Der beste Zeitpunkt für ein Baby: Sind ältere Frauen die besseren Mütter?

"Ältere Mütter sind psychisch stabiler"
Späte Mutterschaft: Professor aus England plädiert für ältere Mütter © picture alliance / Bildagentur-o, Bildagentur-online/Tetra-Images

Professor plädiert für späte Schwangerschaft

Es ist die Frage, an der sich die Geister scheiden: Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Kind? Ein bekannter Arzt aus Großbritannien sagt jetzt, späte Eltern seien die besseren Eltern und man sollte das Kinderkriegen ruhig nach hinten verschieben. Aber stimmt das wirklich?

Er ist eine Koryphäe auf dem Gebiet der künstlichen Befruchtung, muss also wissen, wovon er spricht: Lord Robert Winston. Der britische Arzt plädierte nun auf einem Wissenschaftskongress für die späte Mutter- bzw. Vaterschaft. Denn, so seine Meinung: Späte Eltern seien finanziell besser ausgestattet, psychisch stabiler und lebten in sicheren Partnerschaften. Allerdings wäre die Gesellschaft noch nicht so weit, die späte Mutterschaft zu akzeptieren.

Damit wird die Diskussion um den richtigen Zeitpunkt für ein Baby wieder einmal neu befeuert. Und eigentlich sind es gerade die Mediziner, die insbesondere Frauen, immer wieder davor warnen, nicht zu spät mit dem Kinderkriegen anzufangen und das erste Kind möglichst noch vor dem 30. Geburtstag zu bekommen. Denn so sehr sich unser gesellschaftliches Leben und unsere Möglichkeiten in Sachen Reproduktions-Medizin geändert haben mögen: Der weibliche Körper tickt eben immer noch so wie immer – zwischen 20 und 30 Jahren ist seine Fruchtbarkeit nun mal am höchsten. Das schert die Frauen jedoch immer weniger – so bekommen Akademikerinnen in Deutschland im Schnitt mit 33 Jahren ihr erstes Kind und der Anteil der Frauen, die über 40 zum ersten Mal Mutter wurden, stieg bereits auf vier Prozent.

Vor dem ersten Kind müssen nämlich erst einmal so viele andere Dinge erledigt werden: Ausbildung, Studium, Karriere, Fernreisen, Selbstverwirklichung und ja, auch der richtige Partner muss her. Das kostet Zeit. Zeit, die später oft teuer bezahlt werden muss – mit kostspieligen Fruchtbarkeitsbehandlungen, weil es mit 39 Jahren dann eben doch nicht mehr so reibungslos klappt, wie man sich das so vorgestellt hat.

Frauen und Männer, die ihren Kinderwunsch weit nach hinten verlegen, lassen sich nämlich oft nur zu gern von dem „Alles ist möglich“- Hype unserer Gesellschaft blenden. Schließlich beweisen Promis tagtäglich in den Medien, dass man locker noch mit 46 schwanger werden kann. Und wenn auch die Freundinnen erst mit 36 langsam anfangen über Kinder nachzudenken, kommt es einem selbst völlig normal vor, spät ein Kind zu wollen. Dabei steigen die Risiken für Gendefekte und psychische Erkrankungen mit dem Alter der Eltern stark an. So haben Kinder, deren Väter bei der Geburt 45 Jahre oder älter waren, etwa ein 13-faches höheres Risiko an ADHS zu erkranken.

Andererseits sagen Psychologen: Späte Eltern erziehen, unterstützen, sorgen sich besser um ihre Kinder als zu junge Eltern. Sie seien im Leben angekommen und könnten daher besser auf ihren Nachwuchs eingehen.

Das erste Kind mit über 40?

Das mag alles sein. Späte Elternschaft führt aber auch häufig dazu, dass in Familien oft nicht mehr als ein Kind hinein geboren wird, weil die körperlichen Voraussetzungen eben nicht weitere Kinder zulassen. Und dann? Wird sich ganz auf dieses EINE Kind konzentriert. Das kann gut funktionieren, es kann aber auch mächtig in die Hose gehen. In letzterem Fall beobachtet man dann etwa stark ergraute Mütter und Väter beim Elternabend in der Grundschule, die mit dem Lehrer darüber diskutieren, ob man dem Kind auf die Klassenfahrt nun die personalisierte Müslimischung mitgeben darf oder nicht („Er mag aber doch kein anderes Müsli!“).

Und abgesehen davon, ob es einen als Eltern selbst nicht stört, wenn man auf dem Spielplatz oder in der Kita als Oma oder Opa gehalten wird, ist aus rein praktischen Gründen späte Mutterschaft nicht von Vorteil. Wenn Mama und Papa nämlich wieder ihre gutbezahlten Vollzeitjobs aufnehmen wollen, um ihren wohlverdienten Lebensstandard zu halten, und eine Betreuung vor Ort brauchen, die zur Not mal einspringen kann, ist es hilfreich, wenn die Großeltern nicht selbst schon die 80 überschritten haben...

In Skandinavien, wo der Kinderwunsch ebenfalls immer stärker nach hinten verlegt wird, ist man deshalb schon wieder so weit, dass man im Aufklärungsunterricht nicht nur länger mit den Jugendlichen bespricht, wie man eine Schwangerschaft durch Verhütung verhindert, sondern auch, wie schön es ist, (jung) Mutter oder Vater zu sein. Als Studenten-Eltern hat man ja dann auch nicht das Problem, die ganze Zeit zu denken, man müsste auf so viel (Fernreisen, teure Abendessen, Wellnessurlaub) verzichten – schließlich kann man sich das in dem Alter eh noch nicht leisten...

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