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Depressive Eltern: Kinder brauchen Hilfe

Wenn Elternteile depressiv sind: Wer schützt die Kinder?

Auch wenn die Entwicklung eines Bluttests zur Diagnose einer Depression ein großer Schritt nach vorn ist: Leider ist noch keine optimale Therapie in Sicht. Besonders problematisch ist vor allem die Situation der Kinder, wenn Elternteile depressiv sind. Dieses Problemfeld ist das Thema des 11. Europäischen Depressionstages, der am 1. Oktober stattgefunden hat. Experten schätzen, dass es in Deutschland 500.000 Kinder gibt, die mit depressiven Eltern leben. Diese Kinder haben ein stark erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens selbst eine psychische Störung zu entwickeln.

Eltern-Depression: Kinder brauchen dringend Hilfe
Sind Mutti oder Vati depressiv, schädigt das auch die Kinder. © picture alliance / Bildagentur-o

Dies geschieht auch durch Vernachlässigung, etwa durch ausbleibende emotionale Zuwendung. Die Depressiven sind oft nur sehr eingeschränkt zu positiven Emotionen fähig. Kleine Kinder brauchen aber besonders während des ersten Lebensjahres die Erfahrung, dass die Eltern verlässlich sind und angemessen auf ihre Bedürfnisse eingehen.

Sind die Kinder älter geworden, müssen sie nicht selten die Stütze ihrer Eltern sein, übernehmen oft auch die Haushaltsführung, so gut sie können. Neben der mangelnden Liebe, die diese Kinder erfahren, fühlen sie sich in der Regel auch noch schuldig an der Traurigkeit oder Aggressivität der Eltern. Sie beteiligen sich außerdem aktiv daran, die Spuren einer Depression der Eltern zu verwischen.

Für Depressive ist es schwer zu erkennen, dass sie krank sind. Und selbst wenn in der Familie eigentlich Klarheit darüber besteht, dass ein Elternteil unter Depressionen leidet, wird das Thema oft tabuisiert oder als Bagatelle abgetan: "Komm, reiß dich jetzt mal zusammen" oder "Das geht auch wieder vorbei" sind dann Sätze, die dazu führen, dass sich die Situation für die Kinder verschlimmert.

Im Interesse der Kinder sollten Verwandte und Freunde bei Anzeichen einer elterlichen Depression handeln und nachdrücklich auf Hilfs- und Beratungsangebote hinweisen. Kinder, die deutlich ungepflegt in die Schule gehen, im Unterricht fehlen oder Zuhause nur einen leeren Kühlschrank vorfinden: Das können Anzeichen auf Depressionen der Eltern sein.

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