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Diabeteswarnhund Lilith hat echt spezielle Fähigkeiten: Labrador rettet schnüffelnd Menschenleben

Lilith rettet schnüffelnd Menschenleben
Lilith rettet schnüffelnd Menschenleben Süßer Hund mit echtem Supertalent 00:00:41
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Jedes Jahr gibt es in Deutschland rund 300.000 Diabetes-Typ-2-Diagnosen

"Lilith, such Zucker!" Die braune Labradorhündin, die noch eben ruhig auf der Einfahrt eines Einfamilienhauses in Eckernförde gelegen hat, springt auf und rennt um die Ecke. Hier liegen drei schwarze T-Shirts nebeneinander. Die Hündin scannt die Kleidungsstücke mit der Nase, schnappt sich dann eines und läuft zu Frauchen Stephanie Klameth. Lilith ist ein Diabeteswarnhund. Er hat von den T-Shirts jenes herausgesucht, dass ein Mensch mit Diabetes in einer Phase der Unterzuckerung getragen hat.

Die Ausbildung zum Diabeteswarnhund dauert bis zu anderthalb Jahre

"Diabetes mellitus" ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der die Regulierung des Blutzuckerspiegels gestört ist. Bei rund 300.000 Menschen in Deutschland ist eine angeborene Autoimmunkrankheit (Typ 1) Ursache für die diagnostizierten Fälle. Bei mehr als sechs Millionen Menschen ist dagegen ein Wechselspiel aus Fehlernährung, Bewegungsmangel und genetischen Anlagen der Grund für erkannte Erkrankungen (Typ 2). Jedes Jahr kommen in Deutschland rund 300.000 Typ-2-Diagnosen dazu, inzwischen im Extremfall schon bei Kindern.

Klameth selbst hat seit dem zehnten Lebensjahr Diabetes Typ 1. Als Teenager sei es schwierig gewesen, auch weil die Krankheit ihre eigentlichen Berufspläne durchkreuzt hat. "Ich wollte zur Polizei, aber das durfte ich definitiv nicht mit Diabetes", erzählt die 45-Jährige. Sie machte eine Ausbildung zur Krankenschwester und später machte sie ihre Krankheit zum Beruf. Sie wurde Diabetesberaterin, schult seit Mitte der 1990er Jahre andere Menschen mit Diabetes im Umgang mit dem umgangssprachlich Zuckerkrankheit genannten Leiden.

"Es ist eine perfekte Symbiose"

Irgendwann bildete sie einen ihrer Labrador-Retriever zum Diabeteswarnhund aus. Zunächst für sich selbst, doch vor wenigen Jahren wurde sie angesprochen, ob sie dies auch für andere machen könnte. Und sie sagte nach längerem Überlegen zu. Seitdem bildet sie Teams von Hunden und betroffenen Menschen aus. Häufig kommen Familien, bei denen ein Kind an Diabetes leidet. Die Eltern wünschen sich einen Gefährten für das Kind, der auch nachts im Schlaf aufpasst. Im Video zeigen wir Ihnen, wie genau das Ganze funktioniert und wie Lilliths "Arbeitsalltag" aussieht.

Bis ein Hund soweit ist, sind nach Erfahrungen von Klameth bis zu anderthalb Jahre Ausbildung nötig und auch danach muss immer wieder mit dem Hund trainiert werden. Am einfachsten funktioniert es, wenn der Hund noch jung ist. Theoretisch käme fast jede Rasse infrage, aber es gibt immer wieder Hunde, die nicht geeignet sind. Die Ausbildung ist sehr teuer, kostet in Schleswig-Holstein zwischen 3.000 und 10.000 Euro.

Die Krankenkassen zahlen dies in der Regel nicht. Anders als etwa Blindenhunde sind Diabeteswarnhunde nicht als Hilfsmittel anerkannt. Ein Hund ist laut Kröger für viele Menschen mit Diabetes sicherlich eine schöne Unterstützung. Mehr aber auch nicht. Und auch Klameth würde Technik und Tier nicht gegeneinander ausspielen wollen - auch wenn viele Betroffene ihrer Erfahrung nach von Messgeräten genervt seien. "Es ist eine perfekte Symbiose."

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