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Dicke Kinder haben schlechtere Noten

Fettleibigkeit beeinträchtigt Schulerfolg

Dass der Name und die soziale Herkunft darüber entscheidet, wie Kinder in der Schule sind, ist mittlerweile bekannt. Doch dass nun auch Body-Maß-Index (BMI) eine entscheidende Rolle bei den schulischen Leistungen spielt, ist erschreckend.

Dicke Kinder haben schlechtere Noten
Laut einer Studie haben übergewichtige und adipöse Kinder schlechtere Noten. © dpa, Frank Leonhardt

Aber laut einer Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung haben dicke Kinder schlechtere Noten in Mathematik als ihre schlankeren Mitschüler. Außerdem besuchen sie seltener ein Gymnasium. Wer jetzt aber glaubt, dass diese Kinder aus sozial schwachen Familien kommen, der täuscht sich. Denn die Studie hat auch belegt, dass Fettleibigkeit unabhängig vom sozialen Status der Eltern Einfluss auf die Schulnoten hat. Bisher glaubte man, Kinder aus bildungsfernen Schichten neigten eher zum Übergewicht. Zudem spielt es eine Rolle, ob Kinder "nur" übergewichtig oder aber fettleibig, sprich adipös, sind. Übergewichtige Kinder sind nicht schlechter in Mathe, adipöse Kinder haben dagegen seltener eine 1 oder eine 2 in Mathematik.

Lehrer benachteiligen adipöse Kinder

Im Fokus der Studie standen die Mathematik- und Deutsch-Noten in der Grundschule und der Übergang aufs Gymnasium. Die Studie führt auch Gründe auf: Übergewichtige Mädchen haben beispielsweise schlechtere Schulnoten in Mathe, weil sie häufiger gehänselt werden, was zu einem geringeren Selbstwert und größeren Verhaltensproblemen führt. Weiter heißt es im Pressetext der Studie: "Bei den Jungen stellten die Forscher keinen ,Hänsel-Effekt' fest. Allerdings leiden auch adipöse Jungen unter einem geringeren Selbstwert, was die schlechteren Mathematikleistungen zum Teil erklärt. Ob ein Kind insgesamt gesund ist, wie viel Sport es treibt oder wie viel Fernsehen es schaut, verändert den Einfluss von Adipositas auf die Mathenoten nicht."

Auch den Übergang auf das Gymnasium schaffen adipöse Mädchen und Jungen seltener. Das Gleiche gilt für übergewichtige Jungen. Ob dies ausschließlich auf die schlechteren Mathematiknoten zurückzuführen ist, konnten die Forscher in ihrer Studie nicht nachweisen. Denkbar ist, dass Lehrer adipöse Kinder für weniger kompetent halten und seltener fürs Gymnasium empfehlen. Auch könnten Eltern diesen Kindern weniger zutrauen und sie deshalb nicht aufs Gymnasium schicken.

Für die Studie wurden Daten des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys des Robert-Koch-Instituts (Stichprobe der 7- bis 10-Jährigen) sowie des Mikrozensus 2009 ausgewertet.

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