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Demenz-Symptome: Diese Anzeichen sprechen für Alzheimer & Co.

Demenz-Symptome sind auch von Laien zu erkennen.
Die Symptome für Demenz sind vielfältig. Vor dem Gedächtnisverlust kann auch Aggressives Verhalten auf eine voranschreitende Demenz sein. © picture alliance / dpa, Oliver Berg

Verhaltensauffälligkeiten wie Unruhe und Misstrauen können erste Symptome für Demenz sein

Die sanftmütige und liebevolle Oma wandelt sich plötzlich zur griesgrämigen und zänkischen alten Lady? Sie hat keine Lust mehr, ihre Enkel zu sehen und nachts irrt sie gar im Haus umher? Das können alles Symptome für Demenz sein.

Verhaltensauffälligkeiten wie unkontrollierte, emotionale Reaktionen, gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus mit nächtlichen Schlafstörungen und Umherirren oder Unruhe können erste Anzeichen für eine Demenz sein. Auch zielloses Umherwandern, Misstrauen oder Feindseligkeit und offene Aggression mit lautem Schreien und Schimpfen bis hin zu Wahnvorstellungen und Halluzinationen sollten unbedingt sorgfältig beobachtet werden. Häufig sind sie Frühwarnzeichen einer demenziellen Erkrankung. Diese treten meistens vor dem Gedächtsnisverlust auf.

Vergessen und keine Orientierung - Erste Anzeichen für eine Demenz

Vergessen

An Demenz erkrankte Menschen leiden selbst an ihrer Situation. Besonders am Anfang ihrer Erkrankung ist ihnen bewusst, dass sie Dinge wie Namen für alltägliche Gegenstände oder den Aufbewahrungsort für Teller und Tassen vergessen. Das ist ein sehr schmerzhafter Prozess. Geduld und Einfühlungsvermögen sind jetzt besonders wichtig. Oft hilft es, Namen im Gespräch immer wieder einfließen lassen. Auch das alte Fotoalbum oder Briefe können dem Gedächtnis auf die Sprünge helfen. Um dem Demenz-Kranken mehr Halt zu geben, helfen eine gleichbleibende Umgebung und ein strukturierter Tagesablauf.

Gehirntraining ist grundsätzlich nicht verkehrt, aber nicht in Form vom reinen Abfragen. Solche Übungen helfen nicht gegen die Vergesslichkeit, sondern sind eher quälend und beschämend für den Betroffenen.

Gegenstände verlegen

Wer wieder einmal den Schlüsselbund verlegt hat, kann dies noch auf die leichte Schulter nehmen. Wenn der Angehörige aber an Demenz erkrankt ist, vergisst er nicht nur, was er mit seinen Sachen getan hat, er legt diese auch an den kuriosesten Orten ab: Das Bügeleisen findet sich beispielsweise im Kühlschrank wieder, die Socken in der Blumenvase und die Armbanduhr in der Zuckerdose.

Tipp:

Weisen Sie den Betreffenden in dieser Situation nicht zurecht. Auch das Abverlangen einer Begründung hilft nicht weiter. Vermittlen Sie dem Betroffenen eher Unterstützung, indem Sie ihm aktiv bei der Suche mithelfen und dabei beruhigend mit ihm reden. Wer den Überblick behält, wo gewöhnlich Sachen hinlegt werden, kann die bekannten Verstecke regelmäßig kontrollieren und so einer Suche entgegenwirken.

Orientierungslos verloren

Grundsätzlich ist man mit einer guten Orientierung gesegnet oder eben nicht. Demenz-Kranke verlaufen sich aber sogar in ihrer langjährigen Nachbarschaft. Sie verirren sich, weil sie nicht wissen, wie sie dorthin gekommen sind und wie sie wieder nach Hause finden sollen.

Eine gleichbleibende Umgebung und ein strukturierter Tagesablauf reduzieren die Probleme, die durch die Gedächtnisstörungen auftreten. Im Anfangsstadium können Hinweisschilder mit Symbolen an die Türen angebracht werden, um das Erinnerungsvermögen zu unterstützen. Beispielsweise können 'Messer und Gabel' als Symbol aufgemalt für Küche stehen und auch für die 'Bad' kann eine gezeichnete Toilette den richtigen Denkanstoß geben.

