Das eigene Kind weggegeben - aus Verzweiflung

Autistisches Kind kostet alle Kraft

In Deutschland leben schätzungsweise 80.000 Autisten - die Dunkelziffer ist wesentlich höher. Wie hart es für eine Mutter ist, ein schwer autistisches Kind großzuziehen und mit ihm zu leben, weiß Tessa Korber. Sie hat darüber nicht nur ein Buch geschrieben, sondern berichtet ganz offen davon, wie der Autismus ihres Sohnes Simon ihr ganzes Leben verändert hat.

Simon war ein Wunschkind. Bis er drei Jahre alt, entwickelte er sich ganz normal. Plötzlich die ersten Anzeichen: Simon spricht kaum noch, nimmt keinen Blickkontakt auf, er spielt nicht mehr. Dann kommen die Ticks. Er wischt die ganze Zeit über sein Gesicht, zieht dauernd die Socken stramm – der Junge hat Angst.

Sohn autistisch, Mutter depressiv

Das Leben mit der Krankheit entwickelt sich vor allem für den kleinen Jungen zur täglichen Achterbahnfahrt. Im einen Moment noch lachend auf dem Trampolin, reißt er sich im nächsten Moment schreiend die Kleider vom Leib, schlägt sich gegen den Kopf.

Tessa Korber gerät immer öfter an ihre Grenzen, ist hilflos, sieht keine Perspektive mehr: „Ich habe jahrelang einen Flirt mit dem Tod geführt.“ Die tagtägliche Überforderung macht die Mutter depressiv. Sie muss für drei Monate in die Psychatrie. Ihr Sohn Simon kommt in dieser Zeit in ein Heim. „Wenigstens habe ich durch die Tabletten nichts gefühlt“, sagt die Mutter.

Nachdem Tessa Kober wieder zu sich findet, steht sie vor der größten Herausforderung ihres Lebens: Sie besucht ihr eigenes Kind im Heim. Die Mutter zerreißt es innerlich, sie erwartet Simons Schuldspruch. Als sie vor Simon steht, freut er sich einfach nur, seine Mutter wiederzusehen. Keine Vorwürfe, aber Tessa kann ihren Sohn nicht einfach mitnehmen. Beide müssen lernen, ein Leben auf Abstand zu führen.

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