GESUNDHEIT GESUNDHEIT

Diabetes bei Kindern: Immer mehr junge Typ-1-Diabetes-Patienten

Typ-1-Diabetes breitet sich vor allem im Osten aus

Je weniger die Menschen im Geldbeutel haben, desto höher ist ihr Diabetes-Risiko. Das zeigt der 'Diabetes-Atlas 2012', den die Barmer GEK jetzt veröffentlicht hat. Deutschlandweit leiden rund 8 Prozent der gesetzlich Versicherten unter der Zuckerkrankheit - und die Zahl der Erkrankten steigt, vor allem in sozial schwächeren Regionen.

Diabetes: Immer mehr Kinder müssen Insulin spritzen.
In Deutschland leiden Millionen Menschen unter Diabetes. Vor allem im Osten steigen die Zahlen der Erkrankungen

Während in manchen Gebieten Hamburgs nur knapp 4 Prozent der Einwohner an Diabetes leiden, sind in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg 10 bis 13 Prozent der Menschen betroffen. Auch im Saarland ist die Zuckerkrankheit überdurchschnittlich weit verbreitet. Unterschiedliche Alters- und Geschlechterstrukturen in den untersuchten Regionen spielen keine Rolle, so die Experten.

Auch eine andere Entwicklung macht Medizinern Sorgen: Immer mehr Kinder erkranken an Typ 1-Diabetes. Mit Fettsucht hat diese Form überhaupt nichts zu tun. Die jüngsten Patienten sind Kleinkinder. "Warum der Typ-1-Diabetes ansteigt - für die Antwort kann man noch einen Nobelpreis gewinnen", sagt Thomas Danne, Chefarzt am Kinder- und Jugendkrankenhaus auf der Bult in Hannover und Vorstandsvorsitzender von diabetesDE. "Es ist wie ein Puzzlespiel."

Diabetes ist die häufigste Stoffwechselerkrankung bei Kindern. Rund

30. 000 unter 18-Jährige leiden in Deutschland an Typ 1, die Neuerkrankungen steigen jährlich je nach Quelle um zwei bis vier Prozent. Das Immunsystem entgleist und zerstört die Insulin produzierenden Zellen. Bei Typ 2, früher Altersdiabetes genannt, wirkt das Insulin oft infolge von Übergewicht nicht ausreichend, der Körper kann irgendwann nicht mehr genug produzieren. Er spielt bei Kindern eine geringere Rolle.

Finnland hat die meisten Diabetes-1-Kinder

Finnland hat im internationalen Vergleich die meisten Diabetes-1-Kinder. Die Gründe: unklar. "Wir wissen, dass bestimmte Viruserkrankungen das Risiko fördern", sagt Danne. Etwa 20 Gene stehen in Zusammenhang mit Diabetes Typ 1. Vitamin D-Mangel spielt vielleicht eine Rolle, vermutlich auch Ernährungsbestandteile. "Sicher ist nur: Süßigkeiten spielen keine Rolle", sagt Danne. "Es gibt eine Menge offener Fragen."

Im Extremfall kann ein hoher Zuckerwert tödlich sein. Gefährlich ist auch Unterzuckerung, bei der sich das Bewusstsein trübt. Ursachen für Typ-2-Diabetes sind genetische Veranlagung, Übergewicht und Bewegungsmangel. Sechs Millionen Deutsche leiden an Typ 2. Auch hier erkranken mehr junge Leute, aber selten Kindern.

Typ-2-Diabetes lässt sich mit Abnehmen und Bewegung behandeln. Bei Typ 1 gibt es keine Genesung. "Das Einzige, was wir machen können, ist Insulin geben", sagt Danne. "Was wir anbieten können, sind technische Lösungen." Kürzlich haben Patienten erstmals eine künstlichen Bauchspeicheldrüse zu Hause getestet. Das Gerät misst automatisch den Zucker im Gewebe und gibt die richtige Insulinmenge ab. Bis zur Marktreife wird es aber dauern - eine Hoffnung vielleicht für Kinder, bei denen jetzt Diabetes festgestellt wird.

Anzeige