Tipp:

Regelmäßige Spaziergänge in der Nachbarschaft machen dementen Menschen nicht nur Spaß. Die Erinnerung wird so angekurbelt und gegen Langeweile hilft es allemal. Übrigens: Über die Probleme des Demenz-Kranken sollten auch die Nachbarn informiert werden. Ein Armband mit Namen, Adresse und Telefonnummer ist für den Fall der Fälle ratsam.

Symptome für Demenz: Gestörtes Zeitgefühl und Sprachstörungen

Ein Symptom für Demenz kann eine Sprachstörung sein
Demenzkranken fällt es oft schwer, den Alltag zu meistern. © picture-alliance/ ZB, Patrick Pleul

Wieder mal vergessen, welches Datum heute ist? Nicht schlimm! Wenn jemand allerdings noch nicht einmal mehr das Jahr weiß oder sich in einem völlig anderen Lebensabschnitt vermutet, ist das Zeitgefühl offensichtlich gestört und die Demenz bereits fortgeschritten. Auch einfache Aufgaben, wie eine Mahlzeit für Gäste zuzubereiten, kann der Betroffene nicht bewerkstelligen. Es hapert bereits an der zeitlichen Koordination, die Lebensmittel rechtzeitig einzukaufen. Und auch das Kochen und das Menü pünktlich zu servieren, stellen für Demenz-Kranke großen Hürden dar.

Tipp:

Kleinigkeiten im Alltag helfen Betroffenen, sich sicherer und damit wohler zu fühlen. Struktur ist hier das Zauberwort. Egal, ob es die Umgebung ist, der Tagesablauf oder feste Zeiten für Mahlzeiten, Zubettgehen und Ruhepausen. Sollte Oma verwirrt über den Wochentag sein oder das Datum, ist es ratsam diese Informationen ganz neben bei im Gespräch einfließen zu lassen.

Die Symptome für Demenz sind sehr unterschiedlich: Gedächtnisstörungen und Orientierungsprobleme

Sprachstörungen

Sprachstörungen sind ein klassisches Symptom von Demenz-Kranken. Sie vergessen einfache Wörter wie 'Stuhl' oder 'Schrank' oder ersetzen die Wortlücken oft durch willkürliche Begriffe. Für den Gesprächspartner ist es nicht immer einfach, das Gehörte zu verstehen.

Tipp:

Auch hier können Notizzettel (Symbole oder Schrift) an Gegenständen die Erinnerung auffrischen. Des Weiteren hilft es dem Betroffenen, wenn für ihn schwierige Begriffe im Gespräch immer wieder miteinfließen.

Alles, bloß das nicht

'Gehirntraining' in Form von beispielsweise ständigen Hausbegehungen, stumpfes Auswendiglernen und Abfragen sind einfach nur quälend und beschämend für den Betroffenen. Und vor allem helfen die Maßnahmen nicht weiter. Gedächtnisstörungen können so nämlich nicht rückgängig gemacht werden.

Ruhe bewahren ist angesagt, wenn ein Demenzkranker ausgebüchst ist. Schuldgefühle helfen auch nicht weiter, denn niemand kann eine 24-Stunden-Betreuung leisten! Durch das Armband mit Namen, Adresse und Telefonnummer kann Betroffenen auch geholfen werden.

An festen Strukturen sollte nach Möglichkeit nicht gerüttelt werden. Egal welche Art von Veränderung, sie stiftet Unruhe und Verwirrung.

Die Wohnung sollte nach Möglichkeit nicht verändert werden. Im schlimmsten Fall glaubt der Betroffene, an einem fremden Ort zu sein. Ein Umzug kann da äußerst problematisch werden.

