Der Frühling steht vor der Tür: Darum macht die Sonne uns glücklich

Der Frühling ist da
Schluss mit dem dunklen Winter © dpa, Malte Christians

Endlich Frühling! Heizpilz ade!

Mein Gott ist das schön! Gerade noch hat man das Päckchen mit den Winter-Super-Sale-Schnäppchen mit hohem Angora-Anteil aufgemacht – und jetzt kann man schon direkt gucken, ob die Balerinas aus dem letzten Frühjahr überhaupt noch gehen. Und wohin zum Kuckuck hab ich noch mal die Sonnenbrille geräumt?

Von Ursula Willimsky

Es ist Frühling. Quasi über Nacht! Und irgendwie fällt es einem richtig schwer, sich am Morgen noch die dicke Winterjacke überzuziehen – der Sinn steht eher danach, im dünnen Mäntelchen den Frost von der Autoscheibe zu kratzen. Schnee, Kälte, Daunenfüllung, Heizung? Nee danke, wollen wir nicht mehr. Wir wollen Sonne! Frühlingsblumen! Helle Farben! Und Fenster, die man offen lassen kann!

Warum nur mögen wir diese Jahreszeit so sehr? Sie bringt uns dazu, am Drehständer die Samenpäckchen zu studieren ("Weil, irgendwann werde ich auch einen kleinen Garten haben" oder "Diesmal werde ich wirklich alles ansäen, was ich mir gekauft habe"). Sie bringt uns dazu, den lästigen Hausputz plötzlich mit viel Elan ultragründlich durchzuziehen und mal so richtig auszumisten ("Ich brauch wieder Luft zum Atmen! Und Platz für Neues!"). Und bei manchen weckt sie die Lust aufs Leben und die Liebe.

Angeblich kurbeln die ersten Frühlingsstrahlen ja die Hormonproduktion im Körper ganz gewaltig an. Und wenn Amsel, Drossel, Fink und Star in Flirtlaune verfallen, weshalb soll das nicht auch beim Menschen so sein? Manche behaupten, dass mit zunehmender Sonne mehr Serotonin oder Dopamin (gelten im Volksmund Glückshormon) ausgeschüttet werden und wir deshalb in jeder Hinsicht aktiver sind.

Manche sagen: Nö, in Zeiten von Kunstlicht und hormoneller Anti-Baby-Pille stimmt das so nicht unbedingt. Die berühmten Frühlingsgefühle kommen vielleicht eher daher, dass die Zirbeldrüse jetzt eine ruhigere Nummer schiebt und weniger Melatonin (fördert den Schlaf) produziert. Oder es liegt daran, dass man bei steigenden Temperaturen einfach lieber draußen unterwegs ist und viel Sonne und frische Luft abbekommt.

Vielleicht ist es auch eine Kombination der Faktoren … wer will das schon so genau wissen, wenn 17 Grad plötzlich in greifbarer Nähe sind? Zumindest scheint der alten Glaube, dass der Frühling die beste Zeit zum Schwangerwerden ist, nicht ganz zu stimmen. Hierzulande werden die meisten Babys nämlich im Spätsommer und kurz vor Weihnachten gezeugt.

Frühling: Zeit für den Neuanfang

Aber wer weiß? Vielleicht bandelten Kindsvater und Kindsmutter ja in der Zeit an, als der Frühling sein blaues Band flattern ließ? Immerhin ist der Frühling die Zeit für den Neuanfang. Die Natur startet durch. Und wir auch. Schließlich wohnt jedem Anfang ein Zauber inne, wie es Hermann Hesse so schön formuliert hat. Für viele liegt dieser Zauber auch darin, sich von altem zu befreien. Sie vermessen akribisch ihre Wohnung mit der Kompass-App und entrümpeln danach streng nach Feng-Shui-Grundsätzen oder so, wie´s schon Mama immer gemacht hat. Herrlich, wie die Wäsche duftet, wenn sie zum ersten Mal wieder draußen auf der Leine hing! Und erst dieses herrliche Gefühl, wenn endlich die usselige Strickjacke weg ist, die man eigentlich nie mochte, aber aufgehoben hat, weil sie so teuer war!

Und wenn sie schon dabei sind, entrümpeln viele auch gleich noch ihren Körper und manchmal auch die Seele mit. Religiöse Menschen fasten und ziehen Stärke aus diesem Verzicht. Gesundheitsbewusste fasten ebenfalls und entschlacken. Und modebewusste fasten ebenfalls, in der Hoffnung auf die bessere Bikini-Figur. Und das alles, weil die Natur diesmal ganz exakt in den Kalender geschaut hat: Denn meteorologisch begann in unserer Breiten der Frühling nämlich am 1. März, auch wenn im Küchenkalender als Frühlingsanfang der 20. März steht (berechnet aus der Stellung der Erde zur Sonne). Und dann gäbe es noch den phänologischen Frühlingsanfang, der schlichtweg dann stattfindet, wenn die Pflanzen beschließen, dass es an der Zeit ist, durchzustarten, sich ein neues buntes Kleid anzuziehen und endlich einen Cappuccino in der Sonne zu trinken, ohne dass der Heizpilz leise wummert.

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