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Die Angst der Mütter: Warum Frauen mit Kindern ständig Angst haben

Wenn Mütter Angst um ihre Kinder haben

Mit der Geburt des Kindes entwickeln viele Frauen merkwürdige Ängste, was die Zukunft ihrer Kinder angeht. Das weiß nicht nur ich, sondern auch Collien Ulmen-Fernandez. Sie hat auch Angst um ihre Tochter - und hat dem Thema in ihrem Buch "Ich bin dann mal Mutter" ein ganzes Kapitel gewidmet.

Die Angst der Mütter: Warum Frauen mit Kindern ständig Angst haben

Von Sabine Möller

In der Regel halte ich nichts davon, wenn Promi-Frauen Kinder bekommen und darüber dann ein Buch schreiben. Bei Collien Ulmen-Fernandez war das anders. Ich habe keinen erhobenen Zeigefinger gefunden und auch kein übertriebenes Lustigmachen über das Mamasein. Dagegen beschreibt sie Ängste, die sie entwickelt, seit sie Mutter ist. An diesem Punkt im Buch war ich ganz bei ihr.

Seit ich Mutter bin, entwickelt mein Hirn Gedankengänge, die ich als Kinderlose als völligen Blödsinn abgetan habe. Das fängt ja schon mit ganz banalen Dingen an: Hat das Kind genug getrunken? Genug gegessen? Was ist mit seiner Verdauung? Umso älter das Kind wird, desto mehr Gedanken und Ängste schwirren in meinem Kopf umher.

Beispielsweise, wenn mein Sohn auf einem viel zu großen Klettergerüst steht.

Auf der einen Seite bin ich stolz wie Oskar, wenn er mit seinen knapp zwei Jahren solche Herausforderungen meistert und dann blitzschnell und ohne Hilfe die Rutsche runter saust. Vor meinem inneren Auge laufen aber Horrorszenarien ab, was passieren kann, wenn er auf die Nase fällt (und das ist noch harmlos).

Noch schlimmer aber ist es, wenn das Kind mit seinem Vater auf den Spielplatz geht. Da bin ich wirklich heilfroh, nicht dabei zu sein. Denn auch Papa erzählt mir voller Stolz, dass sein Filius die Schräge zum Spielgerüst ganz allein hochgeklettert ist - ohne Hilfe. Schon allein vom Zuhören bekomme ich Schiss. Aber mein Sohnemann sucht sich immer wieder neue Herausforderungen. Beispielsweise eine steile Metalltreppe zur Rutsche, bei der die Stufen nur aus Stahlrohren bestehen. Da ruf ich vom anderen Ende sorgenvoll: "Mach das nicht allein!" Und vor meinem inneren Auge spielt sich ein Horrorszenario ab: Er rutscht ab, knallt mit der Lippe auf ein Stahlrohr und überall ist nur noch Blut.

Muss er auf die Nase fallen?

Ich will mein Kind schützen – vor allem Schlechten dieser Welt. Welche Mutter will das nicht? Aber genauso stell ich mir die Frage, ob ich es wirklich vor allem schützen kann, und ob meine Möglichkeiten nicht begrenzt sind. Noch kann ich am Klettergerüst stehen und ihn im Ernstfall auffangen, aber in ein paar Jahren …? Wo bleibt da meine Rolle als Mutter, als Beschützerin, als Fürsorgerin? Bin ich dann Statistin und schaue zu, wie er seine eigenen Erfahrungen – ob gut oder schlecht – macht? Oder gehört es wirklich zum Erwachsenwerden dazu, dass man eben auch mal auf die Nase fällt und unangenehme Erfahrungen macht?

Ich habe mir vorgenommen, ihn zu beschützen, soweit er es zulässt. Dazu gehört auch, dass ich Ängste entwickele, denn das ist mein Mutterinstinkt. Und wenn er irgendwann auf eigenen Beinen steht und meine Unterstützung nicht mehr so fordert wie momentan, werde ich weiterhin Angst um ihn haben. Dann aber nicht mehr am Klettergerüst.

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