Demenz-Symptome: Nachts ohne Orientierung und was dagegen helfen kann

Die vielen Demenz-Symptome sind oft nicht eindeutig
Schlafstörungen sind eine häufige Erscheinung bei Demenz. Das macht das Zusammenleben mit Demenzkranken oft besonders schwer. © picture-alliance, Frank Röder / CHROMORANGE

Nachts ohne Orientierung

In der Nacht hellwach und aktiv? Gerade Demenz-Kranke haben unter Schlafstörungen zu leiden. Manchmal kehrt sich der Schlaf-Wach-Rhythmus sogar ganz um. Das bedeutet, die Betroffenen können nicht mehr zwischen Tag und Nacht unterscheiden. Nicht nur für Betroffene ist das eine schlimme Sache, die im Dunkeln leicht einen Unfall haben können und sich verletzen. Auch für die Pflegenden bedeutet das eine gesundheitliche Belastung. Denn es ist kaum Zeit da, den fehlenden Schlaf am Tag nachzuholen.

Tipp:

Egal ob Spaziergang, 'Mensch-ärger-dich-nicht' spielen oder gemeinsam ein Bilderbuch angucken: So hat der Erkrankte körperlich und geistig etwas zu tun, und findet am Abend leichter Ruhe zum Schlafen.

Natürlich ist es wichtig, dass alte Leute genug Flüssigkeit zu sich nehmen. Allerdings ist es für die ungestörte Nachtruhe besser, tagsüber viel zu trinken und am Abend weniger. Vor allem Kaffee und schwarzer Tee ist Harn treibend und sollte Oma nur bedingt ausgeschenkt werden.

Einfach mal ausprobieren: Ein warmes Bad wirkt entspannend und macht müde. Wichtig ist vor allem auch, dass das Bett gemütlich ist, und der Demente sich richtig wohl darin fühlt. Ist die Bettdecke verdreht oder schlägt das Bettlaken Falten, hilft einmal ausschütteln, die Unruhe vergeht. Durch ein Baby-Phone bekommt der Betreuer mehr über nächtliche Aktionen des Demenz-Kranken mit. Wenn alles nichts hilft, und dennoch der zu Betreuende nachts herumläuft, muss Sicherheit groß geschrieben werden: Sind die Türen abgeschlossen? Kann man die Treppe hinunterstürzen? Könnten Stolpersteine im Weg liegen? Ist die Gefahr zu groß, sollte ein Gitter am Bett angebracht werden.

Für Angehörige eine schwierige Situation: Aggression und Wut als Symptom für Demenz

Aggression und Wut

Wut entsteht durch Angst. Angst, weil dem Pflegebedürftigen nicht mehr einfällt, wo er gerade ist oder wohin er auf dem Weg war. Manchmal genügt als Anlass schon eine Nichtigkeit. Es darf nicht vergessen werden, dass dieses Verhalten durch die Krankheit verursacht wird, und nicht durch den Betroffenen selbst.

Ein anderes Mal ist jemand vielleicht einfach wütend, weil er spürbar seine Selbstständigkeit verliert. Er muss nun um etwas bitten, das er früher ganz selbstverständlich erledigt hat. Oft klingen die Wutanfälle genauso schnell ab, wie sie gekommen sind. Derartige rasche Stimmungsschwankungen sind typisch für die Demenz-Erkrankung.

Tipp:

Ruhe bewahren ist das A und O, sonst könnte der Patient sich bedroht fühlen. Dabei ist ebenso zu beachten, dass man auf Augenhöhe ist. Wenn er also beispielsweise liegt, ist es sinnvoll sich hinzusetzten oder hinzuknien. Ablenkungsversuche helfen auch oft weiter: Wie wäre es, etwas vorzuschlagen, was er normalerweise gerne tut? Wenn klar ist, was das aggressive Verhalten ausgelöst hat, kann dieses zukünftig vielleicht vermieden werden.

