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Depression macht auch das Herz krank

Depression und Herzprobleme
Ärzte sollten bei Patienten mit Herzproblemen checken, ob zusätzlich eine Depression vorliegt. © Nemanja_ZdravkovicPhoto, Nemanja_Zdravkovic

Rauchen, Cholesterin und Depression steigern das Herztodrisiko

Wie ein schwarzer, bleischwerer Vorhang, der sich auf das Leben legt - so beschreiben Depressive ihren Zustand. Sie fühlen sich müde, freudlos und denken sogar daran, ihr Leben zu beenden. Depression wird als Volkskrankheit teils bis heute unterschätzt. Dabei hat sie unbehandelt mitunter schwere körperliche Folgen. Auf die Dauer kann sie auch aufs Herz schlagen - und zwar stärker als bisher angenommen.

Nur Bluthochdruck und Rauchen bringen ein noch höheres Risiko mit sich

Münchner Forscher haben herausgefunden, dass Depressionen bei Männern ein ähnlich großes Risiko für Herzkreislauferkrankungen bergen wie die klassischen körperlichen Faktoren Übergewicht und erhöhtes Cholesterin. Nur Bluthochdruck und Rauchen brächten ein noch höheres Risiko mit sich, berichtet Studienleiter Karl-Heinz Ladwig. 15 Prozent der Todesfälle in Folge von Herzkreislauferkrankungen könnten vermeidbar gewesen sein, wenn nicht eine Depression mit dabei gewesen wäre. Bei anderen Faktoren wie Cholesterin und Rauchen reiche der Anteil von 8,4 bis 21,4 Prozent. Die Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München, der Technischen Universität München (TUM) und des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) hatten für die Studie Daten von 3.428 Männern zwischen 45 und 74 über einen Zeitraum von zehn Jahren untersucht. Die Ergebnisse veröffentlichten sie nun im Fachmagazin 'Atherosclerosis'.

"Ein psychisches Phänomen kann größere Einflüsse auf den Körper haben, als man bisher dachte", betont Ladwig. Folglich könnte eine Therapie der Depression in manchen Fällen Herzinfarkte vermeiden helfen und im Extremfall sogar Leben retten. Der Forscher schlägt deshalb vor, bei Hochrisikopatienten eine mögliche Depression standardmäßig abzuklären. Es müsse für die betreffenden Ärzte klar sein, "dass die depressive Stimmungslage ein Teil des Risikobildes der kardiovaskulären Erkrankung ist".

Weil Frauen im Alter bis 65 selten Herz-Kreislauferkrankungen haben, wurden für die Studie Daten von Männern ausgewertet, erläuterte der Studienleiter. Die Ergebnisse seien aber grundsätzlich auf Frauen übertragbar, die zudem öfter an Depressionen leiden als Männer. Schon frühere Studien hatten einen Zusammenhang zwischen Depressionen und Herz-Kreislauferkrankungen nachgewiesen - jedoch nicht in diesem Ausmaß.

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Laut WHO leiden weltweit 350 Millionen Menschen an Depressionen

Ärzte haben zwar bei Menschen mit seelischen Erkrankungen meist auch die körperliche Seite mit im Blick, und bei körperlichen die seelische. Aber bei der Zusammenarbeit zwischen Hausärzten, Kardiologen und Psychiatern gibt es noch Verbesserungspotenzial. Depression wird häufig nicht erkannt, schließlich gehen die meisten regelmäßig zum Hausarzt, aber nicht zum Psychiater. Teils gilt sie in der Gesellschaft noch immer nicht als ernsthafte Erkrankung. Dabei greift Depression tief in den Organismus ein - als eine Form von massivem Stress.

Laut Weltgesundheitsorganisation WHO leiden weltweit 350 Millionen Menschen an Depressionen. Die wissenschaftliche Behandlungsleitlinie in Deutschland geht davon aus, dass hierzulande 16 bis 20 Prozent der Erwachsenen im Laufe ihres Lebens an einer Depression erkranken. Depressive Herzpatienten haben dabei ein besonderes Risiko: "Die Patienten nehmen nicht so strikt ihre Medikamente und kümmern sich nicht so gut um Ernährung und sportliche Betätigung wie Nicht-Depressive", sagt die Münchner Kardiologin Petra Hoppmann. 

Die Depression wirke auf die Gefäße aber auch über Stresshormone: Diese verändern den Stoffwechsel. Die Folge sind chronische Entzündungsvorgänge, die Gefäße verändern und die Blutgerinnung fördern. Damit können Adern leichter verstopfen. Die neue Studie zeige den Effekt deutlicher als bisher und anhand einer sehr guten Datenlage. 

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