Den Partner ausspionieren: Gründe und Folgen

Den Partner ausspionieren: Gründe und Folgen
© dpa, Angelika Warmuth

Fast jeder hat es schon mal gemacht

Den Partner ausspionieren? Um Gottes Willen, auf gar keinen Fall! Vertrauen ist schließlich die Basis einer Beziehung, Kontrolle der Anfang vom Ende. Soweit die Theorie, doch wie sieht die Praxis aus? Niederländische Forscher haben festgestellt, dass man ziemlich stark sein muss, um dem Partner tatsächlich niemals nachzuschnüffeln.

Von Christiane Mitatselis

Es macht „pling“ und eine E-Mail erscheint in seinem Postfach. Er hat sein Notebook nicht abgeschaltet. Wer schreibt? Ach, diese Arbeitskollegin, von der er so oft erzählt. Hm... Die Neugier ist groß, der Besitzer des Computers gerade nicht anwesend, er kehrt frühestens in einer halben Stunde zurück… Soll ich einen Blick riskieren, die Nachricht lesen, sie danach wieder als ungelesen markieren? Nein, besser nicht. Das tut man nicht!

Es ist manchmal gar nicht so einfach, stark zu bleiben und nicht zur Spionin zu werden. Pädagogen der VU University Amsterdam haben sich in einer Langzeitstudie mit diesem heiklen Thema befasst, 189 verheiratete Paare beteiligten sich daran – das Ergebnis: Vertrauen allein reicht nicht aus. Nur wer seinem Partner vertraue und gleichzeitig über ein hohes Maß an Selbstkontrolle verfüge, werde nicht unzulässig in die Privatsphäre des anderen eindringen, fanden die Forscher heraus.

Diese These ist einleuchtend. Denn Gelegenheit macht nicht nur Diebe, sondern auch Schnüffler. Selbst, wenn man keinen Verdacht gegen den Partner hegt, ergeben sich in unserer digitalen Welt so viele zufällige Möglichkeiten, die Nase in die Angelegenheiten des anderen zu stecken. Nur wer sich selbst sehr gut im Griff hat, wird dem Impuls widerstehen können, mal schnell eine E-Mail zu lesen – oder eine Nachricht im Handy. Oder nach einem Telefonat die Wiederwahl-Taste zu drücken, um zu sehen, mit wem er da so angeregt geplaudert hat.

Die Neugier in uns

Viele Menschen sind von Natur aus neugierig, andere haben gern alles unter Kontrolle, wollen einfach alles wissen – und müssen sich zusammenreißen. Denn jeder vernünftig denkende Mensch weiß, dass viel auf dem Spiel steht.

Wird man Spionieren ertappt, so erleidet die Beziehung in der Regel einen Bruch. Niemand braucht eine private NSA. Außerdem: Auch in einer Partnerschaft hat jeder das Recht, Geheimnisse zu haben, man selbst will ja auch welche haben. Also lässt man besser die Finger vom Handy des Partners.

Doch wie sieht es aus, wenn man ganz sicher sein kann, nicht ertappt zu werden bei einer kleinen Schnüffelei? Man kann es ja positiv drehen: Neugierig ist man nur, weil man sich so sehr für den Partner interessiert, oder?

Interessant wäre eine Untersuchung darüber, wie ehrlich die 189 Paare auf die Fragen der Forscher geantwortet haben, wie nah die Antworten an die Realität heranreichen. Vielleicht zu 80 Prozent? Oder eher weniger?

Denn ganz ehrlich: Wer kann mit reinem Gewissen von sich selbst behaupten, er würde niemals heimlich in die Privatsphäre des anderen eindringen, auf gar keinen Fall; auch nicht in einem schwachen Moment - oder dann, wenn in einem günstigen Moment eine hoch interessante Nachricht ankäme.

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