
Autoimmunerkrankungen: Wenn das Immunsystem gegen den Körper arbeitet
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Autoimmunkrankheiten: 'Friendly Fire' im Körper
'Friendly Fire', so nennen Militärs den Beschuss aus den eigenen Reihen. Eine nahezu euphemistische Redewendung für ein Drama, das die eigenen Soldaten zum Ziel des Angriffs werden lässt. Was das jetzt auf der Frauenzimmer-Gesundheitsseite zu suchen hat, fragen Sie sich? Nun, unser Organismus kennt auch 'sein' Friendly Fire. Nämlich dann, wenn sich das Immunsystem gegen körpereigene Zellen richtet und dies schwere, teilweise sogar lebensbedrohliche Gesundheitsschäden zur Folge haben kann.
Von Daniele Erdorf
Autoimmunerkrankungen, so lautet der Überbegriff für dieses Phänomen. Je nach dem, wogegen sich die Körperabwehr richtet, können ganz unterschiedliche gesundheitliche Probleme auftreten:
• Diabetes Mellitus Typ 1 (Bauchspeicheldrüse)
• Chronische Polyarthritis (Gelenkrheuma)
• Rheumatisches Fieber
• Multiple Sklerose (Nervensystem)
• Glomerulonephritis (Niere)
• Addison-Krankheit (Nebennieren)
• Hashimoto Thyreoditis ( Schilddrüse)
• Morbus Basedow (Schilddrüse)
• Morbus Crohn (Darm)
• Colitis Ulcerosa (Darm)
• Myasthenia gravis (Muskelerkrankung)
• Lupus erythematodes (generalisierte Erkrankung)
• Vitiligo (Haut)
• Schuppenflechte (Haut, Nägel)
Ursachen von Autoimmunkrankheiten
Das Immunsystem ist ein fein ausgeklügeltes Bollwerk von einzelnen Abwehrmechanismen, das uns gegen körperfremde Eindringlinge schützt:
• Viren (z.B. Grippe-, Hepatitis-, Herpes-, Pocken-, Rötelnvirus)
• Bakterien(z.B. Streptokokken, Staphylokokken, Salmonellen)
• Prionen (z.B. Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, BSE)
• Pilze (z.B. Candida albicans, Schimmelpilz)
• Parasiten (z.B. Rinderbandwurm, Schweinebandwurm)
• Protozoen (z.B. Malariaerreger, Trichomonaden)
Von solchen, potenziell krankmachenden, Mikroorganismen sind wir mehr oder weniger ständig umgeben und unser Immunsystem leistet Tag für Tag ganze Arbeit. Aber die Körperabwehr kann auch versagen, wenn angeborene Immundefekte, chronische Krankheiten oder gesundheitliche Stressfaktoren vorliegen. Dann ist die Abwehrleistung meist schlicht nicht ausreichend.
Davon zu unterscheiden ist aber der eigentliche Autoimmunerkrankungsprozess. Hier arbeitet die Abwehr nicht zu wenig, sondern zu viel und greift dabei auch körpereigene Zellen an. Schon um das Jahr 1900 herum erkannte der deutsche Arzt und Chemiker Paul Ehrlich, dass unser Organismus zwischen eigenen und körperfremden Zellen unterscheiden kann. Diese Fähigkeit zur Unterscheidung gewährleistet, dass Fremdstoffe und Krankheitserreger bekämpft werden, ohne den Körper selbst zu schädigen.
Bei Autoimmunerkrankungen ist genau diese Funktion gestört, körpereigene Zellen werden wie Eindringlinge behandelt und attackiert. Dabei kann ein einzelnes Organ - bis hin zur Zerstörung - betroffen sein oder der autoaggressive Prozess manifestiert sich im gesamten Körper. Beide Formen der Autoimmunreaktion können auch gemischt auftreten. Manche Autoimmunreaktionen schädigen langfristig das Zentrale Nervensystem, führen zu Behinderungen und können einen vorzeitigen Tod bedeuten.














