Diagnose arteriovenöse Malformation und Koma - aber Patient soll trotzdem arbeiten

Versicherung fordert: Komapatient soll arbeiten
Versicherung fordert: Komapatient soll arbeiten Geht's noch? 00:02:32
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Rentenversicherung wollte nicht zahlen

Ein Mann liegt im Koma und die Rentenversicherung will, dass er arbeitet. Das klingt völlig verrückt, aber die Geschichte hat sich so tatsächlich abgespielt. Die Versicherung will die 630 Euro nicht bezahlen - mit der Begründung, sechs Stunden Arbeit am Tag wären für den Mann zumutbar.

Drei Wochen ist es her, dass Enrico in den Armen seiner schwangeren Frau Conny zusammenbrach. Seitdem ist der 31-Jährige ohne Bewusstsein. Arteriovenöse Malformation heißt die Krankheit, die in Enricos Kopf mehrere Blutgerinnsel verursacht. Bei zu viel Stress oder zu hoher Anstrengung platzen sie. Jede Form der Belastung ist für Enrico lebensgefährlich. Deshalb bekommt er schon länger eine Erwerbsminderungsrente.

Doch plötzlich erreicht die Familie dieses Schreiben: „Im Ergebnis der medizinischen Sachaufklärung haben die Sachverständigen festgestellt, dass ein Leistungsvermögen für mindestens sechs Stunden täglich für leichte Arbeiten vorliegt.“ Nicht nur, dass Enrico jetzt gerade im Koma liegt, selbst wenn er erwacht, bedeutet Arbeiten Lebensgefahr für ihn, sagt seine Ehefrau Conny. Sie ist nicht nur im 9. Monat schwanger, sondern bangt jeden Tag um das Leben ihres Mannes. Der Rechtsstreit um die 630 Euro, die seitdem jeden Monat fehlen, ist für sie eine große Belastung.

Sobald Enrico erwacht, muss Conny erneut kämpfen

Ein Jahr lang führt Conny deshalb jetzt schon einen juristischen Kampf gegen die Rentenversicherung. In deren Stellungnahme an die Presse heißt es jetzt: Selbstverständlich haben wir nach Vorlage des Gutachtens (…), dass sich der Versicherte im Koma befindet, umgehend dem Sozialgericht gegenüber erklärt, dass wir den Anspruch auf Erwerbsminderungsrente weiterhin anerkennen. Zumindest Ende bis 2017 will die Versicherung jetzt zahlen - und das auch zwei Jahre rückwirkend.

Sobald Enrico jedoch erwacht, muss Conny erneut kämpfen. Denn auch wenn ein ärztliches Attest bescheinigt, dass Enrico sein Leben lang arbeitsunfähig ist, will die Rentenversicherung das dann erneut prüfen. Jetzt hofft Conny aber erst einmal, dass ihr Mann eines Tages wieder aufwacht.

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