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Die Milchlüge: Macht Milch in Wahrheit krank?

Fördert Milch tatsächlich Übergewicht und Krebs?
Fördert Milch tatsächlich Übergewicht und Krebs? Schwedische Studie liefert erschreckende Ergebnisse 00:08:24
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Milch soll angeblich Prostata- und Brustkrebs fördern

Ist Milch wirklich so gesund, wie viele Menschen behaupten? Es gibt immer mehr Experten, die vom Gegenteil überzeugt sind - Milch soll sogar krank machen, wie nun eine aktuelle Studie aus Schweden aufzeigt. Auch Markus Lauk, Ernährungswissenschaftler und Autor des Buches 'Steinalt & Kerngesund', empfiehlt, den übermäßigen Milch-Konsum zu überdenken. Gleichzeitig warnt er aber davor, zu schnell falsche Schlüsse zu ziehen.

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Die Milchlüge: Macht Milch in Wahrheit krank?
Macht Milch munter oder einfach nur krank? © picture alliance / Bildagentur-o, Tetra Images/Bildagentur-online

Die Deutschen sind weltweit Spitzenreiter im Milchtrinken. Jeder Deutsche verbraucht pro Jahr rund 85 Liter an Milchprodukten, das entspricht etwa einem Glas Milch am Tag. Und das ist laut Ernährungswissenschaftler Markus Lauk auch vollkommen in Ordnung: "Milch ist ein Lebensmittel wie jedes andere auch. In Maßen genossen und in einer guten Qualität gibt es da keine schwerwiegenden Folgen", so der Experte. Lauk vertritt die Meinung: "Milch ist weder gesund noch ungesund".

Eine schwedische Studie, die aktuell für Aufruhr sorgt, da sie Milch krankheitsfördernde Eigenschaften unterstellt, solle deswegen nicht überbewertet werden: "Diese Studie ist nicht sehr aussagekräftig. Sie zeigt lediglich einen Zusammenhang auf, belegt dabei aber nicht, dass es durch Milch tatsächlich zu Krankheiten wie Krebs kommen kann." Außerdem betont der Experte, dass "Milch die Lebenserwartung nicht negativ beeinflusst".

Andere Forscher, wie der Arzt und Ernährungsexperte Ernst Walter Henrich sind sich da nicht so sicher. Er sagt: Kuhmilch ist für den menschlichen Organismus nicht geeignet - der Konsum von Milch soll sogar Prostata- und Brustkrebs fördern. Das soll auch die ‚China Study‘, die bisher umfassendste Ernährungsstudie der Welt, belegen. „Es gibt mittlerweile eine große Anzahl an Studien, die den Zusammenhang von Milch-Konsum und Krebs, besonders Prostatakrebs und Brustkrebs zeigen“, so Dr. Heinrich. „Bei der Kuh ist es so, dass das Kalb sehr schnell wachsen muss und deshalb ein guter Protein- und Hormon-Cocktail in der Milch enthalten ist. Menschen sind nicht für diesen Hormon-Cocktail und diesen hohen Protein-Gehalt geschaffen“, so der Arzt.

Ist Milch gesund? Experten sind sich uneinig

Der Durst auf Milch ist in der Menschheitsgeschichte tatsächlich noch relativ neu. Erst vor etwa 8.000 Jahren begannen Europäer, Kuhmilch zu trinken – davor haben Menschen meist keine Laktose vertragen. Im kalten, nahrungsarmen europäischen Winter lieferte Milch wertvolle Nährstoffe. Dank dieser Urzeit-Genveränderung vertragen heute 90 Prozent von uns Milch, für den Rest gibt es die laktosefreie Variante.

Es gibt allerdings auch Gegenstimmen, für die Milch immer noch das gesundeste Getränk ist. Helmut Brunner, Bayerns Landwirtschaftsminister, bleibt weiterhin ein Milch-Fan: „Milch macht fit und steigert nachweislich die Konzentrationsfähigkeit. Über Jahrzehnte hat sich Milch als Grundnahrungsmittel bewährt und daran möchte ich auch keine Abstriche gelten lassen“.

Ähnlich sieht es die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Sie empfiehlt weiterhin ein Glas Milch pro Tag. Diese Menge soll etwa ein Viertel des Tagesbedarfs an Kalzium bei Erwachsenen abdecken. Zweifelsfrei beinhaltet Milch viele Nährstoffe, zum Beispiel B-Vitamine, Magnesium, Eisen und Zink. Einen eindeutigen Beweis, ob Milch nun gesund oder ungesund ist, gibt es bisher nicht. Wer trotzdem unsicher ist, für den gibt es viele pflanzliche Alternativen zur Kuhmilch, wie etwa Soja- oder Reismilch.