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DDR und FDJ: Es wird ernst bei Fahnenappell & DDR-Unterricht

Bei Fahnenappell und DDR-Unterricht macht die Klasse ganz neue Erfahrungen

Gestern gab es den ersten Teil zur Punkt 12-Wochenserie ‚Zurück in die Vergangenheit‘. 22 Schüler die im vereinten Deutschland ausgewachsen sind, werden eine Woche lange genau so leben, wie es damals in der DDR üblich war. Statt Handys ruft in dieser Woche der Fahnenappell. Typischerweise wurde der mit der gesamten Schule und dem Direktor abgehalten. Für unsere Klasse übernehmen die Klassenlehrerin Frau Lehmann und die Heimleiterin Susanne Ungrad die Leitung der DDR-typischen Zeremonie. Die Lehrerin Frau Lehmann wird DDR-getreu von Elke Urban - Leiterin des Leipziger Schulmuseums - verkörpert.

Vor dem Fahnenapell werden zunächst zwei klassische DDR-Schülerrollen vergeben. Piyawan wird zur Gruppenratsvorsitzenden ernannt, Klassenkameradin Pia zur FDJ-Versitzenden. Ben-Luca wird zum Verweigerer der 'Freien Deutschen Jugend‘ und muss sogar sein FDJ Hemd abgeben. Der 14-jährige bekommt in seiner Rolle als absoluter Außenseiter schnell die Konsequenzen zu spüren, denn Protest kam nur selten vor.

Frau Lehmann hat ihren Schüler ziemlich auf dem Kieker. Schon morgens beim Fahnenappell wird Ben-Luca von ihr gemaßregelt. "Du gehst natürlich nach hinten, in die letzte Reihe“, verlangt sie schroff von dem Verweigerer. Schnell bekommen auch die Klassenkameraden Mitleid mit ihrem Freund. FDJ-Vorsitzende Pia hingegen geht in ihrer Rolle richtig auf: "Diesen Text mit 'Stillgestanden‘, das macht man sonst ja nur bei der Bundeswehr. Da habe ich mich schon richtig cool gefühlt."

Die meisten Schüler kennen heute keine regelmäßigen Rituale. Der militärische Drill beim Fahnenappell ist für sie eine völlig neue Erfahrung. Obwohl das aufkommende Gemeinschaftsgefühl bei den Jugendlichen gar nicht schlecht ankommt, möchten sie künftig auf das Singen politischer Lieder verzichten.

Staatsbürgerkunde im DDR-Unterricht kommt bei den Schülern gar nicht an

In der ersten Stunde steht Staatsbürgerkunde auf dem neuen Stundenplan. Ein sehr politisches Fach, das den Schülern begründen sollte, warum die SED, die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands, die führende Rolle in der Regierung hat. Und ihnen erklären soll, weshalb die Diktatur des Proletariats die höchste Form der Demokratie ist. Als Lehrerin hat Frau Lehmann die Aufgabe freundlich, aber auch parteilich zu sein und ihre Schüler im Sinne des Staates zu erziehen. Aus diesem Grund hat Außenseiter Ben es auch im Unterricht nicht leicht. Denn als FDJ-Verweigerer kann Frau Lehmann ihn nicht akzeptieren. Sie übt enormen Druck auf den Jungen aus, sich auch endlich der FDJ anzuschließen, blamiert ihn vor seinen Klassenkameraden. Das Gefühl der Ohnmacht und nicht widersprechen zu dürfen, macht sich schnell in Ben-Luca, aber auch bei seinen Klassenkameraden breit.

Das Kernfach der politischen Erziehung, die Staatsbürgerkunde, vermittelt: Die DDR und ihre Bruder-Länder sind gut - alles andere ist schlecht. Doch damit kann sich keiner der Teenies identifizieren. Mit einem gemeinsamen 'Freundschaft‘ beendet die Lehrerin den Unterricht, wie sie ihn begonnen hat. Für viele ist der DDR-Unterricht eine unangenehme Erfahrung und aus der heutigen Sicht der Schüler viel zu streng.

Nach Fahnenappell und Unterricht heißt es endlich: Essen fassen! Auch wenn vielen nicht klar ist, was hinter den verschiedenen Gerichten wie beispielsweise der 'Tote Oma‘ steckt, schmeckt es doch ganz gut - und es macht satt.

Doch schon morgen ist es vorbei mit dem gemütlichen Schnitzel-Essen. Es wird ernst für die Schulklasse – im Militärunterricht wird Handgranaten-Weit-Wurf trainiert.

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