Darum fassen wir uns ständig ans Gesicht

Warum wir uns ins Gesicht fassen
Der unbewusste Griff ins Gesicht dient dazu, den Kurzzeitspeicher des Gehirns zu leeren und wieder aufnahmebereit zu machen.

Gesicht berühren ist typisch menschlich

Was hat es zu bedeuten, wenn wir uns - einfach so mal - im Gesicht berühren? Wissenschaftlern ist es schon seit langem ein Dorn im Auge, dass sie einfach nicht erklären konnten, warum Menschen das tun. Dabei ist die 'Selbstberührung im Gesicht‘ typisch für den Menschen. Tiere machen das nicht. Einzige Ausnahme: Affen.

Ein vierköpfiges Forscher-Team der Universitäten Leipzig und Jena liefert endlich eine Antwort: Die Berührung des eigenen Gesichts hilft uns dabei, kognitive Überforderungen und emotionalen Stress auszubalancieren. Auf Deutsch: Ich fasse mir an den Kopf, um einen übervollen Arbeitsspeicher im Hirn zu löschen.

Ähnlich einem Computer, der Neues zunächst im Arbeitsspeicher und erst nach dem Speichern auf der Festplatte unterbringt, ist auch unser Gehirn aufgebaut. Die kognitiven Reize - also alles das, was wir mit unseren Sinnen erleben - sowie unser emotionales Innenleben, landet zunächst in einer Vorform des Gedächtnisses.

Das hat den Vorteil, dass unser Gehirn nicht ständig alles abspeichern muss, was wir tagtäglich erleben. Dieser Speicher füllt sich jedoch recht rasch. Wenn viele Eindrücke gleichzeitig auf uns einstürmen und besonders, wenn auch unangenehme Sachen dabei sind, ist unsere Kapazität rasch erschöpft. Der Griff ins Gesicht ist also eine Art 'Reset-Taste‘.

Psychologen und Kriminalkommissaren war ein Zusammenhang zwischen dem meist unbewussten Griff ins Gesicht und innerem Stress bereits lange geläufig. Die Geste galt als Anzeiger für große Anspannung und für Lügen. Das stimmt nach diesen Erkenntnissen nur ungefähr. Die Geste, sich ins Gesicht zu fassen, ist eher eine Art Knopfdruck, der den 'Arbeitsspeicher‘ des Gehirns leert und aufnahmebereit macht.

Die Forscher werteten dazu die Hirnströme von Probanden aus, die sich mehrere Dinge merken sollten, während sie mit diversen Reizen und Lärm gestört wurden.

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