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Die Teilzeit-Krankenmeldung soll kommen: Kann man stundenweise krank feiern?

Wie das Modell Teilzeitkrankmeldung funktionieren soll
Wie das Modell Teilzeitkrankmeldung funktionieren soll Muss ich jetzt krank zur Arbeit? 00:04:51
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Rekord beim Krankengeld: Ausgaben steigen jährlich um 8,1 Prozent

Wegen der ständigen Steigung der Krankengeld-Ausgaben hatte Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) 2014 ein Gutachten bei den Regierungsexperten in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: Seit 2006 sind die Kosten für Krankenkassen wegen kranker Arbeitnehmer förmlich explodiert. Im Schnitt steigen die Kosten jährlich um 8,1 Prozent. Die Dauer der Arbeitsunfähigkeit wuchs dabei um gut drei Tage und die Anzahl an Erkrankten um zwei Prozent.

Krankenmeldung vom Arzt: Bald soll die Teilzeitkrankenmeldung kommen
Stundenweise krank: Gutachter fordern Teilzeit-Krankmeldung © picture alliance / Eibner-Presse, Eibner-Pressefoto

Kein Wunder, dass die Experten nun Reformvorschläge für die Senkung der Krankengeld-Kosten vorgestellt haben. Ein Modell: die Teilzeit-Krankmeldung.

Krank oder gesund – dazwischen gibt es im deutschen Krankenkassen-System bisher nichts. Der ‘Sachverständigenrat Gesundheit‘ hat nun den Vorschlag vorgelegt, ein Teilkrankengeld einzuführen. Das ist eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für einige Stunden, prozentual angegeben, je nach Schwere der Arbeitsfähigkeit des Arbeitnehmers. Das dürfte nicht allen gefallen: Es kann zu feilschen um Prozentpunkte mit dem eigenen Arzt kommen.

Wer Rückenschmerzen hat, aber zumindest vier Stunden am Tag arbeiten könnte, soll das in Zukunft auch tun dürfen. Die Krankenkassen können so sparen. Um zu vermeiden, dass Kranke in Zukunft um Krankenzeit kämpfen müssen, solle das neue System im Konsens mit den Beschäftigten sein, sagen unabhängige Allgemeinmediziner.

Versuchen die Kassen deshalb oft mit zweifelhaften Methoden, die Patienten zur Rückkehr an den Arbeitsplatz zu drängen? Die Regel ist das offenbar nicht. Von den gut 9.200 Beratungsgesprächen zum Thema waren laut dem UPD-Monitor 2015 rund 13 Prozent Beschwerden, die anderen wollten in der Regel aber einfach nur Rat.

Es könnte so laufen, dass sich Patient und Arzt darauf einigen, dass der Betroffene zum Beispiel zu 75 Prozent krank und zu 25 Prozent gesund ist. Er würde also noch zu 25 Prozent arbeiten und einen entsprechenden Anteil des Lohns bekommen - der Rest käme von der Krankenkasse. Die Forscher führen Schweden als Beispiel an, wo die Arbeitnehmer mit Krankschreibung in regelmäßigen Abständen geprüft werden.

Ein anderes Modell des Gutachterteams ist die Einführung von präventiven Programmen für Arbeitnehmer - damit diese erst gar nicht krank werden.

Wir haben uns umgehört was Arbeitnehmer zu dieser Idee sagen. Die Ergebnisse zeigen wir Ihnen im Video.

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