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'Die Kiste der Beziehung: Wenn Paare auspacken'

'Die Kiste der Beziehung: Wenn Paare auspacken' von Sonja Schönemann und Ralf Husmann
'Die Kiste der Beziehung: Wenn Paare auspacken' von Sonja Schönemann und Ralf Husmann © S. Fischer Verlag

Leseinfo zu 'Die Kiste der Beziehung'

Beziehungs-Ratgeber gibt es ja viele. Auch lustige Ratgeber. Nun haben sich allerdings hochkarätige Humor-Profis an das Thema Beziehung gewagt. Da liegt die Latte hoch: Haben es Sonja Schönemann und Ralf Husmann - die unter anderem Drehbücher für 'Stromberg' schreiben - wirklich geschafft, mal etwas Neues auf Papier zu bringen?

Ramona und Rainer haben eine Beziehung. Und eine Beziehungskiste, in die ihre Erinnerungsstücke wandern: die Eierschalen vom ersten gemeinsamen Frühstück genauso wie die Geschirrscherben vom ersten gemeinsamen Streit. Jetzt ist die Kiste voll, und die beiden erinnern sich: an die guten und die sehr guten Zeiten: "Ob eine Beziehung stabil ist, entscheidet sich nicht im Bett, sondern im Baumarkt."

Über 'Die Kiste der Beziehungen'

Sie erinnern sich aber auch daran, wie sie sich mehrfach auseinander- und wieder zusammengerauft haben: "Das Geheimnis einer guten Beziehung ist nicht, dass man die gleichen Sachen mag, sondern dass man die gleichen Sachen scheiße findet." Und so geht es vom ersten Treffen über Komplimente, Pärchenurlaub und Freunde bis hin zum allerletzten Akt. Abwechselnd erzählen "Ramona und Rainer" jeweils aus ihrer Sicht, was ihnen zu den Erinnerungsstücken einfällt. Und damit der Leser auch wirklich weiß, welche Stellen besonders geistreich und witzig sind, sind die dann auch in Rot gedruckt.

Sehr oft ist es allerdings wirklich lustig, was sich das Autoren-Duo ausgedacht hat. Viele tiefe Weisheiten sind im Buch zu finden: "Silikonbrüste sind wie Treibhaustomaten: das hat mit dem Original nichts zu tun und ist nur was für Leute, denen Ketchup eh lieber ist". Oder: "Männer sagen immer genau dann die Wahrheit, wenn man sie am wenigsten gebrauchen kann." "Ein Mann mit Hund suggeriert der Frau, dass er in der Lage ist, sich um ein Lebewesen zu kümmern, und das ist schon mal nicht schlecht." Aber wie heißt es so schön: Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Und das ist leider auch bei Schönemann-Husmann der Fall.

Vielleicht ist Komik ja auch immer irgendwie politisch unkorrekt? Vielleicht geht schwarzer Humor ja auch weit über das Erträgliche hinaus? "Ich hatte in meinem Leben bereits genug Schichtsalate gemacht, um damit mehrere Hungersnöte in Afrika beenden zu können." "Ich erinnerte sie daran, dass wir beide doch nichts peinlicher fänden als die Hartz-IV-Mongos ..." Oder wenn der Freund mit Luftschlagen umkränzt völlig betrunken eine Polonaise anführt, war das "ein ähnlich schlimmer Anblick wie damals, als in New York die Türme einstürzten." "Ein Mann richtet seine Wohnung meist so ein, wie Gott Brandenburg eingerichtet hat: Es gibt das Nötigste, plus ein paar ausgesprochen hässliche Ecken." Das sind nur ein paar Zitate, im Buch kommen solche verbalen Ausrutscher allerdings öfter vor. Das ist ärgerlich und macht auf Dauer schlechte Laune. Schade!

Über das Autoren-Team

Ralf Husmann ist Autor von 'Stromberg', 'Dr. Psycho' und 'Der kleine Mann' sowie Kolumnist für 'KulturSPIEGEL' und 'Playboy'. Er wurde mehrfach mit dem Deutschen Comedy-Preis, dem Deutschen Fernsehpreis sowie dem Grimme-Preis ausgezeichnet.

Sonja Schönemann schrieb seit 1995 für 'RTL Samstag Nacht' und 'Die Harald Schmidt Show', gehörte später zum Autorenteam der 'Wochenshow' und verfasst seit 2002 Drehbücher, unter anderem für 'Der kleine Mann' und 'Stromberg'.

(Text: Jutta Rogge-Strang)

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