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Das erste Mal: So verhalten Sie sich als Eltern richtig

Über das erste Mal sprechen ist nicht so leicht, aber wichtig!
Über das erste Mal sprechen ist nicht so leicht, aber wichtig! © Franz Pfluegl

Wie bereitet man sein Kind auf das erste Mal vor?

"Ich sagte, ich glaube, ich bin so weit... Ich möchte. Und sie antwortete: Ok, dann werden wir als nächstes Folgendes tun: Wir besorgen dir die Pille!" So einfach und schnell ging das also angeblich bei Reality-TV-Star Kim Kardashian, als sie sich im zarten Alter von 14 Jahren reif fühlte für "das erste Mal". Mit ihrer Mutter konnte sie, so erzählte sie der Talkerin Oprah Winfrey, über alles offen reden, weshalb das "erste Mal" dann auch mit dem Einverständnis ihrer Mutter stattfand – als Kim 15 war.

Vor Ursula Willimsky

Mein Kind will mit 14 die Pille – wie gehen Mütter mit so einem Wunsch am besten um? Ist der Zeitpunkt nicht noch etwas früh? Sollte die Kleine nicht noch warten? Wie rede ich überhaupt mit ihr über ihre Sexualität? Über dieses sensible Thema haben wir mit Marita Völker-Albert von der BZGA gesprochen – und sie um Tipps für Teenager-Mütter gebeten.

Einer ihrer ersten Tipps setzt schon Jahre vor dem Erwachen der Sexualität ein: "Wir wollen Mädchen zu selbstbewussten Mädchen machen, damit sie selber entscheiden können." Im Gespräch mit der Tochter sollte die Mutter deshalb die Reife des Teenies besprechen – und versuchen, herauszufinden, woher der Wunsch nach der Pille kommt. Ist es ihr selbstbestimmter Wunsch? Oder reagiert sie eher auf das Drängen ihres Freundes? "Das sind Dinge, die wirklich sehr intensiv zu besprechen sind, da ist jeder Mensch anders."

Deshalb nennt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auch kein statistisches Alter für das „erste Mal“. Zum letzten Mal wurden 2010 Mädchen und Jungen zwischen 14 und 17 Jahren befragt – und ein Drittel von ihnen hatte noch überhaupt keinen Sex: "Wenn man da dann ein Durchschnittsalter ausrechnen würde, ergäbe sich ein völlig verzerrtes Bild", betont die BZGA-Pressesprecherin. Immerhin weiß man, dass die Jugendlichen sich heute mit dem ersten Sex wieder mehr Zeit lassen.

"Sie werden wieder älter. Und das Gros der Jugendlichen sagt: Wir haben nur Sexualverkehr, wenn wir in einer festen Beziehung sind." Und noch eine – für Eltern wohl beruhigende – Nachricht: "Das Verhütungsverhalten von Teenagern ähnelt dem von Erwachsenen", sagt Völker-Albert, "was man auch daran sieht, dass die Zahl der Teenagerschwangerschaften zurückgeht."

Für die meisten Teenager ist es ohnehin eine Horrorvorstellung, Vater oder Mutter zu werden. Doch gerade beim "ersten Mal" scheinen sie noch recht unsicher zu sein – auch was das Thema Verhütung anbelangt. In der BZGA-Broschüre "Über Sexualität reden…Die Zeit der Pubertät" wird darauf hingewiesen, dass Jungen und Mädchen zwar großen Wert auf sicher Verhütung legen – das tatsächliche Bewusstsein dafür aber erst mit zunehmender sexueller Erfahrung wächst. Im Klartext: Etwa jedes vierte Mädchen und etwa jeder fünfte Junge erleben das "erste Mal" eben doch ungeschützt.

Deshalb sei es sehr wichtig, frühzeitig mit dem Teenager über Sex und Verhütung zu sprechen: "Beginnen Sie von sich aus ein Gespräch, wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Kind demnächst sexuell aktiv sein wird und nicht erst dann, wenn Ihr Kind Sie über sein erstes Mal in Kenntnis setzt."

