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Die Pille danach ohne Arztbesuch: Es war längst überfällig!

Gesundheitsminister ist gegen rezeptfreie Pille danach

Schon wieder müssen sich konservative Politiker aufregen. Erst wurde die (weitgehend wirkungslose) Frauenquote der großen Koalition beschlossen. Und nun erdreistet sich Europäische Arzneimittelausschuss EMA, den rezeptfreien Verkauf der so genannten 'Pille danach' freizugeben. Frauen können das Hormon-Präparat auch in Deutschland schon bald in jeder Apotheke kaufen, ohne vorher den Arzt aufsuchen zu müssen.

Von Christiane Mitatselis

Das Wichtigste zuerst. Die Pille danach ist kein chemisches Abtreibungsmittel. Das Präparat mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat, das wahrscheinlich ab Februar oder März in Deutschland ohne Rezept zu kaufen sein wird, verhindert den Eisprung und wirkt bis maximal 120 Stunden nach dem Sex. Falls es bereits einen Eisprung gab, kann die 'Pille danach' nichts mehr ausrichten, eine Schwangerschaft im Anfangsstadium wird durch das Medikament nicht abgebrochen.

Je früher eine Frau die Notfall-Pille nach ungeschütztem Sex einnimmt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Schwangerschaft verhindert wird. Deshalb ist es sinnvoll, das Mittel von der Rezeptpflicht zu befreien. Durch einen Arztbesuch geht wertvolle Zeit verloren, vor allem an Wochenenden oder Feiertagen. In den meisten europäischen Nachbarländern Deutschlands gibt es die Pille danach deshalb bereits ohne Rezept.

Die rezeptfreie Pille danach ist ein Stück Freiheit

Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) war trotzdem gegen den freien Verkauf, die EU hat ihm nun dazwischengefunkt. Er wollte den Frauen den Arztbesuch nicht ersparen. Nun will er sich dafür einsetzen, dass die Apotheker die Kundinnen intensiv vor dem Verkauf der Notfallpille beraten.

Warum eigentlich? Die Ablehnung begründen die Kritiker meist mit der Sorge um gesundheitliche Risiken für die Frauen. Aber ist es das wirklich? Auch freiverkäufliches Aspirin ist schädlich, wenn man es zu häufig schluckt. In Wahrheit geht es den konservativen (männlichen) Politikern doch darum, das Selbstbestimmungsrecht der Frauen einzugrenzen. Frauen, die alles können und dürfen, machten solchen, fest im Patriarchat verhafteten Menschen schon immer Angst.

Frauen mussten sich ihre Rechte deshalb hart erkämpfen. Das Wahlrecht, das Recht, ohne Zustimmung des Ehemannes arbeiten zu dürfen, das Recht, Verträge abzuschließen, ohne dass der Gatte einwilligt. Das Recht eine Schwangerschaft nach Beratung abbrechen zu dürfen… und so weiter. Das Recht, eine Hormonpille schlucken zu dürfen, ohne vorher einen Arzt zu konsultieren, ist im Vergleich dazu ein winziges Stück Freiheit. Die Entscheidung, das Mittel rezeptfrei zu verkaufen, war lange überfällig.

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