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Depression und Burnout: Krankheiten der Seele

Depression: Frauen erkranken häufiger
Depression: Frauen erkranken häufiger 00:02:57
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Depresion und Burnout: Ein dunkler Tunnel ohne Ausgang

Bei Lisa ging es vor drei Jahren los. Mit ihrem Halbtagsjob als Verkäuferin in einer großen Boutique und ihrer zweijährigen Tochter Johanna war sie voll ausgelastet: "Stress war schon da, aber ich bekam alles gemanagt." Als ihre Mutter dann schwer krank wurde, kümmerte sich Lisa aufopferungsvoll um sie und unterstützte ihren Vater bei der Pflege. "Da wurde es langsam eng", berichtet sie. "Schließlich hatte ich ja noch meinen eigenen Haushalt, und für meinen Mann Lars blieb kaum noch Zeit übrig."

Depression und Burnout
Depression und Burnout trifft alle Gesellschaftsschichtenverbreitet © Getty Images/iStockphoto, Abel Mitja Varela

Von Daniele Erdorf

Die Situation zog sich über ein Jahr hin und Lisa fühlte sich immer ausgebrannter. Die Sorgen um die Mutter, um Töchterchen Johanna und um ihre Ehe nagten an ihr. "Ich hatte permanent ein schlechtes Gewissen." Als sie dann eines Tages von einem Besuch bei den Eltern zurückkam, stand Lars mit gepackten Koffern im Flur. Für Lisa brach die Welt zusammen. "Plötzlich war ich mit einer Geliebten, der Trennung und der Aussicht auf Scheidung konfrontiert".

Das war zu viel. "Ich fühlte mich wie gelähmt, war dauernd traurig, habe nur noch geheult und hatte keine Hoffnung mehr", erzählt die 35-Jährige. "Es war wie ein dunkler Tunnel ohne Ausgang". Sie grübelte ständig über den Sinn ihres Lebens nach, hielt sich für eine schlechte Mutter und suchte die Schuld dafür, dass Lars sie verlassen hatte, bei sich.

Lisa ließ sich immer mehr in ihren Kummer hineinfallen und schaffte es gerade noch, sich um Johanna zu kümmern. Sie schlief kaum noch eine Nacht durch, hatte ständig Kopfschmerzen und nahm trotz ihrer schlanken Figur rapide ab. "Irgendwann hat meine beste Freundin ein ernstes Wort mit mir gesprochen und ist mit mir zum Doktor gegangen." Die Gespräche mit dem Hausarzt und später mit dem Psychiater machten klar, dass Lisa mitten in einer Depression steckte.

Depression und Burnout trifft alle Gesellschaftsschichten

Man geht davon aus, dass 24 Prozent aller Frauen und 15 Prozent aller Männer im Laufe ihres Lebens einmal an einer Depression erkranken. Damit ist diese Krankheit eine der häufigsten hierzulande. An einer chronischen oder behandlungsbedürftigen Depression leiden zurzeit geschätzte vier Millionen Deutsche. Peter Bommersbach, Leitender Oberarzt der Abteilung Klinische Psychiatrie und Psychotherapie des Marienhospitals in Euskirchen, sagt: "Das Gefährlichste dabei: etwa 10 bis 15 Prozent der schwer Depressiven unternehmen einen oder mehrere Selbstmordversuche."

Bis es jedoch zu einer ausgeprägten Depression kommt, gibt es oft eine lange Phase, in der sich die Krankheit entwickelt. "Es ist meist ein schleichender Prozess", so Bommersbach weiter, "Der von den Patienten häufig erst spät als behandlungsbedürftig wahrgenommen wird." Schwindendes Selbstwertgefühl, Verlustängste, übersteigerte Existenzsorgen und anhaltende Traurigkeit sind erste emotionale Warnzeichen. Oft werden diese von körperlichen Problemen wie Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit und fehlender Vitalität begleitet.

"Aber Depressionen können sich auch anders darstellen", erläutert Anja Simon, Psychotherapeutin am Kölner Psychotherapeutischen Institut am Rhein. "Innere Unruhe, leichte Reizbarkeit oder Aggression können im Zusammenspiel mit anderen Faktoren auf dieses Krankheitsbild hinweisen. Die Diagnose kann nur im Einzelfall und vom Fachmann gestellt werden."

Gegen Depressionen lässt sich etwas tun

Depression und Burnout: Krankheiten der Seele
Der Gang zum Arzt ist der erste Schritt © kmiragaya - Fotolia, Karel Miragaya

Der Gang zum Arzt ist meist schon der erste Schritt in die richtige Richtung. Die Diagnose bringt Klarheit und öffnet den Weg - meist für eine kombinierte medizinische und psychotherapeutische Behandlung. "Mit einer konsequenten Therapie kann man Depressionen in den Griff bekommen", so Bommersbach. Studien belegen den Erfolg. Auch Lisa hat mit Hilfe einer Psychotherapie die Wende geschafft. "Heute ist das Leben zwar an manchen Tagen immer noch ein dunkler Tunnel für mich", sagt sie, "aber wenigstens ist am Ende Licht zu sehen."

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