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DDR und FDJ: Unterricht an Handgranate und Gasmaske

DDR-Luft schnuppern mit Handgranaten und Gasmaske

Gestern gab es den zweiten Teil zur Punkt 12-Wochenserie ‚Zurück in die Vergangenheit‘. In unserem großen Experiment zum Jahrestag des Mauerfalls müssen 22 Schüler, die im vereinten Deutschland ausgewachsen sind, eine Woche lang genau so leben, wie es damals in der DDR üblich war. Dafür müssen die Schüler neumodische Erfindungen wie Handy oder Internet gegen den Fahnenappell und Wehrdiensterziehung tauschen.

Auf dem Stundenplan der Schulklasse steht heute ein ganz spezielles Unterrichtsfach: der Wehrdienst. Denn zu DDR-Zeiten war dies ein typisches Pflichtfach für Schüler der 9. und 10.Klasse. Heimleiterin Susanne Ungrad bringt Uniformen mit, damit die Teenies sich auch wirklich wie in der DDR fühlen - denn ihnen ist der militärische Unterricht natürlich völlig fremd. Auf dem Programm steht als erstes 'Exerzieren', die Teenager stehen alle in Reih und Glied und warten auf die Anweisungen ihres Ausbilders Thomas Krüger. Er kann sich besonders gut in seine Rolle hineinversetzen, da er den Wehrunterricht zu DDR-Zeiten als Schüler selbst miterleben musste. Und schon nach dem ersten militärischen Drill steht fest, dass die Schüler großen Respekt vor den Anweisungen haben, denn der Gleichschritt erzielt sofort die richtige Wirkung bei den Jugendlichen.

Als nächstes geht’s ans Navigieren mit dem Kompass. Diese Übung gefällt den Kindern auf Anhieb, denn es erinnert Sie an Geocaching, was heutzutage jung und alt begeistert. Endlich am Ziel angekommen heißt es erstmal Mittagspause. Aufgetischt wird ein typisches Lageressen im DDR-Wehrlager-Stil: Suppe mit Würstchen.

"Da kriegt man schon das Gefühl, dass es ernst ist"

Nach dem Mittagsessen müssen die Jungs der Gruppe noch eine neue Aufgabe lösen. Für einige bringt diese Erfahrung große Überwindung mit sich, denn Sie sollen Gasschutzmasken anlegen. Denn schnell fühlt sich die beunruhigende Situation beklemmend echt an. Die Übung bringt die Jugendliche an ihre Grenzen und das nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Den Schülern wird erst jetzt richtig bewusst, welche Strapazen die DDR-Kinder damals auf sich nehmen mussten.

Am Ende des Tages wartet noch eine Überraschung auf die Schüler aus Westdeutschland, denn Schauspieler und Musiker Bürger Lars Dietrich besucht die Teenager im Ausbildungslager. Der Musiker ist selbst in der DDR aufgewachsen und weiß, welche Anstrengungen die Schüler in dieser Woche auf sich nehmen mussten. Auch seine Jugend wurde stark von der sozialistischen Staatsmacht geprägt. Noch heute pflegt er deswegen einen starken Freiheitsdrang. Beeindruckt lauschen die Kids den spannenden Geschichten aus der Jugend des 41-Jährigen und lassen den Abend gemütlich ausklingen.

Doch schon morgen wird es wieder ernst für die Schulklasse. Dann steht Geografie auf dem Lehrplan. Wer sich dabei mutig gegen Frau Lehmann stellt, sehen Sie morgen in unserer Wochenserie.

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