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DDR und FDJ: 22 Schüler erfahren das Leben von damals bei einem Selbsttest hautnah

Kassettenrekorder, Uniformen und KEINE Handys - so lebten die Schüler in der DDR

Handgranatenweitwurf, Fahnenappell, Staatsbürgerkunde und FDJ – in der DDR gehörte das zum normalen Schulalltag. Wie sich das Leben damals angefühlt hat, ist kaum vorstellbar - gerade für die etwas jüngere Generation. Wie war das Leben zwischen Schulgemeinschaft und Staatskontrolle? Um das herauszufinden hat eine Schulklasse eine Reise in die Vergangenheit gemacht.

Schuluniformen, kein Internet und strenge Regeln – 22 Schüler, die im vereinten Deutschland aufgewachsen sind, werden für eine Woche lang so leben wie damals. Damals, als es noch die BRD und die DDR gab. Von dem damaligen Arbeiter- und Bauernstaat wissen die Jugendlichen recht wenig. Das wird sich im Laufe der Woche, während des Aufenthaltes in einem Schullandheim in Sachsen ändern. Ein vages Bild von der DDR glauben die Schüler jedoch zu haben: kleine Häuser, wenig Lebensmittel und strenge Lehrer. So sind die Vorstellungen.

In dieser Woche wird das damalige Leben nachempfunden. Dass das mit all seinen Seiten nicht zu 100% Begeisterung führen wird, ist vorhersehbar. Schon zu Beginn gibt es den ersten Schock: ‚Heimleiterin‘ Susanne Ungrad fordert die Kinder auf, ihre iPods und Handys abzugeben. Denn was es damals nicht gab, ist auch für die kommende Woche verboten. Auch der zweite Schock lässt nicht auf sich warten. Die Schüler wohnen im ehemaligen Ferienlager in 4-Bett-Bungalows mit Stube und Badezimmer. Alle Zimmer sind im originalgetreuen Ost-Look ausgestattet. Was sie auf dem Zimmer erwarten, sind eine Uniform, DDR-Lektüren, Spiele und Kassettenrekorder. Ob das die vorher abgegebenen Handys und iPods ersetzt? Aber auch bei den Beauty-Produkten müssen die Schüler auf ihre eigenen verzichten und stattdessen auf DDR-typische Seifen und Deos zurückgreifen. Ihre mitgebrachten Produkte nimmt Susanne Ungrad ihnen weg.

„Die Kinder sollen den Unterschied zwischen einer Demokratie und Diktatur spüren!“

Nachdem die Rahmenbedingungen in allen Bungalows erfüllt sind, kann die erste Schulstunde beginnen. Die Leiterin des Leipziger Schulmuseum, Elke Urban, ist für diese Woche Frau Lehmann, die Lehrerin der DDR-Klasse: „Mir liegt viel daran, dass Kinder den Unterschied zwischen Demokratie und Diktatur auf diese Weise mal erleben können, hautnah in dieser Rolle stecken und merken, dass sie ihre freie Meinung nicht äußern können. Dieses Ohnmachtsgefühl muss man einmal gehabt haben, um die Eltern und Großeltern zu verstehen.“

Bevor es mit dem Unterricht losgeht, startet der Tag mit einem DDR-typische Fahnenappell, wofür erstmal ein Gruppenratsvorsitzender festgelegt werden muss. Aber auch ein FDJ-Vorsitzender wird festgelegt. FDJ – Die Freie Deutsche Jugend. Doch frei bedeutete damals nicht das Gleiche wie heute. Das weiß auch Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Henning Schluß: „Die FDJ war eigentlich eine freiwillige Veranstaltung. Das Wort der Freiwilligkeit hat in der DDR einen ganz besonderen Klang gehabt. Ganz vieles war freiwillig. Aber wenn man nicht der FDJ beitrat, machte man sich ausgesprochen verdächtig und hatte mit erheblichen Schwierigkeiten zu rechnen.“

Was für Folgen es haben wird, kein FDJ-Mitglied zu sein und wie sich der Unterricht der damaligen DDR anfühlt, werden die Jugendlichen in der folgenden Tagen erfahren. Dazu mehr im zweiten Teil der Serie "Zurück in die Vergangenheit"!

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