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Die Stiefmutter ist gar nicht böse: So gelingt ein gutes Patchwork-Modell

Die Stiefmutter ist gar nicht böse: So gelingt ein gutes Patchwork-Modell
© Kzenon - Fotolia

Die Stiefmutter ist besser als ihr Ruf

Stiefmütter, heute meist "Patchwork-Mütter" genannt, können aufatmen! Sie sind viel besser als ihr sprichwörtlicher schlechter Ruf. Forscher haben herausgefunden, dass sie auch in früheren Jahrhunderten gar nicht so stiefmütterlich mit ihren Stiefkindern umgingen, wie es in Märchen dargestellt wird.

Von Christiane Mitatselis

Aschenputtel und Schneewittchen haben die berühmtesten bösen Stiefmütter. Beide sind missgünstig und eifersüchtig. Während die eine unbedingt schöner sein will als die Stieftochter, tut die andere alles für die eigenen Töchter – und nichts für das arme Aschenputtel. Spätestens seit die Brüder Grimm Anfang des 19. Jahrhunderts ihre Märchen zusammengestellt haben, ist der Ruf der Stiefmütter ruiniert.

Zu Unrecht, haben deutsche und kanadische Forscher nun herausgefunden. Sie berechneten für die Region Krummhörn in Ostfriesland und die kanadische Provinz Québec, wie sich die Überlebenschancen von Kindern änderten, wenn der Vater nach dem Tod der Mutter wieder heiratete. Dabei fanden sie heraus, dass diese sich nur dann verschlechterten, wenn die wirtschaftliche Situation der Familie problematisch war.

Damit sind die Stiefmütter für die Forscher historisch entlastet; die Studie belege, dass Fürsorge nicht nur der biologischen Verbindung abhänge – sondern eben auch von Faktoren wie Armut oder Reichtum.

Die Patchwork-Mütter des 21. Jahrhunderts können sich also entspannen, leicht haben sie es trotzdem nicht. Denn wer sich mit einem Partner zusammentut, der Kinder in die Beziehung bringt, begibt sich auf schwieriges Terrain. Übertreibt es eine Mutter mit der Fürsorge für das Stiefkind, dann kann es sich leicht bevormundet und überrumpelt fühlen – nach dem Motto: Du bist nicht meine Mutter und hast mir gar nichts zu sagen! Zurückhaltung kann hingegen als Missachtung und mangelnde Liebe ausgelegt werden. Und schon lebt das Klischee der bösen Stiefmutter auf.

Diese Tipps sollte die Stiefmutter beachten

Was also tun? Liest man sich durch die Ratschläge der Familienpsychologen, so kristallisieren sich ein paar zentrale Anweisungen heraus. Zunächst sollten sich Stiefmütter klar machen, dass sie die leibliche Mutter nicht ersetzen können oder sollen. Die komplette Übernahme der Mutterrolle kann nur funktionieren, wenn das Kind noch sehr klein und die leibliche Mutter verstorben ist.

In den typischen Patchwork-Familien hat das "fremde" Kind aber in der Regel Kontakt zu seinem leiblichen Elternteil, das auch die Hoheit in Erziehungsfragen behalten sollte. Deshalb empfehlen Psychologen, man solle zum Stiefkind eine Art freundschaftliche Beziehung aufbauen, das könne am Besten funktionieren.

Zudem sollten sich Stiefmütter nicht der Illusion hingeben, sie könnten die Stiefkinder immer genauso behandeln wie den eigenen Nachwuchs. Die gleichen Aufgaben und Pflichten in der Familie sollten die Kinder aber haben. Und ist es erlaubt, auch die Stiefkinder im täglichen Leben zu ermahnen, sich an allgemeingültige Verhaltensregeln zu halten – also etwa aufzuräumen und keinen Müll herumliegen zu lassen. Wer das tut, muss sich nicht gleich wie die böse Stiefmutter fühlen.

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