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Das sind Ihre Rechte in der Schwangerschaft

Mutterschutz
Diese Rechte gelten für Schwangere bei der Arbeit. © Reicher - Fotolia

Zehn wichtige Regelungen für Schwangere

Sie sind schwanger? Herzlichen Glückwunsch! Denn bei der Arbeit steht Schwangeren und jungen Müttern ein besserer Schutz zu. Doch Sie haben auch Pflichten. Wissen Sie zum Beispiel, wann Sie Ihrem Chef von Ihrem Mutterglück erzählen müssen?

- Wann muss mein Chef von der Schwangerschaft erfahren?

Sie sollten Ihrem Arbeitgeber von Ihrer Schwangerschaft erzählen, sobald die Schwangerschaft eindeutig feststeht und der voraussichtliche Geburtstermin festgestellt wurde. Achtung: Wenn Sie Ihrem Vorgesetzten nicht von der Schwangerschaft erzählen, greifen auch die Bestimmungen des Mutterschutzgesetzes nicht!

Daraufhin ist der Arbeitgeber gesetzlich dazu verpflichtet, die Schwangerschaft dem Gewerbeaufsichtsamt zu melden.

Arbeitskollegen oder auch anderen Leuten darf Ihr Chef aber nichts von Ihrem "Zustand" erzählen.

Achtung: Ihr Arbeitgeber kann allerdings ein ärztliches Attest von Ihnen verlangen. Die Kosten dafür muss aber der Arbeitgeber übernehmen.

- Welche Arbeiten darf ich nicht mehr ausüben während der Schwangerschaft?

Alle Arbeiten, die die Gesundheit Ihres ungeborenen Kindes gefährden könnten, sollten Sie nicht mehr verrichten. Mit gefährlichen Stoffen dürfen Sie nicht mehr hantieren und auch Nacht- und Fließbandarbeit dürfen Sie dann nicht mehr ausüben.

Auch Arbeiten, bei denen Sie Lärm, Erschütterungen, Dämpfen, Hitze und Kälte ausgesetzt sind, sind absolut tabu.

Ein Job, bei dem Sie sich häufig strecken und beugen müssen oder mehr als fünf Kilo tragen, ist ebenfalls nichts mehr für eine Schwangere. Mehr als vier Stunden zu stehen ist ebenfalls verboten.

Hinzu kommen, neben dem Mutterschutzgesetz, noch einige andere Regelungen, die der Gesetzgeber erlassen hat, um die werdende oder stillende Mutter vor gesundheitlichen oder anderen schädlichen Einflüssen zu schützen.

- Ab wann und wie lange gilt der Mutterschutz?

Die Schutzfrist für Schwangere beginnt sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin und endet acht Wochen nach der Geburt - bei Frühgeburten oder Mehrlingsgeburten zwölf Wochen nach der Entbindung.

In den sechs Wochen vor der Geburt, darf die Mutter nur weiter beschäftigt werden, wenn Sie das ausdrücklich wünscht. Während der Schutzfrist nach der Geburt besteht absolutes Beschäftigungsverbot.

In der Zeit des Mutterschutzes haben Sie Anspruch auf Mutterschaftsgeld, dass Sie bei Krankenkasse beantragen können sowie einen Arbeitgeberzuschuss. Mutterschaftsgeld und Arbeitgeberzuschuss machen meist ungefähr so viel aus wie Ihr letztes Nettoeinkommen.

- Gibt es für Schwangere das Recht auf Sonderpausen während der Arbeitszeit?

Natürlich müssen Sie auch während der Arbeit auf ausreichende Erholungspausen achten.

Für Arztbesuche muss Sie Ihr Chef außerdem auch freistellen. Nacharbeiten müssen Sie diese Zeit auf keinen Fall!

Für Mütter gibt es auch extra Regelungen für die Stillzeit während der Arbeitszeit. Das kann beispielsweise zweimal täglich eine halbe Stunde oder einmal pro Tag eine Stunde sein.

- Darf eine werdende Mutter gekündigt werden?

Nein. Eine Kündigung ist während der gesamten Schwangerschaft und auch bis zu vier Monate danach nicht zulässig.

