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DDR und FDJ: Schüler feiern eine DDR-Party und ziehen ein Fazit

DDR-Disco mit Jugendmode - und den Puhdys

In der Punkt 12-Wochenserie 'Zurück in die Vergangenheit' anlässlich des Jahrestags des Mauerfalls vor 25 Jahren lernen 22 Schüler eine Woche lang das Leben zu Zeiten der DDR kennen. Sie selber sind alle im vereinten Deutschland aufgewachsen und sollen in unserem großen Experiment das Leben von gleichaltrigen Jugendlichen zu Zeiten des getrennten Deutschlands erfahren.

Am letzten Tag im DDR-Camp steht für die Schüler eine DDR-Disko auf dem Programm – mit passender Kleidung. In der DDR war es mit der Mode so: Da gingen junge Leute mit ihren Eltern einkaufen und schnappten sich einfach, was sie kriegen konnten. "Es gab Geschäfte, die hießen 'Die Jugendmode'", erinnert sich Marco Schreyl. Auch die Schüler merken schnell die Unterschiede, als sie sich wie früher einkleiden müssen.

Zwei Schüler – Adrian und Max – bestreiken sogar die Klamotten. Die alten Kleider sind für die "Schmerzgrenze". Alle anderen Schüler aber haben Spaß an dem Verkleiden für die DDR-Party. Sie ersetzen ihr Haargel mit Zuckerwasser und stylen sich mit Make-up aus früheren Tagen. Auch die Musik ist Thema: In der Disco laufen klassische DDR-Bands wie die Puhdys. Die oberste Musik-Regel in der DDR lautete: 60 Prozent Ost-Musik und maximal 40 Prozent West-Musik.

Am Tag nach der Disko hören sich die Jugendlichen zum Abschluss die Geschichte eines DDR-Flüchtlings an. Die Schüler sind von der Geschichte von Hartmut Richter sichtlich beeindruckt. Der damals 18-Jährige floh nicht nur selber aus der DDR, sondern verhalf auch insgesamt 33 weiteren Flüchtlingen nach Westberlin. "Ich werde mir auch ein Beispiel an ihm nehmen, weil er sich nicht nur um sich gekümmert hat, sondern auch um andere Leute", sagt Schüler Ben-Luca.

Gefühl der Gemeinschaft - und das Fehlen von Freiheit

Bevor sie das Camp endgültig verlassen, dürfen sich die Schüler einen Film über den Mauerfall anschauen. Am 9. November 1989 fiel mit der Berliner Mauer auch das damalige DDR-System. Der sogenannte "antifaschistische Schutzwall", der das Land in Ost und West teilte, war Geschichte. Mit diesem Film ist auch das Experiment für die Schüler vorüber. Sie erhalten ihr geliebtes Stück Freiheit zurück: Ihre Handys.

Sieben Tage lang lebten die Schüler im Kollektiv, trugen Blauhemden und erlebten Militär und Entbehrungen am eigenen Leib. Doch gleichzeitig erlebten sie Spaß, Überraschungen und einfach eine ganz besondere Zeit. "Ich finde es schon schade, dass wir jetzt nachhause fahren. Es war eine coole Woche und hat viel Spaß gemacht", sagt Schülerin Fenja.

Bei den Schülern hat das Experiment ein Gefühl von Gemeinschaft ausgelöst. Nicht zuletzt durch die gemeinsame Zeit im Camp - aber auch die gleiche Uniform hat dazu beigetragen. Der 15-jährige Kamil zieht ein ziemlich klares Fazit aus dem Erlebnis: "Wenn man das so vergleicht, dann geht es uns schon ziemlich gut."

Die Schüler haben gelernt, dass man auch zu Zeiten der DDR Spaß haben konnte, gleichzeitig aber auch vielen Regeln unterlag und seine Meinung nicht so einfach kundtun konnte wie heute. Die Freiheit ist das, was den Schülern während ihrer Erfahrung im Camp am meisten fehlte. Oder wie Schüler Nico es formuliert: "Ich finde Freiheit ist eigentlich ein sehr wichtiger Punkt im Leben."

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