Demenz-Symptome: Festhalten und Klammern an Bezugspersonen beruhigt

Menschen mit Demenz fällt es immer schwerer, sich normal zu verhalten.
Eines der auffälligsten Demenz-Symptome ist das Halluzinieren. Wenn Wahnvorstellungen den Demenzkranken plagen, hilft oft nur Verständnis. © picture-alliance/ ZB, Patrick Pleul

Anklammern und Nachlaufen

Der Pflegende gelangt an seine Grenzen, wenn der Kranke seiner Bezugsperson den ganzen Tag lang hinterher läuft und sich gar festklammert. Ohne es zu wollen, raubt er dem Pflegenden seinen Freiraum. Auch wenn dieses Verhalten schwer zu ertragen ist und Unmut auslöst, ist es jedoch auch nachvollziehbar: Für den kranken Menschen, dessen Welt zunehmend fremder und beunruhigender wird, ist die betreuende Person ruhender Pol und Orientierungspunkt gleichermaßen.

Tipp:

Lautstark auf seine Privatsphäre beharren, bringt gar nichts. Besser ist es, den Demenz-Kranken zu beschäftigen und beruhigend mit ihm zu sprechen. Wenn man das Haus allein verlassen möchte, immer erklären, dass man bald zurückkommt. Bei längerer Abwesenheit sollte eine andere Person sich um den Kranken kümmern.

Misstrauen

Egal, was man sagt, demenzkranke Menschen bezweifelt einfach alles und werden von Tag zu Tag misstrauischer. Verlieren oder verlegen sie beispielsweise ihre Schlüssel, kann das Ärger und Verzweiflung hervorrufen, da sie denken, andere möchten ihr Böses und haben den Schlüssel versteckt. Es ist auch möglich, dass der vermeintlich vermisste Gegenstand gar nicht existiert.

Tipp:

Unterstützen Sie den Betroffenen bei der Suche nach verschwundenen Gegenständen. Es ist auch nicht verkehrt, Nachschlüssel anzufertigen und von den wichtigsten Dokumenten Kopien zu machen. Krampfhafte Versuche, Betroffene davon zu überzeugen, dass sie sich irren, sind nicht zu empfehlen.

Demenz-Symptome: Wenn Halluzinationen auftreten, wird es schwierig

Wahnvorstellungen und Halluzination

Demenz-Kranke unterliegen oft Halluzinationen, das heißt, sie sehen, hören oder riechen etwas, was aber in Wirklichkeit gar nicht da ist. Wenn der Patient glaubt, dass ihn jemand bestohlen hat oder dass der Postbote ständig wichtige Briefe unterschlägt, spricht man dagegen von Wahnvorstellungen. Am häufigsten leiden Demenz-Kranke unter wahnhaften Verkennungen. So sind sie beispielsweise überzeugt, dass Verwandte und Bekannte eigentlich verkleidete Fremde sind oder sie erkennen sich selbst nicht mehr im Spiegelbild und erschrecken deshalb. Es ist auch möglich, dass der Demenz-Kranke eine Person am Küchentisch sitzen sieht, obwohl niemand da ist. Oft wird dem Pfleger nicht geglaubt, dass nun wirklich kein Mensch dort sitzt. Besser ist, einfach mitzuspielen und den 'ungebetenen Gast' zur Tür zu begleiten. Sinnestäuschungen und Wahnvorstellungen können Furcht und darüber wieder aggressives Verhalten auslösen.

Tipp:

Es ist sicher nicht leicht, immer die Ruhe zu bewahren, aber um der Demenz-Kranken Geborgenheit und Ruhe zu vermitteln, ist dies unbedingt notwendig. Sanfte Berührungen und eine ruhige Stimme helfen hierbei, ein gutes Gefühl zu vermitteln. "Oma/Mama, ich verstehe deine Sorgen“, sollte nicht ungesagt bleiben. So fühlen sich Betroffene besser verstanden und nicht mehr so allein auf der Welt. Manchmal können auch Erklärungen helfen, was die Halluzinationen oder den Wahn auslösen. Wird dieses aber nicht angenommen, sollte nicht darauf beharrt werden. Kleine Tricks mit großer Wirkung sind Spiegel abdecken, Tierfiguren oder Bilder entfernen, die Unmut auslösen und durch bessere Lichtverhältnisse im Wohnraum, verschwinden dunkle Ecken und Schatten, die Angst machen.

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