Der Weg der Rosen

Der Weg der Rosen

Es ist eine Reise in das Herz der Rosenindustrie. Unser Reporter hat sich auf den Weg gemacht ins Hochland von Kolumbien – das Land mit der größten Rosenproduktion weltweit. Es ist ein exklusiver Einblick in das Geschäft mit dem Tag der Liebe: Wo die Rosen herkommen, die zum Valentinstag in vielen deutschen Blumenläden stehen und was ein Arbeiter verdient, der für die perfekte Rose schuftet – für die deutsche Blumenhändler bis zu sechs Euro nehmen. Kolumbien ist nach Holland der zweitgrößte Blumenexporteur der Welt. Jahresumsatz: 800 Millionen Euro. Die größte Anbaufläche liegt vor der Hauptstadt Bogotá, in der Blumenstadt Facatativá. Die Bedingungen für die Rosenzucht sind in Kolumbien ideal: konstante Temperatur, viel Wasser. Geerntet wird am Vormittag, wenn es noch kalt ist und die Rosen in einer Art Starre verharren.

In der größten Rosenfarm Kolumbiens begrüßt uns Geschäftsführer German Samper, begleitet von einer Deutschen: Michelle Kiene, Verkaufsleiterin für den deutschen Markt. Die beiden führen uns durch die 300 Hektar große Anlage. Im Moment dreht sich alles nur um eine Sorte. „Die beliebteste Rose am Valentinstag ist Freedom“, erzählt uns Miechelle Kiene. Praktisch: Die „Freedom“ ist auch günstig in der Produktion, weil besonders ertragreich: 40 Prozent der Anbaufläche hier sind mit ihr bepflanzt. Und in der Zeit vor dem Valentinstag schieben die Arbeiter Überstunden. Mehr als ein Drittel des Jahresumsatzes macht die Farm allein mit dem 14. Februar, sagt der Geschäftsführer. Wichtig, damit die Rosen den Weg nach Deutschland überstehen: die Qualität des Wasser. „Das Wasser muss extrem sauber sein, schauen Sie mal hier, wie klar das ist. Die Rosen nehmen dieses Wasser auf, wenn sie gerade geschnitten wurden. Es sorgt dafür, dass ihre Lebenszeit sich verlängert, denn wir versetzen das Wasser mit Zitronensäure. Die senkt den PH-Wert und die Rose kann für die Reise mehr Wasser aufnehmen“, sagt German Samper. Sechs bis acht Monate wächst die Freedom-Rose, bis sie erntereif ist. Die meisten Arbeiterinnern hier schneiden 150 bis 250 Rosen in der Stunde, in reiner Handarbeit.

Pro Rose bekommt ein Arbeiter umgerechnet einen halben Cent. Das sind rund 210 Euro im Monat, etwas mehr als der gesetzliche Mindestlohn in Kolumbien. Zu wenig zum Leben, sagen Gewerkschafter. Sie kritisieren die Löhne und unstabile Arbeitsverhältnisse. Peter Hannaford sieht das anders. Der 64jährige hat die kolumbianische Rosenindustrie mit aufgebaut. Ihm gehört die größte Rosenfarm – und noch viele mehr. Der studierte Botaniker ist Millionär, betont aber, dass es seinen Angestellten gut ginge, weil er sich gut um sie kümmere: „Wir haben bei uns zum Beispiel eine Grundschule gebaut, in der alle Kinder unserer Angestellten eine kostenlose Schulbildung erhalten. Wir auch holen sie von zu Hause ab und bringen sie wieder zurück. Es gibt ein gratis Mittagessen und die Lehrer sind sehr gut. Meine Leute sind mir sehr dankbar dafür.“

Unsere Valentinstagsrose ist inzwischen auf dem Weg zur sogenannten Qualitätskontrolle. Dort entscheidet sich, ob die frisch geschnittene Blume gut genug ist für den deutschen Markt. Tausende Bündel kommen hier im Minutentakt an. Die Arbeiter sortieren sie nach Farbe und Größe, dann entfernt eine Maschine 30 Prozent der Blätter und Dornen. Die Maschine stammt aus Holland. Ebenso wie das Gerät, das die Rosen automatisch nach Länge und Größe des Kopfes sortiert. 7000 Rosen schafft diese Maschine pro Stunde. Sie ist nagelneu - und eine Ausnahme in Kolumbien. Die 530 Arbeiter in der Halle fürchten sie ein wenig. Aber noch sind die Menschen nicht ersetzbar. Neben der Maschine sortieren Dutzende von Arbeiter die Rosen noch nach der herkömmlichen Methode: Handarbeit. Für den deutschen Markt muss die Valentinstagsrose mindestens 80 Prozent Güte haben. Ob sie das hat, entscheiden die Arbeiter in rund acht Sekunden.

Anzeige