Hui. Leicht geschrieben. Schwer gesagt. Bestenfalls haben Körpererziehung und Sexualerziehung das Kind ohnehin schon von ganz früh begleitet. Schon die 5-Jährigen interessiert ja, wieso die Mama aus dem Kindergarten ein Baby im Bauch hat, und wodurch sich Jungs und Mädchen unterscheiden. "Sexualerziehung findet inzwischen schon in der Grundschule bindend statt. Aber daneben bleiben Mütter und Väter wichtige Ansprechpartner", sagt Völker-Albert, und hofft, "dass die Zeiten, wo bei der ersten Mensis das erste Gespräch gesucht wird, vorbei sind." Man sollte darauf eingehen, wenn das Kind von sich aus Themen rund um die Sexualität anspricht – und dann in kindgerechten und altersgemässen Worten antworten.

Rufen Sie sich Ihr erstes Mal in Erinnerung

Die Broschüre der BZGA rät zudem dazu, sich auch die eigene Pubertät in Erinnerung zu rufen: Wie hätte ich mir das damals gewünscht? Was wäre mir angenehm gewesen im Gespräch mit meinen Eltern? Was hätte mir geholfen? Und was war mir einfach nur peinlich? Schrecklich fand ich den Spruch, den meine Mutter immer auf Lager hatte: "Kind, heb Dich auf und warte auf den Richtigen!", sagt zum Beispiel die Mutter von Julia.

"Solche Sätze möchte ich meiner Tochter ersparen".

Zumal die BZGA auch davon abrät, den potenziellen Partner (abgesehen von wirklich ernsthaften Bedenken) allzu madig zu mache: Da ist die Gefahr zu groß, dass das eigene Kind sich zurückzieht und einem gar nichts mehr anvertraut. Trotzdem: Eine eigene (Eltern-)Position tut gut. Allein schon, weil das Kind merkt, dass man sich um es sorgt. Aber auch, wenn es sich vielleicht unsicher ist, ob es tatsächlich der eigene Entschluss ist, jetzt schon Sex zu haben. Solchen Jugendlichen kann eine klare Elternmeinung den Rücken stärken bei der Frage, ob sie lieber auf das eigene Gefühl hören statt auf den Druck der Clique zu reagieren. Und auch der Hinweis, dass die Chancen steigen, mit zunehmender Reife das "erste Mal" auch als etwas wirklich schönes zu erleben, kann hilfreich sein.

All diese Gespräche sollten in einer lockeren, ruhigen Atmosphäre stattfinden. Und trotzdem wird es auch Jugendliche geben, die über diese sehr intimen Dinge eben nicht mit Mama oder Papa reden wollen, was man laut BZGA auch respektieren sollte. Indem man zum Beispiel andere Informationsquellen anbietet: Die Patentante etwa, eine Ärztin, oder eine Beratungsstelle. Oder es ihnen ermöglicht, sich selbst zu informieren, zum Beispiel auf dem Jugendportal der BZGA www.loveline.de.

Sicherlich fällt es schwer, das "Kind" seine eigenen Erfahrungen machen zu lassen. Aber genauso sicher scheint es, dass das Kind diese Erfahrungen macht. Eltern können ihm dabei nur helfen. Indem sie möglichst lockerer Atmosphäre mit ihm sprechen, das Kind ernst nehmen, zwischendrin auch mal über das Thema lachen können (wie kommt denn nun das Kondom auf die Banane?) und alles versuchen, um ihm Selbstvertrauen zu geben. Dazu gehört vielleicht auch dieser Tipp aus der Broschüre: Wenn es Zeit wird für den ersten Frauenarztbesuch nicht der Bequemlichkeit halber einfach zu Mamas Arzt gehen. Sondern der Teenie-Tochter die Auswahl der Ärztin überlassen.

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