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Depressiv oder traurig: Wann ist man depressiv?

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Schlafentzug als Therapie bei Depression So soll Betroffenen geholfen werden 00:12:54
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Depressiv oder traurig: Nicht jedes Stimmungstief ist eine Depression

Traurige, melancholische Gefühle und Momente der Niedergeschlagenheit oder innerer Unruhe kennt jeder Mensch. Diese Zustände können auch schon mal ein paar Tage andauern. Es sind ganz normale Empfindungen, die zu unserem Leben dazu gehören und die Bandbreite unseres Seelenlebens zeigen.

Depressiv oder traurig: Wann ist man depressiv?
Nicht jedes Stimmungstief ist eine Depression © Dmitri MIkitenko

Außerdem sind unsere Gefühle abhängig von äußeren Einflüssen: der Partner, die Familie, die Arbeitssituation oder besondere Ereignisse - sie alle können positive oder negative Emotionen auslösen. Doch was passiert, wenn man sich "schlecht" fühlt? Wann wird aus einem normalen Stimmungstief eine Depression?

"Eine allgemein gültige und scharfe Abgrenzung ist nicht möglich", sagt Psychiater Peter Bommersbach. Dennoch versuchen Ärzte und Therapeuten die Krankheit mithilfe eines Kriterienkataloges einzuordnen. Bommersbach: "Wir sprechen dann von einer Depression, wenn eindeutige Symptome vorhanden sind, das Gefühlstief mindestens 14 Tage oder länger anhält und während des ganzen Tages dominant ist." Eine Depression kann Monate oder Jahre dauern und beeinflusst das gesamte Leben.

Psychotherapeutin Anja Simon: "Neben dem Zeitfaktor ist ein starkes Indiz für eine Depression, wenn auf den vier Ebenen Denken, Fühlen, Handeln und körperliches Wohlbefinden gleichzeitig die negative Stimmung überwiegt. Wenn man beispielsweise pessimistisch ist und Konzentrationsstörungen hat, traurig und ängstlich ist, sich antriebslos fühlt und keine Entscheidungen treffen kann. Kommen dann noch körperliche Erschöpfung und Schlafstörungen dazu, liegt der Verdacht auf Depression nahe."

Depressionen müssen behandelt werden

Depressionen können schwach oder stark ausgeprägt sein. Besondere Vorsicht ist dann geboten, wenn der Gedanke ins Spiel kommt, nicht mehr weiter zu können oder zu wollen, wenn das Leben sinnlos erscheint. "Dann sollte unbedingt und sofort Hilfe beim Arzt oder Therapeuten gesucht werden", so Peter Bommersbach.

Suizidgedanken sollten immer sehr ernst genommen werden. Etwa 10 bis 15 Prozent aller an Depression erkrankten Menschen unternehmen einen Selbstmordversuch.

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