Eine der folgenden Bedingungen muss allerdings erfüllt werden:

-- Der Arbeitgeber wusste im Moment der Kündigung über die Schwangerschaft oder die Entbindung Bescheid.

-- Innerhalb von zwei Wochen nach Zugang der Kündigung muss der Arbeitgeber über die Schwangerschaft oder die Entbindung informiert werden.

Achtung: Das Mutterschutzgesetz gilt nicht für Selbständige, Geschäftsführerinnen und Hausfrauen.

Schwanger und doch gekündigt - was tun?

Wusste der Boss von der Schwangerschaft und hat Ihnen trotzdem gekündigt, dann können Sie binnen drei Wochen Klage beim Arbeitsgericht einreichen.

Sie können die Klage entweder mündlich vor Gericht zu Protokoll geben oder Sie beauftragen einen Rechtsanwalt.

Auch wenn Sie den Prozess gegen Ihren Arbeitgeber gewinnen, müssen Sie Ihre Rechtsanwaltskosten trotzdem selbst bezahlen.

- Was passiert, wenn sich der Geburtstermin verschiebt?

Kommt das Baby früher als errechnet, werden jene Tage, die der Mutter dadurch entgangen sind, am Ende dazugerechnet, so dass mindestens 14 Wochen Mutterschutzfrist bleiben.

Kinder, die mehr als drei Wochen vor dem eigentlichen Geburtstermin auf die Welt kommen, gelten allgemein als Frühchen. Per gesetzliche Definition handelt es sich laut § 6 Abs.1MuSchG um eine Frühgeburt, wenn das Neugeborene weniger als 2500 Gramm wiegt oder wenn es wegen noch nicht voll ausgebildeter Reifezeichen eine erweiterte Pflege benötigt.

Lässt sich der Nachwuchs etwas mehr Zeit, wird die Schutzfrist von acht bzw. zwölf Wochen nach der Geburt nicht verkürzt.

- Was kommt nach dem Mutterschutz?

Die Elternzeit können Sie entweder direkt nach der Mutterschutzfrist in Anspruch nehmen, oder auch zu einem späteren Zeitpunkt.

Die Elternzeit muss spätestens sieben Wochen vor deren Beginn beim Arbeitgeber angekündigt werden. Diese ist für jedes Elternteil höchstens drei Jahre lang und endet grundsätzlich mit der Vollendung des dritten Lebensjahres des Kindes.

Ein Anteil von bis zu einem Jahr kann auch noch später genommen werden - bis zur Vollendung des achten Lebensjahres des Kindes, solange der Arbeitgeber damit einverstanden ist.

Während der Elternzeit haben Sie Anspruch auf Elterngeld.

- Welche Rechte gelten in der Ausbildungszeit?

Auszubildende, die während ihrer Lehre schwanger werden, haben im Grunde genommen fast die gleichen Rechte wie Angestellte.

Wenn abzusehen ist, dass die Auszubildende durch die Schwangerschaft länger fehlen und daher die Abschlussprüfungen nicht schaffen kann, besteht die Möglichkeit bei der Aufsichtsstelle oder Kammer einen Antrag auf Verlängerung der Ausbildungszeit stellen.

Einen Anspruch auf eine Übernahme nach der Lehre haben Sie aber nicht, außer diese war bereits vor der Schwangerschaft mit dem Ausbilder besprochen.

- Welche Rechte haben schwangere Frauen, die selbstständig arbeiten?

Für Selbstständige ist es ohne finanzielle Rücklagen oft schwierig, lange mit ihrer Arbeit auszusetzen. Deswegen arbeiten Selbstständige in vielen Fällen auch während der Mutterschutzfristen. Denn der Mutterschutz gilt nur für Arbeitnehmerinnen und nicht für Selbstständige.

Daher ist es wichtig, dass freiwillig gesetzlich Versicherte eine Krankentagegeldversicherung abschließen. Dann erhalten sie in den 14 Wochen der Mutterschutzfristen Mutterschaftsgeld, das der Höhe des Krankengeldes entspricht.

Bei privaten Versicherungen wird häufig nur eine Entbindungspauschale bezahlt. Hier kommt es allerdings auch darauf an, welche Leistungen Sie in Ihrem Versicherungsvertrag festgelegt haben.

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