Neurodermitis: Hautausschlag und fieser Juckreiz
Entwickelt sich Neurodermitis zur Volkskrankheit?
Johanna ist gerade mal sechs Jahre alt und schon Dauergast im Wartezimmer vom Hautarzt. Sie hat Neurodermitis und seit sie denken kann, muss sie sich kratzen. Ihr kleiner Körper ist gezeichnet von roten, schuppenden Ekzemen. Auf den Augenlidern ist es gerade besonders schlimm. Ständig juckt es. Johannas Mama sagt, sie soll stark bleiben und sich nicht kratzen, aber das schafft sie nicht. Oft weint die Sechs-Jährige, weil sie es nicht mehr aushalten kann. Manchmal ist es sogar so schlimm, dass sie sich blutig kratzt. Diese Leidensgeschichte betrifft immer mehr Patienten, vor allem Kinder. Aber wie lange können die kleinen Patienten dem starken Juckreiz standhalten und was kann man dagegen tun?
Von Franziska Walther
Etwa zehn Prozent aller Schulkinder in Deutschland sind laut einer aktuellen Studie an Neurodermitis erkrankt. Insgesamt leiden in Deutschland vier Millionen Menschen an dieser Krankheit. Bedenklich ist vor allem der rasche Zuwachs an Neu-Patienten: Im Vergleich zu einer Studie aus dem Jahr 1996 hat sich die Zahl der Erkrankten verdreifacht. Weltweit betrachtet sind vor allem Bewohner aus den westlichen Industrieländern betroffen.
Was ist Neurodermitis?
Neurodermitis ist eine chronische Hautkrankheit, die nicht heilbar und nicht ansteckend ist. In den Ellenbeugen und Kniekehlen, aber auch am Hals und im Gesicht bilden sich gerötete und schuppende Ekzeme, von denen ein starker Juckreiz ausgeht. Wenn Patienten dem nachgeben und sich kratzen, werden Stoffe von den Ekzemen auf gesunde Haut übertragen, sodass diese auch erkrankt und sich die Neurodermitis ausdehnen kann. Außerdem begünstigen die dabei eintretenden Bakterien die Ausweitung. Kratzen verschlimmert also die Krankheit. Wie stark der Juckreiz werden kann, wird vor allem bei Kindern ersichtlich: Es ist nicht unüblich, dass sich die Kleinen an Tischkanten oder anderen scharfkantigen Gegenständen kratzen, bis die Stelle blutig wird. Weitere Symptome sind generell trockene Haut und strohige Haare, sowie rissige Mundwinkel und ein blasses Gesicht mit Schatten unter den Augen.
Vor allem Kinder sind betroffen von der Hautkrankheit. Man nimmt an, dass Neurodermitis mit zunehmendem Alter abschwächt. Das kann sogar so weit gehen, dass über Jahre hinweg keine Symptome auftreten. Trotzdem kann die Krankheit jederzeit wieder neu ausbrechen. Die Kleidung spielt dabei eine zentrale Rolle: Sachen, aber auch Bettwäsche mit einem hohen Wollgehalt lösen starken Juckreiz und die Bildung neuer Ekzeme aus. Der schlimmste Neurodermitis-Auslöser ist jedoch Schweiß, was den Erkrankten den Alltag besonders erschwert. Beim Sport oder in den Sommermonaten wird der Juckreiz zu einer einzigen Qual.
Worin liegen die Ursachen der Hautkrankheit?
Neurodermitis entsteht, weil das Immunsystem zu empfindlich reagiert. Es ist jedoch weitgehend ungeklärt, worin dabei die Ursachen liegen und weshalb nur bestimmte Menschen betroffen sind. Es wird allerdings angenommen, dass die Krankheit auf eine erbliche Veranlagung zurückzuführen ist. Demnach haben Kinder ein dreimal so hohes Risiko an Neurodermitis zu erkranken, wenn bereits die Eltern an der Hautkrankheit leiden. Eine weitere Ursache sind Umwelteinflüsse: Im Körper findet eine übermäßig starke Abwehrreaktion statt, wenn der Erkrankte mit eigentlich harmlosen Stoffen in Kontakt kommt. Zu diesen Stoffen gehören zum Beispiel verschiedene Allergene wie Pollen und bestimmte Nahrungsmittel wie Nüsse oder Milch. Auch die psychische Verfassung spielt eine wesentliche Rolle beim Auftreten der Hautkrankheit. Hauptursache dabei ist Stress.
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