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Die "Pille danach" soll es rezeptfrei geben

Pille danach
Die Bundesländer fordern, die "Pille danach" rezeptfrei anzubieten. © dpa, Rolf Vennenbernd

"Pille danach" in der Apotheke, normale Pille auf Rezept

Die "Pille danach" soll es bald rezeptfrei in der Apotheke geben. Das fordern zumindest die Bundesländer. Offiziell heißt es: "Sie fordern, in Apotheken zukünftig die Abgabe der 'Pille danach' ohne ärztliche Verschreibung zu ermöglichen. Hiermit will der Bundesrat einen niedrigschwelligen und schnellen Zugang - insbesondere für junge Frauen - zu Medikamenten eröffnen, die eine ungewollte Schwangerschaft verhindern." Entscheiden muss nun die Bundesregierung, ob die "Pille danach" wirklich in Apotheken gekauft werden darf.

So wirkt die "Pille danach": Sie verzögert oder unterdrückt den Eisprung. Eine Befruchtung oder Einnistung kann die "Pille danach" trotzdem nicht verhindern.

Ins Rollen gekommen ist dieser Vorstoß, nachdem Anfang des Jahres eine Frau in Köln von zwei katholischen Krankenhäusern abgewiesen wurde. Die Einrichtungen hätten die Frau auf Spuren einer möglichen Vergewaltigung hin untersuchen und eventuell die "Pille danach" verschreiben müssen. Da die katholische Kirche Abteibung und Verhütungsmittel aber ablehnt, wurde der Frau in den kirchlichen Krankenhäusern nicht geholfen. Mittlerweile haben sich die deutschen katholischen Bischöfe aber geeinigt und erlauben die "Pille danach" nach einer Vergewaltigung.

Berufsverband der Frauenärzte kritisiert

Wichtig bei der "Pille danach" sei, dass sie bis zu 24 Stunden nach dem Sex eingenommen werden müsse. Wenn man erst einen Arzt aufsuchen und auf ein Rezept warten müsse - vor allem am Wochenende - sei es schon fast zu spät. Gegner des Vorschlags bedauern diese Entwicklung, denn die "Pille danach" sei ein Medikament mit Nebenwirkungen. Vor der Einnahme sollte daher ein Arzt aufgesucht werden, wird argumentiert.

Der Berufsverband der Frauenärzte ist gegen die Freigabe - aber aus anderen Gründen. Die Zahlen der Schwangerschaftsabbrüche, so der Verband, sinken in Deutschland - trotz Freigabe seien sie in Frankreich und England doppelt so hoch. Vor allem sei der Wirkstoff Levonorgestrel, um den es nun geht, nicht das Mittel der ersten Wahl. Nach ungeschütztem Sex verhindere er binnen 24 Stunden nur etwa ein Drittel der Schwangerschaften. Es gibt aber auch ein neueres Mittel: Ulipristalacetat - das verhindere zwei bis dreimal mehr Schwangerschaften und wirke noch wenige Stunden vor dem Eisprung. Und dieses Mittel ist weiter verschreibungspflichtig. Verbandspräsident Christian Albring kritisiert: "Es ist schwer zu verstehen, dass das weniger wirksame Medikament den Vorzug vor dem besseren bekommt."

Am 14. Januar entscheidet die Regierung darüber, ob die "Pille danach" künftig rezeptfrei erhältlich ist.

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