Deutsche Bahn unterstützt Demo von Abtreibungsgegnern

Bahn unterstützt Abtreibungsdemo
Bahn unterstützt Abtreibungsdemo © dpa, Frank Leonhardt

Mit der Bahn billig zur Anti-Abtreibungsdemo

Abtreibungsgegner können im September mit vergünstigten Bahn-Tickets zum "Marsch für das Leben" nach Berlin reisen. Erzkonservative Christen und CDU-Politiker werden dort gegen "das schreiende Unrecht der Abtreibung" und "Tötung durch Selektion" demonstrieren. Das Thema ist ein Aufreger, so kritisieren Feministinnen, dass die Bahn die Abtreibungsgegner zumindest indirekt unterstütze.

Von Christiane Mitatselis

Die Bahn sieht sich ihrerseits nicht als Sponsor, sondern nur als neutraler Kooperationspartner. Allerdings macht der "Bundesverband Lebensrecht", der den Marsch organisiert, auf seiner Homepage stolz Werbung für sein Angebot: "Wir freuen uns, Ihnen in Kooperation mit der Deutschen Bahn für Ihre Anreise zum Marsch für das Leben 2012 und den Begleitveranstaltungen eine weitere bequeme und umweltfreundliche Reisemöglichkeit anbieten zu können", heißt es da. 99 Euro kostet die Abtreibungsgegner ein Rückfahrtticket mit Zugbindung, mit dem sie aus ganz Deutschland nach Berlin reisen können.

Marsch für das Leben - aber gegen Frauenrechte?

Der "Marsch für das Leben", an dem im letzten Jahr in Berlin etwa 2.000 Menschen teilnahmen, hat prominente Unterstützer. So richtete etwa Volker Kauder, der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, im letzten Jahr ein Grußwort an die Teilnehmer - ebenso wie Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.

Das macht die Sache eher schlimmer als besser. Liest man sich weiter durch die Homepage des "Bundesverbandes Lebensrecht", so findet man die üblichen frauenfeindlichen Thesen. Die Abtreibungsgegner ignorieren das Selbstbestimmungsrecht der Frau. Da jeder Embryo schon ein Mensch sei, dürfe er nicht abgetrieben werden; die Schwangeren dürfen also nach Ansicht der Lebensrechtler nicht selbst entscheiden, ob sie ein Kind haben wollen oder nicht.

Das deutsche Recht sieht (zum Glück) anders aus. Hierzulande gilt die Fristenlösung, während der ersten zwölf Schwangerschaftswochen dürfen Frauen nach Beratung abtreiben. Es gibt auch Spätabtreibungen, die dann erlaubt sind, wenn sich bei Pränataldiagnostik herausstellt, dass das Kind schwer behindert zur Welt kommen würde.

Dieses Verfahren nennen die "Marschierer für das Leben" schlicht Euthanasie und spielen damit auf die nationalsozialistische Rassenhygiene an. Frauen, die von dem Recht auf Spätabtreibung Gebrauch machen, werden also moralisch verdammt.

Die Bahn verteidigt ihre Kooperation so: "Die DB gibt mit Veranstaltungstickets für diesen und für alle anderen Anlässe in keiner Weise eine inhaltliche Stellungnahme oder Wertung zu den Zielen der Veranstalter ab. Sie tritt weder als Sponsor noch Unterstützer dieser Veranstaltungen auf", teilte ein Bahn-Sprecher mit. Er wies zudem darauf hin, dass die Bahn jährlich bei hunderten von Großveranstaltungen, zum Beispiel auch bei Parteitagen, Sonderkonditionen anbiete. Ausgenommen seien nur Veranstaltungen, die die freiheitlich-demokratische Grundordnung in Frage stellten, also etwa Rechtsextreme.

Es wäre dennoch schön, wenn ein großes Unternehmen wie die Bahn auch Kooperation mit Frauenfeinden ablehnte.

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