das Wort Geschenk darin vorkommt. Ich hatte tatsächlich nichts, wirklich gar nichts, besorgt. War ja so abgesprochen. Dagegen zog mein Mann plötzlich unterm Baum die berühmte Kleinigkeit hervor. Und ich? War erst genervt, schämte mich maßlos und fühlte mich danach kaltherzig und lieblos. Alle drei Kinder schauten mich mit großen Augen an: "Mama, hast du etwa NICHTS für Papa?!" Ungefähr eine Stunde lang musste ich ihnen versichern, dass ich nicht vorhatte mich scheiden zu lassen. Mein Mann sah sich das Schauspiel genüsslich an und grinste. Und ich? War kuriert. Für immer.

Brautkleid-Papst verlangt Eintritt fürs Shopping
Brautkleid-Papst verlangt Eintritt fürs Shopping Bekannt aus 'Zwischen Tüll und Tränen' 00:02:00
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