Demo gegen sexuelle Vielfalt in der Schule

Warum Eltern jetzt auf die Barrikaden gehen

Muss mein Kind wirklich schon mit elf Jahren lernen, welche Stellung beim Sex die angenehmste ist? Oder wie man Sexspielzeug benutzt? In Baden-Württemberg soll 'Sexuelle Vielfalt', wie es offiziell heißt, bald schon im Unterricht durchgenommen werden – und zwar auf überraschend anschauliche Weise. Zu Hunderten sind Eltern nun dagegen auf die Straße gegangen.

'Sexuelle Vielfalt' habe im Schulunterricht nichts verloren, finden viele Eltern in Stuttgart. Sie wollen mit Demonstrationen verhindern, dass ihre Kinder bald im Sexualkundeunterricht auch über Homosexualität aufgeklärt werden. Dass es mehr gibt als die Geschlechter Mann und Frau und Beziehungen nicht immer nur heterosexuell sind, das scheinen diese besorgten Eltern lieber unter den Teppich kehren zu wollen.

Der neue Bildungsplan soll ab 2016 gelten und auch lehren, dass es im Leben viele Arten von Sex gibt. "Ich denke, dass es den Kindern dann leichter fällt, ihre eigene Individualität zu finden, wenn sie wissen, was es gibt, und sie sich selbst zuordnen können", sagt eine Befürworterin des neuen Bildungsplans. Schimpfwörter wie "du schwule Sau" sollten der Vergangenheit angehören, wenn Kinder früh lernen, dass Homosexualität nichts Unnormales ist.

"Das Thema der Vielfalt ist in der Vergangenheit an unseren Schulen nicht stark genug transportiert worden – und zwar Vielfalt in jeglicher Hinsicht", erklärt Baden-Württembergs Kulturminister Stoch. "Hier geht es schlichtweg darum, dass Menschen lernen, wertschätzend mit dem anderen umzugehen und eben nicht von Vorurteilen geprägt werden."

In anderen Bundesländern, wie zum Beispiel Nordrhein-Westfalen, findet schwul-lesbische Aufklärung übrigens bereits statt. Für Stuttgarter Eltern ein „Angriff auf traditionelle Familienbilder“ – doch in Wirklichkeit ein Schritt in die richtige Richtung.

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